Kontakt
SWR-Stützpunkt Mühlacker, Senderstraße
70, DE-75417 Mühlacker, Fax 07041- 85299
Seit 75 Jahren ist die Stadt Mühlacker
im Enzkreis eng mit dem SWR bzw. dem früheren Süddeutschen Rundfunk
verbunden. Jahrzehntelang prangte der Name auf den Mittelwellenskalen der
Radiogeräte und machte die Stadt weit über Deutschlands Grenzen
hinaus bekannt. Die Illinger Höhe ist seit 1930 Standort von Rundfunksendern
und heute ein Stützpunkt, von dem aus 17 Mitarbeitende des Südwestrundfunks
185 weitere Standorte betreuen.
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Anfahrt zur Illinger
Höhe
Die Sendeanlage ist durch die Antennenmasten schon von weitem zu erkennen und über die Bundesstraße 10 leicht zu erreichen. Wer dann am Vorwegweiser »Wohngebiet Senderhöhe« abbiegt, befindet sich bereits in der »Senderstraße«. Auf dem Sendergelände selber leben sechs Familien, mit gewissen Einschränkungen, denn die allgegenwärtige Hochspannung macht Unwetter im Umfeld zum Abenteuer. 33000 qm sind umzäunt und gesichert, aber auch Gelände außerhalb gehört dem Südwestrundfunk. So steht die heutige Reserveantenne für die Mittelwelle außerhalb in einem Feld. |
Bei einer Besprechung am 27. November 1929 wurden die Leistungserhöhung vieler ausländischen Sender und die Folgen für Deutschland diskutiert. Ein in Südwestdeutschland vordringlich zu errichtender eigener Großsender sollte die Blaupause für ein Netz von deutschen Großsendeanlagen liefern.
1930: Der erste
deutsche Großsender
„Südfunk! Südfunk! Achtung!
Achtung! Hier ist der erste deutsche Großsender Mühlacker. Achtung!
Wir wünschen den Hörern in aller Welt guten Empfang.“ So begrüßte
der Süddeutsche Rundfunk am 21. November 1930 um 19.45 Uhr die Hörer
und Hörerinnen auf der Mittelwelle 833 kHz. Nach einem Orgelintermezzo
wurde ab 20.00 Uhr ein Konzert „aus deutschen Opern“ aus der Stuttgarter
Liederhalle übertragen. Angesichts der für die Hörer und
Hörerinnen schwierigen Zeiten und der hohen Kosten für ursprünglich
geplante Sonderschaltungen sparte man sich eine aufwändige Einweihung.
Da die Interferenzprobleme im europäischen
Äther weder in Genf 1925 noch in Prag 1929 gelöst wurden, hatten
Reichspost und Reichs-Rundfunk-Gesellschaft eine neue Senderstruktur erarbeitet.
Es sollte künftig acht strategisch positionierte Großsender
geben, während die bestehenden bzw. neue Sendeanlagen kleinerer Leistung
in vier Gleichwellennetzen zusammengefasst werden sollten. Als besonders
problematisch wurde die Lage in Südwestdeutschland erachtet, auch
wegen der Bevölkerung im Elsass. Die Süddeutsche Rundfunk AG
hatte am 11. Mai 1924 mit einem Sender in Feuerbach den Programmbetrieb
aufgenommen. Als Sendegebiet galten schon damals Württemberg-Hohenzollern
und Baden, doch man verfügte nur über schwache Sender von 1500
Watt in Stuttgart-Degerloch (1926) und 700 Watt in Freiburg (1928). Der
erste Großsender wurde darum in der Gemeinde Dürrmenz-Mühlacker
an der badisch-württembergischen Grenze errichtet. Die Illinger Höhe
war ein Kompromiss zwischen den Ländern Baden und Württemberg,
die beide um den Standort gebuhlt hatten.
Der von Telefunken hergestellte Sender
brachte es auf 60 kW Telephonieleistung, die in sechs Stufen aufgebaut
wurden. Die von der Firma Karl Kübler errichtete Antenne war eine
vertikale Reuse zwischen zwei 100-m-Holztürmen in 195 m Abstand. Die
gut 450000 Reichsmark für die Finanzierung des Senders waren eine
gewaltige Last, die der Süddeutsche Rundfunk dann auch nicht tragen
konnte. Ein Vierteljahr nach Sendebeginn ging der Großsender Mühlacker
in den Besitz der Reichspost über. Bis Mitte Dezember 1930 war Mühlacker
erst ab 17.00 Uhr zu hören. Am 20. Dezember 1930 wurde der Sender
in Stuttgart-Degerloch stillgelegt und durch Mühlacker abgelöst.
