© Dr. Hj. Biener
Donebach 153 kHz
 

Der Langwellensender Donebach kann auf eine bewegte Vorgeschichte zurückblicken. Nachdem es ab 1933 einen Deutschlandsender auf Langwelle gegeben hatte, gingen nach dem zweiten Weltkrieg die vier Besatzungszonen Deutschlands 1948 auf der Kopenhagener Wellenkonferenz leer aus. Als jedoch in Ostdeutschland Langwellensender in Betrieb genommen wurden, brachte das in Westdeutschland die ARD auf den Plan. Nach zähen Verhandlungen konnte der Nordwestdeutsche Rundfunk am 8. Mai 1953 mit Versuchssendungen auf 151 kHz (Moorfleet 20 kW, Abschirmung zugunsten von Tromso, Norwegen, und Brasov, Rumänien) beginnen. Man setzte sich an den untersten Rand des Langwellenbandes, also unter den höchsten regulären Kanal 155 kHz. Je nach Empfänger und Empfangslage mischten sich dann die Morse- und Funkfernschreib-Signale aus dem Bereich 140-150 kHz mit den Capri-Fischern, Zarah Leander und dem ersten Freddy.

Ab dem 2. Mai 1956 wurde 16.00-24.00 Uhr Ortszeit ein Unterhaltungsprogramm unter dem Namen "Deutscher Langwellensender" ausgestrahlt. Der Sender wurde zum 1. Januar 1962 dem 1960 gegründeten Deutschlandfunk zur Ausstrahlung seines Programms zugewiesen. Die Kölner Studios waren damals noch nicht fertig, so dass ab 1. Januar 1962 erst einmal aus dem NDR Funkhaus in Hamburg gesendet wurde. Das Kölner Informationsprogramm war ein Gegenstück zum Deutschlandsender der DDR und für Jahrzehnte mangels UKW-Frequenzen allein auf Lang- und Mittelwelle angewiesen. 

Der Deutschlandfunk begann mit zwei Frequenzen: Hamburg-Moorfleet 151 kHz (20 kW), von wo bis zum 30. November 1962 über eine Weiche auf den NDR 971 kHz Mast gesendet wurde und Mainflingen 1538 kHz (50 kW). Die Deutsche Bundespost besaß nur die Splitfrequenz 151 kHz und benötigte für die Fernversorgung eine Frequenz im oberen Teil des Mittelwellenbereichs. Nach langwierigen Verhandlungen mit dem Südwestfunk konnte die Freischaltung der Frequenz 1538 kHz erreicht werden. Zur Ablösung der ehemaligen SWF- Gleichwelle Reutlingen, Ravensburg und Bad Dürrheim finanzierte die Deutsche Bundespost dem Südwestfunk die Errichtung des neuen Bodensee-Senders bei Rohrdorf. Die Frequenz für den Sender, damals 665 kHz, konnte man nach Verhandlungen mit den US-Behörden vom US-Soldatensender AFN bekommen.

Am 1. Dezember 1962 wurde die Langwelle nach Mainflingen verlegt. Über eine behelfsmäßige Sendeanlage (fahrbaren "Reichspost Soldatensender Martha" mit 2 x 10 kW) strahlte die Deutsche Bundespost das Programm des Deutschlandfunks mit 25 kW, später mit 50 kW aus.

Im März 1967 wurde das Provisorium in Mainflingen durch den Sender Donebach im Odenwald abgelöst. Zunächst wurde hier mit einer Leistung von 70 kW gesendet. Nach einem weiteren Ausbau nahm am 1. 7. 1972 ein 250 kW-Sender den Betrieb auf. Nach dem Inkrafttreten des Genfer Wellenplans (1978) wanderte die Frequenz geringfügig von 151 über den regulären Kanal 155 auf 153 kHz. Der Deutschlandfunk teilt sich die Frequenz laut Wellenplan mit Gleichkanalsendern im nördlichen Norwegen, in Rumänien, Russland und Algerien. Allerdings verzichtete Norwegen 1991 bis 1999 auf die Langwelle und in Russland verstummte die Welle im Jahr 2000 zeitweise durch Stromsperren wegen unbezahlter Rechnungen.
 
Wer eine Fahrt durch den Odenwald macht, hat zum Beispiel auf der B 27 schon früh die imposanten Sendemasten des Langwellensenders Donebach vor sich. Mit 363 Metern Höhe gehören sie zu den höchsten Bauwerken in Deutschland. Fernreisende orientieren sich am Kreuz zwischen der Autobahn A6 Nürnberg-Heilbronn und A7 Ulm-Würzburg und dann Richtung Westen nach Stuttgart. Wer sich an der Abfahrt Heilbronn/Neckarsulm Richtung Neckarsulm orientiert, kann der B 27 dann folgen. Von Mudau aus sind es noch 3 km bis Donebach. Bevor es am Ortsausgang nach Mörschenhardt geht, kann man in die Senderstraße einbiegen.
Die beiden Masten und die zahlreichen Abspannseile und Verankerungen sind ein grandioses Bild und einen Besuch wert, auch wenn man nur die Antennen photographieren kann und nicht den Sender. Eingezäunt sind nur die Verankerungen, ansonsten stehen die Antennen auf einem riesigen freien Feld, wo Hundebesitzer ihre Hunde laufen lassen. An einer Reihe von Stellen stehen Warnleuchten. Bei blinkendem gelben Licht muss man das Gelände umgehend verlassen, denn es besteht "Lebensgefahr durch Eisabfall bzw. Blitzschlag im Bereich der Antennenanlage".

Die beiden Stahlgittermaste wurden 1981/82 in 14 Monaten Bauzeit aus vier kleineren Masten und neuen Teilen erstellt. In den Fundamenten wurden 2800 cbm Beton vergossen. Einschließlich der beiden 250-kW-Sender von Telefunken kostete die Anlage, die am 23. Oktober 1982 in Betrieb genommen wurde, 40 Mio. DEM.

Längere Zeit wurde der Sender mit einer Leistung von 250 kW betrieben. Seit dem 2. Januar 1997 wird die Langwelle wieder mit 500 kW belegt. Nach einer Reichweitenkarte der Sendertechnik von Mai 1997 versorgt die Langwelle tagsüber Deutschland, die Beneluxstaaten, einen Großteil Frankreichs und der Schweiz. 1997 wurde die Sendeanlage aufwendig renoviert und dabei zeitweise  durch einen alten 100-kW-Sender in Königs-Wusterhausen vertreten.

An sich strahlt die Langwelle rund um die Uhr das Programm des Kölner Deutschlandfunks aus. Aber seit vielen Jahren kommen auf 153 kHz immer wieder auch Sonderprogramme. Ein frühes Beispiel sind von 1988 die 15 Stunden täglich ARD-Olympiawelle zu den Olympischen Spielen von Seoul. Am regelmäßigsten sind jedoch Übertragungen aus dem Parlament. Die Techniker haben die Auswahl von vier Zufühungen haben: zwei ISDN für Normal- und/oder Bundestags/Sondersendungen, Satellit, oder auch Ballempfang vom UKW-Sender Hornisgrinde im Nord Schwarzwald. In Stuttgart beispelsweise ist zu beobachten, dass die Langwelle 153 kHz fast eine Sekunde schneller als Ravensburg 756 kHz und die DLF UKW Sender herein kommt.
 
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