© Dr. Hj. Biener
Berlin

1946 Errichtung der Sendeanlage an der Stallupöner Allee
Die Sendestation Stallupöner Allee lag am Rande des Grunewalds, nördlich des aus Trümmerschutt errichteten Teufelsberges und war einmal die Heimat von bis zu drei Mittelwellen. Die Station wurde 1946 auf Anordnung der britischen Militärregierung errichtet. In nur zwei Monaten Bauzeit wurde an einem Ausweich-Verstärkeramt der Deutschen Reichspost ein teilzerstörtes Gebäude hergerichtet. Für das British Forces Network auf 1095 kHz baute man aus einem fahrbaren Sender einen 1 kW- RCA-Sender aus, für den Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR) auf 1330 kHz baute Telefunken einen 5-kW-Sender. Die Ausstrahlung begann am 17. August 1946. Als Antennen dienten zwei 50 m hohe, selbststrahlende Gittermaste. Schon bald stellte man fest, dass die 5 kW Sendeleistung nicht ausreichten, um das gesamte Stadtgebiet Berlins zu versorgen. Darum ging am 8. April 1949 ein 20-kW-Sender (Lorenz SEL) für den NWDR in Betrieb.

1950 Kopenhagener Wellenplan
Am 15. März 1950 trat der Kopenhagener Wellenplan in Kraft, der aber nur so etwas wie eine erste Ordnung des Rundfunks sein konnte. Der NWDR Berlin produzierte seit 1948 ein Lokalprogramm, dessen Empfang bei Nutzung einer der in Kopenhagen für die britische Zone vorgesehenen Gleichwelle erheblich gelitten hätte. Für den NWDR wurde noch im März 1950 die Mittelwelle 566 kHz belegt, für das Britisch Forces Network 1214 kHz. Da sich die Mittelwellensender Berlin und Athlone (Irland) auf 566 kHz gegenseitig störten, vereinbarte man eine beidseitige Leistungsminderung in den Abend- und Nachtstunden. Die Gleichwelle des British Forces‘ Network war eine Leihgabe aus der Heimat. Tagsüber gab es hier BFN, abends das britische Light Program, das auf den Britischen Inseln ebenfalls auf 1214 kHz ausgestrahlt wurde. Im September 1951 wurden zwei neue Antennenmaste mit 120 bzw. 126 m Höhe in Betrieb genommen, die nachts einen Richtantennenbetrieb mit Ausblendung nach Westen erlaubten.

1954 Sender Freies Berlin
Bei der Teilung Berlins gab es zunächt nur einen lokalen Sender für die Westberliner: den von den Amerikanern gegründeten RIAS. Aus der ehemaligen britischen Zone wurde der NWDR übernommen, der sich bald in
NDR und WDR teilte. Aus dem NWDR-Fenster Berlin wurde im Juni 1954 der eigenständige  "Sender Freies Berlin". Der Name war Ausdruck des Selbstverständnisses der Stadt, der Sender wurde aber auch zum Spiegel der besonderen gesellschaftlichen und politischen Sonderentwicklung der von West- und Ostdeutschland gleichermaßen abgeschnittenen Stadt.
Am 1. Juni 1954 gingen die Sendeanlagen an der Stallupöner Allee in den Besitz des neu gegründeten Sender Freies Berlin über, der auf Mittelwelle BFN, sein erstes und ab 31. Dezember 1955 auf 1484 kHz auch ein zweites Programm ausstrahlte. Am 1. Sept. 1960 konnte der SFB für sein erstes Programm einen neuen, wassergekühlten 100-kW-Mittelwellensender (Telefunken) in Betrieb nehmen, In den Jahren des Kalten Kriegs diente die leistungsstarke Mittelwelle der Versorgung der DDR. Der Sender ließ sich von 525 kHz bis 1605 kHz durchstimmen. Die Ausgangsleistung konnte von 100 kW bis auf 33 kW variiert werden.
1972/73 traten an die Stelle der kleinen 5-kW-Sender für das BBC- und das zweite SFB-Programm moderne Telefunken Doppelsender für Betrieb mit passiver Reserve und 5-kW maximaler Ausgangsleistung. Die Vorstufen waren transistorisiert.

1953-1988 Relaissendungen für die BBC London
Im August 1953 begann die BBC London mit Sendungen auf 1295 kHz (5 kW). Diese Frequenz war im Kopenhagener Wellenplan 1950 für britische Europasendungen koordiniert worden. Von 1953 bis 1962 wurde hierfür ein Sender in Norden-Osterloog eingesetzt, lange Zeit parallel zu dem Berliner. Am 1. April 1962 wurden die Sendungen aus Norden eingestellt und die Frequenz nach England zurückgeholt.
Der Berliner Sender wechselte am 1. Dezember 1968 auf 809 kHz (nun 3 kW), um Störungen zu vermeiden, die auftraten, wenn die Programme nicht mit dem britischen Crowborough parallel waren. Neben den deutschen und englischen Programmen der BBC wurde auch die deutsche halbe Stunde von Radio Kanada International auf der Berliner Mittelwelle ausgestrahlt.
1972/73 traten an die Stelle der kleinen 5-kW-Sender für das BBC- und das 2. SFB-Programm moderne Telefunken Doppelsender für Betrieb mit passiver Reserve und 5-kW maximaler Ausgangsleistung. Die Vorstufen waren transistorisiert. Mit  Inkrafttreten des Genfer Wellenplans am 23. November 1978 wurde das BBC-Programm auf die Frequenz 810 kHz umgestellt. Im Dezember 1988 beendete die BBC aus finanziellen Gründen die Nutzung der 5-kW-Mittelwelle Berlin 810 kHz. Ab 18. Mai 1989 benutzte der Deutschlandfunk die Frequenz 810 kHz für einige Jahre, bis man auch in Berlin auf UKW zu hören war.