Der Degerlocher Sender diente in den folgenden Jahren als Reservesender.
Für ein technisch mögliches zweites Programm reichten die Kräfte
nicht.
Noch vor dem Ende des Bauprogramms ihrer
Großsender beschloss die Reichspost eine Leistungserhöhung.
Nach drei Jahren verstummte Mühlacker vom 20. Oktober 1933 bis 15.
Januar 1934 für einen Umbau der Sendeanlage: Der Sender wurde durch
eine siebte Stufe auf 100 kW verstärkt. An die Stelle der beiden Türme
trat ein einzelner 190 m hoher Mast. Der damals höchste Sendemast
der Welt hatte seinen Draht im Innern und einen Ring von 10 m Durchmesser
am oberen Ende. Durch die Steilstrahlunterdrückung konnte die schwundfreie
Zone verdoppelt werden. Die alten Masten wurden an anderen Standorten für
Mittelwellensender in Heiligenstock und Koblenz eingesetzt. Von ihren Fundamenten
finden sich auf dem Gelände heute nur noch kleine Reste. Damals belegte
der Sender erstmals die langjährige Traditionsfrequenz 574 kHz.
1934: Reichssender
Stuttgart
Ab 1933 gingen die Nationalsozialisten
an die konsequente Umgestaltung des deutschen Rundfunks im Sinne ihrer
Volkserziehung. Dabei spielten ihnen letzte Entscheidungen der Weimarer
Zeit in die Hände. 1932 hatte die Reichsregierung eine Neuordnung
des Rundfunks durchgesetzt, die auf eine Verstaatlichung und Zentralisierung
des Rundfunks hinausliefen. Die Privataktionäre wurden aus den regionalen
Rundfunkgesellschaften verdrängt, Reichspost und Reichs-Rundfunk-Gesellschaft
hielten nun 100 Prozent.
Schon in den ersten Wochen nutzte die
nationalsozialistische Regierung in Berlin ihre Befugnisse, und wo es keine
offiziellen Möglichkeiten gab, wurden missliebige Mitarbeiter des
Süddeutschen Rundfunks durch Stoßtrupps hinausgeprügelt.
Am 28. April 1934 wurde die SDR-GmbH aufgelöst und in das nationalsozialistische
Rundfunksystem überführt. Ab 1934 sendete Mühlacker als
Reichssender Stuttgart. Die Forderung, Großsender binnen kurzem auf
jede beliebige Mittelwelle einstellen zu können, machte einen zweiten
Sender nötig. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs stand der noch nicht
zur Verfügung. Darum wurde als Zwischenlösung ein fahrbarer Sender
aufgestellt. Im März 1940 wurde ein durchstimmbarer 100-kW-Sender
(zunächst 500-1350, später bis 1500 kHz) in Betrieb genommen,
der auch als Störsender eingesetzt wurde. Nach der Eroberung Frankreichs
wurde Straßburg als Nebensender an den Reichssender Stuttgart angegliedert.
1945: Sprengung
und Wiederaufbau für Radio Stuttgart
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs gab
es am 5. April 1945 um 23.00 Uhr die letzte Durchsage des Reichssenders
Stuttgart. Am nächsten Morgen sprengten deutsche Pioniere die Sendeanlage.
Die Antennen wurden weitgehend zerstört, die Sender schwer beschädigt.
Zwei Tage später rückten französische Truppen in Mühlacker
ein. Am 13. April, kaum eine Woche nach der Sprengung der Sendeanlagen,
machte sich ein Sonderkommando aus dem Signalkorps der siebten US-Armee
an den Wiederaufbau. Die Sendeanlagen konnten aus anderen beschädigten
Anlagen ergänzt werden, und schon zwei Monate nach der Sprengung und
einen nach Kriegsende war Mühlacker am 3. Juni 1945 wieder mit einem
Sender in der Luft: „Hier ist Radio Stuttgart, ein Sender der Militärregierung.
