© Dr. Hj. Biener
Mühlacker 576 kHz

Kontakt
SWR-Stützpunkt Mühlacker, Senderstraße 70, DE-75417 Mühlacker, Fax 07041- 85299

Seit 75 Jahren ist die Stadt Mühlacker im Enzkreis eng mit dem SWR bzw. dem früheren Süddeutschen Rundfunk verbunden. Jahrzehntelang prangte der Name auf den Mittelwellenskalen der Radiogeräte und machte die Stadt weit über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt. Die Illinger Höhe ist seit 1930 Standort von Rundfunksendern und heute ein Stützpunkt, von dem aus 17 Mitarbeitende des Südwestrundfunks 185 weitere Standorte betreuen.
 
Anfahrt zur Illinger Höhe
Die Sendeanlage ist durch die Antennenmasten schon von weitem zu erkennen und über die Bundesstraße 10 leicht zu erreichen. Wer dann am Vorwegweiser »Wohngebiet Senderhöhe« abbiegt, befindet sich bereits in der »Senderstraße«. Auf dem Sendergelände selber leben sechs Familien, mit gewissen Einschränkungen, denn die allgegenwärtige Hochspannung macht Unwetter im Umfeld zum Abenteuer. 33000 qm sind umzäunt und gesichert, aber auch Gelände außerhalb gehört dem Südwestrundfunk. So steht die heutige Reserveantenne für die Mittelwelle außerhalb in einem Feld.

Bei einer Besprechung am 27. November 1929 wurden die Leistungserhöhung vieler ausländischen Sender und die Folgen für Deutschland diskutiert. Ein in Südwestdeutschland vordringlich zu errichtender eigener Großsender sollte die Blaupause für ein Netz von deutschen Großsendeanlagen liefern.

1930: Der erste deutsche Großsender
„Südfunk! Südfunk! Achtung! Achtung! Hier ist der erste deutsche Großsender Mühlacker. Achtung! Wir wünschen den Hörern in aller Welt guten Empfang.“ So begrüßte der Süddeutsche Rundfunk am 21. November 1930 um 19.45 Uhr die Hörer und Hörerinnen auf der Mittelwelle 833 kHz. Nach einem Orgelintermezzo wurde ab 20.00 Uhr ein Konzert „aus deutschen Opern“ aus der Stuttgarter Liederhalle übertragen. Angesichts der für die Hörer und Hörerinnen schwierigen Zeiten und der hohen Kosten für ursprünglich geplante Sonderschaltungen sparte man sich eine aufwändige Einweihung.
Da die Interferenzprobleme im europäischen Äther weder in Genf 1925 noch in Prag 1929 gelöst wurden, hatten Reichspost und Reichs-Rundfunk-Gesellschaft eine neue Senderstruktur erarbeitet.  Es sollte künftig acht strategisch positionierte Großsender geben, während die bestehenden bzw. neue Sendeanlagen kleinerer Leistung in vier Gleichwellennetzen zusammengefasst werden sollten. Als besonders problematisch wurde die Lage in Südwestdeutschland erachtet, auch wegen der Bevölkerung im Elsass. Die Süddeutsche Rundfunk AG hatte am 11. Mai 1924 mit einem Sender in Feuerbach den Programmbetrieb aufgenommen. Als Sendegebiet galten schon damals Württemberg-Hohenzollern und Baden, doch man verfügte nur über schwache Sender von 1500 Watt in Stuttgart-Degerloch (1926) und 700 Watt in Freiburg (1928). Der erste Großsender wurde darum in der Gemeinde Dürrmenz-Mühlacker an der badisch-württembergischen Grenze errichtet. Die Illinger Höhe war ein Kompromiss zwischen den Ländern Baden und Württemberg, die beide um den Standort gebuhlt hatten.
Der von Telefunken hergestellte Sender brachte es auf 60 kW Telephonieleistung, die in sechs Stufen aufgebaut wurden. Die von der Firma Karl Kübler errichtete Antenne war eine vertikale Reuse zwischen zwei 100-m-Holztürmen in 195 m Abstand. Die gut 450000 Reichsmark für die Finanzierung des Senders waren eine gewaltige Last, die der Süddeutsche Rundfunk dann auch nicht tragen konnte. Ein Vierteljahr nach Sendebeginn ging der Großsender Mühlacker in den Besitz der Reichspost über. Bis Mitte Dezember 1930 war Mühlacker erst ab 17.00 Uhr zu hören. Am 20. Dezember 1930 wurde der Sender in Stuttgart-Degerloch stillgelegt und durch Mühlacker abgelöst. Der Degerlocher Sender diente in den folgenden Jahren als Reservesender. Für ein technisch mögliches zweites Programm reichten die Kräfte nicht.
Noch vor dem Ende des Bauprogramms ihrer Großsender beschloss die Reichspost eine Leistungserhöhung. Nach drei Jahren verstummte Mühlacker vom 20. Oktober 1933 bis 15. Januar 1934 für einen Umbau der Sendeanlage: Der Sender wurde durch eine siebte Stufe auf 100 kW verstärkt. An die Stelle der beiden Türme trat ein einzelner 190 m hoher Mast. Der damals höchste Sendemast der Welt hatte seinen Draht im Innern und einen Ring von 10 m Durchmesser am oberen Ende. Durch die Steilstrahlunterdrückung konnte die schwundfreie Zone verdoppelt werden. Die alten Masten wurden an anderen Standorten für Mittelwellensender in Heiligenstock und Koblenz eingesetzt. Von ihren Fundamenten finden sich auf dem Gelände heute nur noch kleine Reste. Damals belegte der Sender erstmals die langjährige Traditionsfrequenz 574 kHz.

