Am 23. November trat ein neuer Wellenplan
in Kraft, der zunächst für die nächsten elf Jahre die Frequenzzuweisungen
für 10000 Lang- und Mittelwellen in Europa, Afrika, Asien und Ozeanien
regelte. Radio DDR 1 sendete nun offiziell auf folgenden Frequenzen: 531
kHz Leipzig, 576 kHz Schwerin, 882 kHz Königswusterhausen und 1044
kHz Burg.
In Wöbbelin standen nun zwei Sendeanlagen:
eine für den Wechsel auf 576 kHz modifizierte Zwei-Mast-Anlage mit
120 m-Masten, und eine Dreieck-Flächenantenne für 999 kHz.
NDR
Am 26. Mai 1991, 24.00 Uhr MESZ, gab Radio Aktuell auf höhere Weisung seine Mittelwellen auf, die Mittelwelle 576 kHz strahlte nun Radio Mecklenburg-Vorpommern 1 aus.
Am 1. Januar 1992 übernahm der Norddeutsche Rundfunk (NDR) mit vier Programmen die Rundfunkversorgung von Mecklenburg-Vorpommern. Da man aber Flächendeckung auf UKW hatte, wurden die Mittelwellensender nach und nach abgeschaltet. 1994 verzichtete der NDR auf die Mittelwelle in Schwerin. Obwohl hier neben Sondersendungen auch die ARD-Ausländerprogramme ausgestrahlt worden waren, kamen keine Beschwerden beim NDR an. Somit waren weitere Stillegungen absehbar.
Kurze Mittelwelleneuphorie
Der Rückzug des NDR machte den Weg für eine Ausschreibung an private Anbieter frei. Als erste wurden die Mittelwellen 576 kHz (bis 1994 Schwerin) und 1017 kHz (bis 1991 Greifswald) für private Anbieter ausgeschrieben. Schon Anfang April 1997 sollte „Mega-Radio Mecklenburg-Vorpommern“ den Betrieb aufnehmen und Mecklenburg-Vorpommern zum dritten Bundesland nach Berlin und Sachsen machen, in dem kommerzielle Sender auf Mittelwelle senden würden. Tatsächlich dauerte es mehr als drei Jahre bis zur Aktivierung der Mittelwelle 576 kHz für ein reguläres Programm.
Da sich fünf Bewerber für die erste Senderkette interessiert hatten, wurden auch die Wellen 558, 657, 729 und Schwerin 999 kHz ausgeschrieben. Um diese Kette bewarben sich drei Anbieter: Die "Radio Starlet Programm- und Werbegesellschaft mbH" aus Herzogenaurach bei Fürth, die schon Erfahrungen aus dem mittelfränkischen Regionalrundfunk hatte, plante ein "Countrystar"-Programm. Die Thimme und Schmidt GbR wollte mit "Power Mecklenburg-Vorpommern" eine Hörerschicht zwischen 14 und 39 ansprechen, und Armin Kämpf aus Berlin wollte mit „Radio Nordost" ein Ostseeradio machen.
Mega-Radio (2000-2003)
Von September 1999 bis März 2000 strahlte Mega-Radio auf 576 kHz erstmals eine Musikschleife aus, offenbar um die Lizenz nicht zu verlieren. Nach einer dreimonatigen Pause wurde die Frequenz ab Juni 2000 erneut aktiviert. Tatsächlich kam ab dem 28. August 2000 von 6 bis 24 Uhr ME(S)Z ein in Schwerin produziertes Eigenprogramm auf der Mittelwelle Wöbbelin (bei Ludwigslust) 576 kHz ausgestrahlt. In den folgenden sechs Monaten sollen auch die anderen zugewiesenen Frequenzen aktiviert werden, darunter Berlin 693 kHz, Dresden-Wilsdruff 1431 kHz, Burg 1575 kHz.
2001 wurde eine erste Homepage eingerichtet.