Wir senden täglich von 11.30 Uhr bis 14.00 Uhr und von 18.30 Uhr bis
22.00 Uhr auf der Wellenlänge 523 m“.
Nachdem man anfangs vor allem das Luxemburger
Programm der US-Amerikaner übernommen hatte, wurden ab Juli die Stuttgarter
Anteile ausgeweitet. In den ersten Monaten wurden die Sendungen in einen
Studiowagen der siebten US-Armee produziert, der im Hof des Stuttgarter
Telegrafenbauamts stand. In den folgenden beiden Jahren gestalteten die
US-Amerikaner das Programm weitgehend selber, um sich nach dieser Umerziehungsphase
nach und nach auf kontrollierende Funktionen zurückzuziehen.
Ein Erbe der Besatzungszeit wurde der
komplizierte Zuschnitt des Rundfunks im Südwesten, wo es später
zwei öffentlich-rechtliche Sender gab: Neben dem Stuttgarter Süddeutschen
Rundfunk, der wesentlich Württemberg und Nordbaden versorgte, sendete
der Südwestfunk für Südwürttemberg und -baden sowie
Rheinland-Pfalz, die frühere französische Besatzungszone.
1949: Hauptwelle
für den Süddeutschen Rundfunk
In der direkten Nachkriegszeit fehlte
deutschen Politikern weitgehend das Verständnis für das amerikanisch-britische
Konzept eines regierungsunabhängigen Rundfunks. Nach langen Auseinandersetzungen
zwischen der Militärregierung und dem baden-württembergischen
Landtag bzw. der Regierung wurde am 4. Juli 1949 ein Rundfunkgesetz verabschiedet.
Am 22. Juli 1949 ging Radio Stuttgart als Süddeutscher Rundfunk in
deutsche Hände über.
Ein erstes großes Problem war die
Hörbarkeit, denn auch der Süddeutsche Rundfunk erlitt durch die
„Wellendemontage“ Reichweitenverluste. Der Kopenhagener Wellenplan von
1950 sah für Mühlacker die Frequenzen 575 und 1554 kHz vor. Auf
der ersten sollte der Südfunk senden, auf der zweiten AFN. Die wichtigsten
Konkurrenten auf 575 kHz waren Sender in der UdSSR und der DDR. Zur Abrundung
der Versorgung seines Sendebereichs nahm der Süddeutsche Rundfunk
in den fünfziger Jahren zahlreiche Kleinsender auf den Mittelwellen
998, 1169, 1412 und 1484 kHz in Betrieb. Von diesen sind heute nur noch
Ulm (1950) und Heilbronn (1952) in Ostwürttemberg übrig. Eine
zweite Strategie war die beschleunigte Entwicklung von UKW, das die Mittelwelle
heute fast ganz verdrängt hat.
Am 21. April 1954 nahm in Mühlacker
die Richtantenne für 575 kHz den Betrieb auf. Sie bestand aus zwei
273 und 130 m hohen Rohrmasten im Abstand von 240 m. Tagsüber war
nur der Hauptmast in Betrieb, nachts dann die Richtcharakteristik. Durch
eine Zwischenisolation in 160 m Höhe am Hauptmast wollte man sich
Umschaltmöglichkeiten für verschiedene Abstrahlcharakteristiken
erhalten, aber das wurde nicht weiterverfolgt. Ab 1955 wurde der erste
100-kW-Sender stufenweise erneuert. Ab 1959 wurde mit 150 kW gesendet.
Nach der Abwanderung des American Forces' Network koppelte man ab Juli
1964 die in Mühlacker vorhandenen Mittelwellensender zu 250 kW. Zugleich
wurde bei Telefunken ein neuer Sender in Auftrag gegeben. Er nahm am 22.
April 1966 mit 300 kW den Betrieb auf.

Mit dieser inzwischen historischen QSL-Karte bestätigte der damalige Betreiber der Mittelwelle Mühlacker 575 kHz einen korrekten Empfangsbericht.Ursprünglich war die Mittelwelle auch die Hauptwelle des Süddeutschen Rundfunks. Als ab 1950 eine UKW-Senderkette entstand, waren die hier ausgestrahlten Sendungen noch kein eigenes Programm. Vielmehr gab es Wiederholungen aus dem ersten Programm und Übernahmen von anderen ARD-Radioprogrammen. Mit einer grundlegenden Programmreform am 1. Oktober 1962 wurde das Mittelwellenprogramm nun mehr auf Information und Unterhaltung ausgerichtet, UKW auf Bildung und Kultur.
1945-1963: Das American Forces' Network aus Mühlacker
1947-2004 Mühlacker als Kurzwellenstandort
Die 80er Jahre:Die
Mittelwelle Mühlacker im Streit um die Regionalisierung des Rundfunkangebots
Obwohl die Hörerschaft längst
auf UKW umgeschwenkt war, wurde die Mittelwelle von Mühlacker in den
achtziger Jahren mehrfach zum Politikum. Noch vor dem Vollausbau der dritten
Senderkette begann der Süddeutsche Rundfunk mit Regionalsendungen.