1934: Reichssender Stuttgart
Ab 1933 gingen die Nationalsozialisten an die konsequente Umgestaltung des deutschen Rundfunks im Sinne ihrer Volkserziehung. Dabei spielten ihnen letzte Entscheidungen der Weimarer Zeit in die Hände. 1932 hatte die Reichsregierung eine Neuordnung des Rundfunks durchgesetzt, die auf eine Verstaatlichung und Zentralisierung des Rundfunks hinausliefen. Die Privataktionäre wurden aus den regionalen Rundfunkgesellschaften verdrängt, Reichspost und Reichs-Rundfunk-Gesellschaft hielten nun 100 Prozent.
Schon in den ersten Wochen nutzte die nationalsozialistische Regierung in Berlin ihre Befugnisse, und wo es keine offiziellen Möglichkeiten gab, wurden missliebige Mitarbeiter des Süddeutschen Rundfunks durch Stoßtrupps hinausgeprügelt. Am 28. April 1934 wurde die SDR-GmbH aufgelöst und in das nationalsozialistische Rundfunksystem überführt. Ab 1934 sendete Mühlacker als Reichssender Stuttgart. Die Forderung, Großsender binnen kurzem auf jede beliebige Mittelwelle einstellen zu können, machte einen zweiten Sender nötig. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs stand der noch nicht zur Verfügung. Darum wurde als Zwischenlösung ein fahrbarer Sender aufgestellt. Im März 1940 wurde ein durchstimmbarer 100-kW-Sender (zunächst 500-1350, später bis 1500 kHz) in Betrieb genommen, der auch als Störsender eingesetzt wurde. Nach der Eroberung Frankreichs wurde Straßburg als Nebensender an den Reichssender Stuttgart angegliedert.