Auf www.mega-radiowerbung.de/ gab es Basis-Informationen zum Programm,
die Sendepreise für Werbung und eine Landkarte mit dem Versorgungsgebiet
der Mittelwellen 576, 1431 und 1440 kHz. Die Selbstdarstellung las sich
so: „Mittelwelle - Rauschen, Knarzen und eine Handvoll verstaubter Sender
aus fernen Ländern; soviel zum Klischee. Tatsächlich aber ist
seit einigen Monaten alles anders, zumindest in Mecklenburg-Vorpommern,
Hamburg und Schleswig-Holstein. Wer hier sein Radio auf die Frequenz 576
kHz (Sender Wöbbelin) einstellt, wird mit einem jungen, chartorientierten
Radio überrascht, das zwar klanglich nicht UKW-Qualitäten aufweist,
aber nach kurzer Eingewöhnungsphase süchtig macht.
Mit ihrem Projekt in Mecklenburg-Vorpommern
hat sich die MEGA RADIO Gruppe zum Ziel gesetzt, die Mittelwelle vom verstaubten
Dampfradio-Image zu befreien und wieder zu einem attraktiven Medium zu
machen. Die Faszination soll für MEGA RADIO aufleben wie zu Zeiten,
als Scharen von Jugendlichen abends heimlich die Hits auf Radio Luxemburg
hörten und ihren Freunden am nächsten Tag davon erzählten.
Das Programm zu hören war ebenso hip und genau da will MEGA RADIO
in Mecklenburg-Vorpommern ansetzen.
Da MEGA RADIO mit seinem Programm vorwiegend
Hörer im Alter von 14 bis 29 Jahren anspricht, stehen jugendorientierte
Informationen und Hits aus den aktuellen Charts im Vordergrund. Die Zentraldirektion
im Funkhaus Schwerin, derzeit bestehend aus einer Chefredakteurin, zwei
erfahrenen Redakteuren und drei Volontären aus der Region, informiert
zur vollen Stunde mit Nachrichten aus aller Welt und zur halben Stunde
mit Lokalinfos. Zwischendurch werden die Hörer mit Veranstaltungstips,
Service und Wetter-News auf dem Laufenden gehalten.
Viel Aufwand für den Sound der Mittelwelle
möchte man meinen. Doch spätestens, wenn diese in etwa drei
Jahren digitalisiert und mit UKW-Qualität vergleichbar ist, wird das
hoffentlich kein Problem mehr sein. Es lohnt sich also allemal, einzuschalten
- auch wenns noch rauscht und knarzt. Peter Amend, Programmverantwortlicher"
(Dr. Hansjörg Biener 11.6.2001)
Das Programm bestand zunächst aus jugendorientierter Dance- und Technomusik und nur wenigen Zusatzangeboten; vor allem aber gab es kaum Werbung, aus der sich der Sender finanzieren konnte. Im Januar 2002 waren deutliche Veränderungen im Programm von Megaradio zu hören. Die Musikpalette war breiter angelegt, die Station hatte neue Jingles und neu auch Nachrichten zur vollen Stunde. Die Sendungen wurden nun nicht mehr in Schwerin produziert, sondern wie angekündigt in Zusammenarbeit mit der Antenne Bayern.
Obwohl man zuletzt mit McDonald's einen
bekannten Werbepartner gewonnen hatte, musste Megaradio am am 17. März
2003 Insolvenz anmelden und wurde das Programm am 4. April 2003 kurz vor
13.00 Uhr Ortszeit kurzfristig beendet. Die Maßnahme kam für
die Mitarbeitenden so unverhofft, dass der Sendebetrieb sang- und klanglos
endete. Wer wer nicht wusste, dass der Sendebetrieb vor der Einstellung
stand, erlebte um 13.00 Uhr eine Überraschung, als der Radiosprecher
in das letzte Musikstück einen Countdown zählte und sich mit
"Tschüß" verabschiedete. Darauf folgten Rauschen und Funkstille.
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Dr. Hansjörg Biener 0308
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