Am 9. Mai 1979 begann das Kurpfalzradio für den sechstgrößten
Ballungsraum der Bundesrepublik. Als 1981 die nordbadische Regionalsendung
auf die stärkeren Frequenzen der ersten UKW-Kette genommen wurde,
wurden die Hörer und Hörerinnen, die weiterhin das Landesprogramm
hören wollten, auf die Mittelwelle verwiesen.
Nach weiteren Regionalangeboten in Stuttgart
(1981) und Ulm (1982) plante der Süddeutsche Rundfunk ein Angebot
für das Hohenloher Land. Am 26. Mai 1985 startete der Süddeutsche
Rundfunk anlässlich der in Heilbronn veranstalteten sechsten Landesgartenschau
das Frankenradio. Zuerst kam das Programm nur sonntags 16.04-17.00
Uhr, dann ab Juli 1985 montags bis freitags. Es wurde in Heilbronn mit
50 Watt auf 99,5 MHz für einen Umkreis von 20 km ausgestrahlt und
über die 300-kW-Mittelwelle Mühlacker auf 576 kHz. Letzteres
war eine Provokation der Politik, die die Freigabe von drei verfügbaren
Regionalfrequenzen blockiere. „Die Ausstrahlung des Frankenradio über
Mittelwelle kann nämlich nur als eine Übergangslösung angesehen
werden, da sie in großen Teilen des SDR-Sendegebiets zu einer dauerhaften
'Falschversorgung' führen würde.“ Nach Angaben des Südfunks
hätten schon lange UKW-Frequenzen für ein regionales Frankenradio
zur Verfügung gestanden, die nur aus politischen Gründen blockiert
wurden. Mit dem Ende der Landesgartenschau musste das Frankenradio
am 8. September 1985 seine Sendungen wieder einstellen, doch hatte der
SDR aus seiner Perspektive gezeigt, was mit der nötigen Unterstützung
durch die Zuweisung von Frequenzen möglich war. Schon damals zeigte
allerdings die Hörerforschung, dass das Frankenradio überwiegend
auf der UKW-Sonderfrequenz gehört worden war und nicht auf Mittelwelle.
Artikel über das Warten auf Frequenzfreigaben für regionale Fensterprogramme
des Südfunks beherrschten in diesen Jahren die Hauszeitschrift des
Süddeutschen Rundfunks. Erst 1987 kam es zum Sendebeginn eines Frankenradio
Heilbronn im Verbund der regionalen Subprogramme des Südfunks.
Bedeutungsrückgang
der Mittelwelle
Am 23. Nov. 1978 trat der Genfer Wellenplan
in Kraft, der für zunächst elf Jahre die Zuweisungen von 10000
Lang- und Mittelwellen in Europa, Afrika, Asien und Ozeanien regelte. In
Mühlacker wurde die Frequenz leicht von 575 auf das neue Raster 576
kHz angehoben. Zu den leistungsverstärkten alten Mitbenutzern kam
noch ein Großsender in Bulgarien. Dementsprechend wurde die Abstrahlung
der Mittelwellenanlage durch einen 80-m-Mast modifiziert. Die Abrundung
des Sendegebietes erfolgte durch Kleinsender auf 711, 1413 und 1485 kHz,
die schließlich auf die Mittelwelle 711 kHz zusammengelegt wurden.
Nach den Abschaltungen von Bad Mergentheim 1999 und Heidelberg-Dossenheim
2004 senden hier noch die Stationen in Ulm und Heilbronn.
Am 1. Jan. 1980 sah das Mittelwellennetz
des SDR folgendermaßen aus:
576 kHz Mühlacker (300 kW)
711 kHz Heidelberg-Dossenheim, Heilbronn-Obereisesheim,
Ulm (alle 5 kW), Bopfingen, Wertheim (beide 0,2 kW)
1413 kHz Bad Mergentheim (3 kW), Heidenheim
(0,2 kW)
1485 kHz Adelsheim (Baden) (0,2 kW), Buchen-Walldürn
(0,1 kW)
Ausgestrahlt wurde auf 576 kHz weiter
das erste Hauptprogramm. Dennoch wirkte sich die verminderte Bedeutung
der Mittelwelle für die Grundversorgung auch in der Belegung aus.