1945: Sprengung und Wiederaufbau für Radio Stuttgart
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs gab es am 5. April 1945 um 23.00 Uhr die letzte Durchsage des Reichssenders Stuttgart. Am nächsten Morgen sprengten deutsche Pioniere die Sendeanlage. Die Antennen wurden weitgehend zerstört, die Sender schwer beschädigt. Zwei Tage später rückten französische Truppen in Mühlacker ein. Am 13. April, kaum eine Woche nach der Sprengung der Sendeanlagen, machte sich ein Sonderkommando aus dem Signalkorps der siebten US-Armee an den Wiederaufbau.  Die Sendeanlagen konnten aus anderen beschädigten Anlagen ergänzt werden, und schon zwei Monate nach der Sprengung und einen nach Kriegsende war Mühlacker am 3. Juni 1945 wieder mit einem Sender in der Luft: „Hier ist Radio Stuttgart, ein Sender der Militärregierung. Wir senden täglich von 11.30 Uhr bis 14.00 Uhr und von 18.30 Uhr bis 22.00 Uhr auf der Wellenlänge 523 m“.
Nachdem man anfangs vor allem das Luxemburger Programm der US-Amerikaner übernommen hatte, wurden ab Juli die Stuttgarter Anteile ausgeweitet. In den ersten Monaten wurden die Sendungen in einen Studiowagen der siebten US-Armee produziert, der im Hof des Stuttgarter Telegrafenbauamts stand. In den folgenden beiden Jahren gestalteten die US-Amerikaner das Programm weitgehend selber, um sich nach dieser Umerziehungsphase nach und nach auf kontrollierende Funktionen zurückzuziehen.
Ein Erbe der Besatzungszeit wurde der komplizierte Zuschnitt des Rundfunks im Südwesten, wo es später zwei öffentlich-rechtliche Sender gab: Neben dem Stuttgarter Süddeutschen Rundfunk, der wesentlich Württemberg und Nordbaden versorgte, sendete der Südwestfunk für Südwürttemberg und -baden sowie Rheinland-Pfalz, die frühere französische Besatzungszone.

1949: Hauptwelle für den Süddeutschen Rundfunk
In der direkten Nachkriegszeit fehlte deutschen Politikern weitgehend das Verständnis für das amerikanisch-britische Konzept eines regierungsunabhängigen Rundfunks. Nach langen Auseinandersetzungen zwischen der Militärregierung und dem baden-württembergischen Landtag bzw. der Regierung wurde am 4. Juli 1949 ein Rundfunkgesetz verabschiedet. Am 22. Juli 1949 ging Radio Stuttgart als Süddeutscher Rundfunk in deutsche Hände über.
Ein erstes großes Problem war die Hörbarkeit, denn auch der Süddeutsche Rundfunk erlitt durch die „Wellendemontage“ Reichweitenverluste. Der Kopenhagener Wellenplan von 1950 sah für Mühlacker die Frequenzen 575 und 1554 kHz vor. Auf der ersten sollte der Südfunk senden, auf der zweiten AFN. Die wichtigsten Konkurrenten auf 575 kHz waren Sender in der UdSSR und der DDR. Zur Abrundung der Versorgung seines Sendebereichs nahm der Süddeutsche Rundfunk in den fünfziger Jahren zahlreiche Kleinsender auf den Mittelwellen 998, 1169, 1412 und 1484 kHz in Betrieb. Von diesen sind heute nur noch Ulm (1950) und Heilbronn (1952) in Ostwürttemberg übrig. Eine zweite Strategie war die beschleunigte Entwicklung von UKW, das die Mittelwelle heute fast ganz verdrängt hat.
Am 21. April 1954 nahm in Mühlacker die Richtantenne für 575 kHz den Betrieb auf. Sie bestand aus zwei 273 und 130 m hohen Rohrmasten im Abstand von 240 m. Tagsüber war nur der Hauptmast in Betrieb, nachts dann die Richtcharakteristik. Durch eine Zwischenisolation in 160 m Höhe am Hauptmast wollte man sich Umschaltmöglichkeiten für verschiedene Abstrahlcharakteristiken erhalten, aber das wurde nicht weiterverfolgt. Ab 1955 wurde der erste 100-kW-Sender stufenweise erneuert. Ab 1959 wurde mit 150 kW gesendet. Nach der Abwanderung des American Forces' Network koppelte man ab Juli 1964 die in Mühlacker vorhandenen Mittelwellensender zu 250 kW. Zugleich wurde bei Telefunken ein neuer Sender in Auftrag gegeben. Er nahm am 22. April 1966 mit 300 kW den Betrieb auf.

