© Dr. Hj. Biener
Thurnau 549 kHz

Beim Sendestart verfügte der neugegründete landesweite Hörfunksender Deutschlandfunk nur über eine bescheidene Sender- und Frequenzausstattung. Als dritten Sender nach der Hamburger Langwelle 151 kHz und der Mittelwelle Mainflingen 1538 kHz bekam der  Deutschlandfunk im September 1962 den 100-kW-Mittelwellensender Königslutter. Nach langwierigen Verhandlungen machte AFN München die Mittelwelle 547 kHz (100 kW) für den Deutschlandfunk frei.
 
Am 23. November 1978 trat der Genfer Wellenplan in Kraft, der für zunächst elf Jahre die Zuweisungen für 10000 Lang- und Mittelwellensender in Europa, Afrika, Asien und Ozeanien regelte. Bei der Frequenzplanung wurde die Gleichwelle 548 kHz des Deutschlandfunks leicht auf 549 kHz erhöht. Zugleich wurden zwei völlig neue Standorte koordiniert: Thurnau (200 kW) in Oberfranken und Nordkirchen in Westfalen (100 kW). 

Seit 2002 ist das DeutschlandRadio, außer bei 1422 kHz, Inhaber sämtlicher Frequenzzuteilungen der AM-Sender, die die Programme Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur ausstrahlen. Inhaber und Vermieter aller der ehemaligen Telekom-Senderstandorte ist die Deutsche Funkturm GmbH, für den Senderbetrieb zeichnet die T-Systems Media & Broadcast GmbH verantwortlich.

Die beiden Standorte lösten Sender in  Königslutter (d 800 kW, n 400 kW in Rundstrahlung) und Bad Dürrheim (d 100 kW, n 30 kW in Rundstrahlung) ab, die zuvor auf 548 kHz gesendet hatten. Diese Frequenz war Mitte der sechziger Jahre vom Soldatensender American Forces Network für den Deutschlandfunk freigemacht worden, so wie der DLF vom Südwestfunk den nicht mehr gebrauchten Standort Bad Dürrheim bekam. Während Bad Dürrheim bei der Einführung des neuen Wellenplans 1978 aufgegeben wurde, blieb Königslutter erhalten und sendete weiter auf 756 kHz.

Bei den Planungen für den Genfer Wellenplan kam 1975 ein neuer Standort für den Deutschlandfunk heraus: Tannfeld bei Thurnau.

Die Sendeanlage bei Thurnau ist über die A-70 von West und Ost gut zu erreichen. Von Thurnau West aus orientiert man sich nach Süden 5 km nach Tannfeld. Dabei muss man sich eine Zeitlang vom Blick auf den Antennenmast verabschieden und einer kurvenreichen Straße durch den Wald folgen. Die Sendeanlage ist ab dem Weiler Kleetzhöfe wieder zu sehen. In Tannfeld biegt man dann nicht in den Ort ab, sondern folgt in entgegengesetzter Richtung gut 2 km einem Teerweg bis zum Sendergebäude. Hier sind nicht nur die technischen Einrichtungen der Sendeanlage, sondern auch Büro, Werkstatt und kleiner Küche, so dass die Telekom-Mitarbeiter die Anlage gerne als Ausgangspunkt für Wartungsaufgaben in der Region nutzen. An sich arbeiten die Sender vollautomatisch und sind seit jeher fernüberwacht worden. Seit der Privatisierung der Telekom ist die Aufgaben- und Arbeitszeitverteilung immer flexibler geworden, so dass Spontanbesuche kaum möglich sind.


Für den oberfränkischen Standort wurden gut 11 Mio. DM investiert. Die Sendeanlage wurde mit zwei 100-kW-Mittelwellensendern von Telefunken und einem 240-m-Mast (Lambda-Halbe-Strahler) ausgestattet. Als Gegenpol liegt ein Erdnetz 250 m in alle Richtungen. Die Senderanlage wurde unter dem Gesichtspunkt höchstmöglicher Effizienz geplant und erreicht einen Gesamtwirkungsgrad von 72 Prozent. Die Heizung der Gebäude stammt von der Abwärme der Sender. Falls beide ausfallen sollten, gibt es doch noch eine kleine Heizung, damit nichts einfriert.

 

Das Programm des Deutschlandfunks wird über Satellit zugespielt. In der Schaltzentrale werden dann Sender, Betriebsart, Senderstärke (25, 50, 100, 200 kW) und Frequenzaufbereitung geschaltet. Falls alle Verbindungen ausfallen, ist passenderweise ein Grundig Satellit 3400 für den UKW-Ballempfang eingebaut. Der aktuelle Nutzungsvertrag zwischen der Telekom und dem Deutschland-Radio läuft bis zum Jahr 2006.

Der größte Teil des frei zugänglichen Geländes gehört der Telekom und ist verpachtet. Der fußpunktgespeiste Antennenmast ist doppelt eingezäunt. Dabei umgrenzt der innere Zaun die Zone der Lebensgefahr, der äußere Zaun grenzt den Bereich ab, in den üblicherweise das Eis vom Mast herunterkommen würde. Eingezäunt und mit zahlreichen Warnhinweisen versehen sind die Verankerungen der Abspannseile.

© Dr. Hansjörg Biener 0105
letzte Bearbeitung 0809
Eingangsseite
Portraits: AM-Rundfunksender in Mitteleuropa
Portraits: deutschsprachige Auslandsdienste
Nachrichten: allgemeiner Auslandsfunk
Nachrichten: religiöse Sender