Zum einen wurde die Mittelwelle immer wieder für Sonderübertragungen
wie Parlamentsdebatten, Trauerfeiern oder Sportwellen abgekoppelt. Da die
Regionalprogramme auf der vierten UKW-Kette immer mehr zu Vollprogrammen
wurden, störten hier die abends ausgestrahlten Ausländerprogramme.
Sie wurden 1991 auf die Mittelwelle verlegt. Abends kam über viele
Jahre 19.00-22.00 Uhr das ARD-Gemeinschaftsprogramm für ausländische
Mitbürger und Mitbürgerinnen. Am 1. Mai 1998 begann die SDR-
Ausländerredaktion mit einem zusätzlichen deutschsprachigen Programmangebot,
das auch die Fusion mit dem Südwestfunk überdauerte. Anfangs
kam freitags, samstags und sonntags 18.00-19.00 Uhr ein multikulturelles
Magazin SWR-International, das sich mit Problemen der zweiten und dritten
Einwanderergeneration beschäftigte. Zum 1. Januar 2003 kündigte
der Südwestrundfunk jedoch die Gemeinschaftsaufgabe und brachte damit
die früheren „Gastarbeiterprogramme“ zum Ende.
Leistungsreduzierungen und Senderabschaltungen
haben die Richtcharakteristik überflüssig gemacht, und man hat
dementsprechend neue internationale Absprachen getroffen. Immerhin haben
die Sender Schwerin und Riga in den neunziger Jahren jahrelang geschwiegen.
So wurde 1994 sogar ein erneuerungsbedürftiger 110-m-Mast gesprengt
und auf eine reine Rundstrahlung des 270- m-Mastes umgestellt. Von 1983
bis 1997 arbeitete in Mühlacker ein 300-kW-Sender von Telefunken.
Es war einer der ersten PDM-Sender, der in Betrieb ging, und die Technik
wurde von Telefunken und SDR-Mitarbeitenden gemeinsam weiterentwickelt.
In den achtziger Jahren experimentierte man zum Stromsparen mit verringerten
Sendeleistungen, aber ohne durchschlagenden Erfolg. Mittlerweile haben
sich die Bedingungen stark gewandelt. Zum Schutz von Herzschrittmachern
in den umliegenden Neubaugebieten sind die vollen 300 kW des Wellenplans
nicht mehr gestattet, und man arbeitete nur noch mit 150 kW. Seit 1997
ist in Mühlacker ein neuer 100 kW-Sender von Nautel in Betrieb. Der
Vorgänger wurde Reservesender.
Wie der SDR Stuttgart in seiner Hauszeitschrift
Juli-August 1997 mitteilte, hörten immer noch 12 Prozent der potentiellen
Hörerschaft und 19 Prozent der älteren Bevölkerung den Süddeutschen
Rundfunk über die Mittelwelle Mühlacker, obwohl das erste Programm
in Baden Württemberg fast flächendeckend auf UKW zu empfangen
war.
1998: Fusion von
SDR und SWF zum SWR
1998 schlossen sich der Süddeutsche
Rundfunk und der Südwestfunk zum Südwestrundfunk zusammen. Das
Sendegebiet der nunmehr zweitgrößten ARD-Anstalt umfasst die
Bundesländer Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz mit über
14 Mio. Einwohnern und Einwohnerinnen. Die Fusion von SDR und SWF beendete
die Teilung der Rundfunkversorgung Baden-Württembergs und ermöglichte
eine Neustrukturierung der Programme. Als Zweiländeranstalt schnitt
der Südwestrundfunk seine Programme nun nach Bundesländern. Aus
Mühlacker wurde ab dem 30. August 1998 das Landesprogramm SWR 1 Baden-
Württemberg ausgestrahlt.
2002: Hauptwelle
für ContRa
Am 1. Juli 2002 begann der Südwestrundfunk
mit einem neuen Angebot auf seinen Mittelwellensendern. Das in Baden-Baden
produzierte „Content-Radio für informations- und kulturinteressierte
Hörer und Hörerinnen“ sollte eigentlich die Akzeptanz der digitalen
Rundfunks fördern, kam nun aber zuerst auf Mittelwelle. Zu den Haupthörzeiten
des Tages bietet cont.ra aktuelle Informationen zum Tagesgeschehen aus
aller Welt, Deutschland und den Ländern Baden-Württemberg und
Rheinland-Pfalz. Dazu kommen Übernahmen aus den anderen Hörfunkprogrammen.