Mit dieser inzwischen historischen QSL-Karte bestätigte der damalige Betreiber der Mittelwelle Mühlacker 575 kHz einen korrekten Empfangsbericht.
Ursprünglich war die Mittelwelle auch die Hauptwelle des Süddeutschen Rundfunks. Als ab 1950 eine UKW-Senderkette entstand, waren die hier ausgestrahlten Sendungen noch kein eigenes Programm. Vielmehr gab es Wiederholungen aus dem ersten Programm und Übernahmen von anderen ARD-Radioprogrammen. Mit einer grundlegenden Programmreform am 1. Oktober 1962 wurde das Mittelwellenprogramm nun mehr auf Information und Unterhaltung ausgerichtet, UKW auf Bildung und Kultur.

1945-1963: Das American Forces' Network aus Mühlacker

1947-2004 Mühlacker als Kurzwellenstandort

Die 80er Jahre:Die Mittelwelle Mühlacker im Streit um die Regionalisierung des Rundfunkangebots
Obwohl die Hörerschaft längst auf UKW umgeschwenkt war, wurde die Mittelwelle von Mühlacker in den achtziger Jahren mehrfach zum Politikum. Noch vor dem Vollausbau der dritten Senderkette begann der Süddeutsche Rundfunk mit Regionalsendungen. Am 9. Mai 1979 begann das Kurpfalzradio für den sechstgrößten Ballungsraum der Bundesrepublik.  Als 1981 die nordbadische Regionalsendung auf die stärkeren Frequenzen der ersten UKW-Kette genommen wurde, wurden die Hörer und Hörerinnen, die weiterhin das Landesprogramm hören wollten, auf die Mittelwelle verwiesen.
Nach weiteren Regionalangeboten in Stuttgart (1981) und Ulm (1982) plante der Süddeutsche Rundfunk ein Angebot für das Hohenloher Land. Am 26. Mai 1985 startete der Süddeutsche Rundfunk anlässlich der in Heilbronn veranstalteten sechsten Landesgartenschau das Frankenradio.  Zuerst kam das Programm nur sonntags 16.04-17.00 Uhr, dann ab Juli 1985 montags bis freitags. Es wurde in Heilbronn mit 50 Watt auf 99,5 MHz für einen Umkreis von 20 km ausgestrahlt und über die 300-kW-Mittelwelle Mühlacker auf 576 kHz. Letzteres war eine Provokation der Politik, die die Freigabe von drei verfügbaren Regionalfrequenzen blockiere. „Die Ausstrahlung des Frankenradio über Mittelwelle kann nämlich nur als eine Übergangslösung angesehen werden, da sie in großen Teilen des SDR-Sendegebiets zu einer dauerhaften 'Falschversorgung' führen würde.“  Nach Angaben des Südfunks hätten schon lange UKW-Frequenzen für ein regionales Frankenradio zur Verfügung gestanden, die nur aus politischen Gründen blockiert wurden.  Mit dem Ende der Landesgartenschau musste das Frankenradio am 8. September 1985 seine Sendungen wieder einstellen, doch hatte der SDR aus seiner Perspektive gezeigt, was mit der nötigen Unterstützung durch die Zuweisung von Frequenzen möglich war. Schon damals zeigte allerdings die Hörerforschung, dass das Frankenradio überwiegend auf der UKW-Sonderfrequenz gehört worden war und nicht auf Mittelwelle. Artikel über das Warten auf Frequenzfreigaben für regionale Fensterprogramme des Südfunks beherrschten in diesen Jahren die Hauszeitschrift des Süddeutschen Rundfunks. Erst 1987 kam es zum Sendebeginn eines Frankenradio Heilbronn im Verbund der regionalen Subprogramme des Südfunks.