1978 Genfer Wellenplan
Mit Inkrafttreten des Genfer Wellenplans am 23. November 1978 entfiel die Beschränkung der Ausstrahlung in Richtung Westen , womit auf 567 kHz ganztags in Rundstrahlung gesendet werden konnte. Der neue Wellenplan brachte auch Änderungen in der räumlichen Verteilung benachbarter Sender und man versprach sich nun ungestörteren Empfang auch im Süden der DDR. Mit der neu erhaltenen Tageswelle 630 kHz aus dem niedersächsischen Dannenberg deckte der Sender Freies Berlin den Nordwesten der DDR ab, den die Berliner Mittelwelle nicht so gut erreichte.
1980 wurde für das erste  Programm des SFB eine neue Doppelsenderanlage (2x100 kW in aktiver Reserve) in Betrieb genommen. Diese Anlage war Siedewasser gekühlt und erreichte mit der PANTEL-Modulationsart und der 1984 nachgerüsteten dynamikgeregelten Amplituden- Modulation (DAM) einen Wirkungsgrad von etwa 90 Prozent, also erheblich mehr, als mit den bisher üblichen Anodenspannungs-B-Modulatoren.
Bei allen Verbesserungen auf der Senderseite wurden auf der Antennenseite nur 60 Prozent der in die Antennen geleiteten Energie auch wirklich abgestrahlt. 1988 wurde deshalb eine völlig neue Antennenanlage in Betrieb genommen, die aus zwei gleichrangigen, 130 m hohen Masten bestand, von denen der eine als Betriebsmast und der andere als Reservemast betrieben wurden. Alle Frequenzen konnten damit nur noch über einen Mast abgestrahlt werden.

1990 große Programmrefom
Am 30. April 1990 gab es eine große Programmreform beim SFB, die auch Veränderungen für die Mittelwellen mit sich brachte. Auf 567 kHz kam nun die Info-Welle SFB-2, auf 1449 kHz hingegen die Berlin-Welle SFB 1 mit den Sonderprogrammen "Rendezvous in Deutschland" sonntagsmittags 11.05-14.00 Uhr und den Gastarbeitersendungen täglich 19.00-22.20 Uhr. Die SFB-Nutzung der Dannenberger Mittelwelle ging auf siebeneinhalb bzw. sonntags sieben Stunden ab 12.00 Uhr zurück.

In den neunziger Jahren wurden die SFB-Mittelwellen immer weiter reduziert. Zuerst wurde im Okt. 1994 die Mittelwelle 1449 kHz  abgeschaltet.
Auf 567 kHz deckte der Sender Freies Berlin selbst mit einer 50-kW-Mittelwelle noch die ostdeutschen Bundesländer ab. 1996, nur wenige Monate vor der Abschaltung des Großsenders, lief "zwischen den Jahren"  eine Sondersendung des damaligen Radio Brandenburg. Sie blieb weitgehend unbemerkt, da die Aktion kurzfristig organisiert war. Im Mai 1997 wurde die Leistung auf 567 kHz drastisch verringert, um weitere Einsparungen zu erzielen. Ab Juni 1997 sendete man nur noch mit 1,8 kW, wobei ein neuer Halbleitersender zum Einsatz kam. Damit war der SFB gerade noch in Berlin zu hören, aber im übrigen Bundesgebiet von der Mittelwellenskala verschwunden. Nach der Einstellung des Programms B2 wurde ab dem 27. August 1997 auf 567 kHz das Sonderprogramm SFB-4 Multikulti ausgestrahlt.

2005 Sendeende
Es schien, als wollte man sich beim Sender Freies Berlin die Option auf digitale Mittelwellensendungen offenhalten, die mittelfristig den traditionellen AM-Rundfunk bei einem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis mit besserer Audioqualität versorgen sollten. Tatsächlich wurde die Mittelwelle zum 31. Dez. 2005 endgültig abgeschaltet und die Sendeanlage in der Stallupöner Allee geschlossen. Viele Inhalte der Homepage www.sfb-technik.de, inklusive einer Seite über die nicht mehr bestehende Mittelwellenanlage an der Stallupöner Allee, finden sich nun auf der Homepage eines früheren SFB-Technikers: www.dieter-alfer.de/Themen/Berlin/Fernsehtechnik/index.htm.
 
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letzte Bearbeitung 0808
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