2003: Nachtprogramm
von MDR-Info
Die Nacht wird seit dem 31. Dezember 2003
mit der Nachrichtenwelle des Mitteldeutschen Rundfunks gefüllt. Bei
der Bekanntgabe am 19. Dezember 2003 verstand MDR-Chefredakteur Christian
Schneider die Kooperation als „weiteren Schritt in der Zusammenarbeit verschiedener
Hörfunkprogramme in der ARD“ und als „Anerkennung der Kompetenz unserer
Journalisten“. MDR Info sendet seit 1992 für Thüringen, Sachsen
und Sachsen-Anhalt. Seit 1997 übernahm bereits der bayrische Infokanal
B 5 aktuell das MDR-Informationsprogramm in der Nacht. Die redaktionelle
Verantwortung liegt beim MDR, doch liefern die anderen ARD-Stationen zu.
Zunächst wurde MDR Info nachts 23.00-6.00
Uhr Ortszeit auch auf den südwestdeutschen Mittelwellen 576, 666,
711, 1017 und 1485 kHz sowie der Kurzwelle Rohrdorf 7265 kHz ausgestrahlt.
Nach verschiedenen Senderabschaltungen sind 576 und 1017 kHz die Hauptwellen.
Im Januar 2006 wurde das "Senderstadt-Panorama" von Mühlacker um einen Sendemast ärmer. Eine Bietigheimer Firma begann am 23. Januar mit der Demontage des 1977 errichteten Gitterturms. Bei extrem winterlichen Temperaturen waren die Arbeiter waren in luftiger Höhe Windgeschwindigkeiten von elf Metern pro Sekunde und einer Kältespitze von minus 33 Grad ausgesetzt. Weil der alte Sendemast keine Erweiterungsoptionen für den Südwestrundfunk bot, war bereits im August 2004 ein Nachfolger für den nun abgebauten Mast errichtet worden. Der neue Mast ist nur für den SWR-internen Richtfunk.
2010: neuer Sender
Der SWR-Standort Mühlacker hat einen
neuen digitalen Sender für die Mittelwelle 576 kHz erhalten. Dabei
handelt es sich um einen Sender von Transradio Berlin (TRAM 100kW SWR SNT203),
der bisher nur einen AM-Modulator hat. Die Aufbauarbeiten werden bis zum
Sommer 2010 abgeschlossen sein. Nach einem längeren Echtbetrieb soll
dann der alte Telefunken S4004 (Röhrensender für maximal 300
kW) verschrottet werden, da am Standort noch der aktuelle Nautelsender
zur Verfügung steht. Die Sender laufen mit 7 statt 4.5 kHz ITU-Bandbreite
(Sondergenehmigung), weil es keine direkten Nachbarkanalstationen mehr
gibt, vor allem im Nahbereich zur Tag- und Dämmerungszeit. (Wolfgang
Büschel 27.4.2010)
Literatur
Hauszeitschrift Südfunk. Informationen
des Süddeutschen Rundfunks Stuttgart.
Biener, Hansjörg:
75 Jahre Großsender Mühlacker, in: Rundfunk und Museum 2006,57
(Sept. 2006), S. 34-37.
Brunswig, Heinrich / Klumpp, Eberhard
/ Schwarze, Dietrich: Großsender Mühlacker. Zur Technik und
Rundfunkgeschichte, Stuttgart: Süddeutscher Rundfunk, 1980 (Südfunk-Hefte
5).
Kehm, Peter / Lüke, Friedmar: 70
Jahre Rundfunk für Baden und Württemberg 1924 bis 1994, Stuttgart:
Süddeutscher Rundfunk, 1994 (Südfunk-Hefte 19).
Klumpp, Eberhard: Das erste Jahrzehnt.
Der Südfunk und sein Programm 1924 bis 1933/34, Stuttgart: Süddeutscher
Rundfunk, 1984 (Südfunk-Hefte 9).
Lerg, Winfried B.: Rundfunkpolitik in
der Weimarer Republik, München: dtv, 1980,
Lersch, Edgar: Rundfunk in Stuttgart 1934-1949,
Stuttgart: Süddeutscher Rundfunk, 1990 (Südfunk-Hefte 17).
| ©
Dr. Hansjörg Biener 0101
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AM-Rundfunksender in Mitteleuropa
Portraits: deutschsprachige Auslandsdienste Nachrichten: allgemeiner Auslandsfunk Nachrichten: religiöse Sender |