Bedeutungsrückgang der Mittelwelle
Am 23. Nov. 1978 trat der Genfer Wellenplan in Kraft, der für zunächst elf Jahre die Zuweisungen von 10000 Lang- und Mittelwellen in Europa, Afrika, Asien und Ozeanien regelte. In Mühlacker wurde die Frequenz leicht von 575 auf das neue Raster 576 kHz angehoben. Zu den leistungsverstärkten alten Mitbenutzern kam noch ein Großsender in Bulgarien. Dementsprechend wurde die Abstrahlung der Mittelwellenanlage durch einen 80-m-Mast modifiziert. Die Abrundung des Sendegebietes erfolgte durch Kleinsender auf 711, 1413 und 1485 kHz, die schließlich auf die Mittelwelle 711 kHz zusammengelegt wurden. Nach den Abschaltungen von Bad Mergentheim 1999 und Heidelberg-Dossenheim 2004 senden hier noch die Stationen in Ulm und Heilbronn.
Am 1. Jan. 1980 sah das Mittelwellennetz des SDR folgendermaßen aus:
576 kHz Mühlacker (300 kW)
711 kHz Heidelberg-Dossenheim, Heilbronn-Obereisesheim, Ulm (alle 5 kW), Bopfingen, Wertheim (beide 0,2 kW)
1413 kHz Bad Mergentheim (3 kW), Heidenheim (0,2 kW)
1485 kHz Adelsheim (Baden) (0,2 kW), Buchen-Walldürn (0,1 kW)
Ausgestrahlt wurde auf 576 kHz weiter das erste Hauptprogramm. Dennoch wirkte sich die verminderte Bedeutung der Mittelwelle für die Grundversorgung auch in der Belegung aus. Zum einen wurde die Mittelwelle immer wieder für Sonderübertragungen wie Parlamentsdebatten, Trauerfeiern oder Sportwellen abgekoppelt. Da die Regionalprogramme auf der vierten UKW-Kette immer mehr zu Vollprogrammen wurden, störten hier die abends ausgestrahlten Ausländerprogramme. Sie wurden 1991 auf die Mittelwelle verlegt. Abends kam über viele Jahre 19.00-22.00 Uhr das ARD-Gemeinschaftsprogramm für ausländische Mitbürger und Mitbürgerinnen. Am 1. Mai 1998 begann die SDR- Ausländerredaktion mit einem zusätzlichen deutschsprachigen Programmangebot, das auch die Fusion mit dem Südwestfunk überdauerte. Anfangs kam freitags, samstags und sonntags 18.00-19.00 Uhr ein multikulturelles Magazin SWR-International, das sich mit Problemen der zweiten und dritten Einwanderergeneration beschäftigte. Zum 1. Januar 2003 kündigte der Südwestrundfunk jedoch die Gemeinschaftsaufgabe und brachte damit die früheren „Gastarbeiterprogramme“ zum Ende.
Leistungsreduzierungen und Senderabschaltungen haben die Richtcharakteristik überflüssig gemacht, und man hat dementsprechend neue internationale Absprachen getroffen. Immerhin haben die Sender Schwerin und Riga in den neunziger Jahren jahrelang geschwiegen. So wurde 1994 sogar ein erneuerungsbedürftiger 110-m-Mast gesprengt und auf eine reine Rundstrahlung des 270- m-Mastes umgestellt. Von 1983 bis 1997 arbeitete in Mühlacker ein 300-kW-Sender von Telefunken. Es war einer der ersten PDM-Sender, der in Betrieb ging, und die Technik wurde von Telefunken und SDR-Mitarbeitenden gemeinsam weiterentwickelt. In den achtziger Jahren experimentierte man zum Stromsparen mit verringerten Sendeleistungen, aber ohne durchschlagenden Erfolg. Mittlerweile haben sich die Bedingungen stark gewandelt. Zum Schutz von Herzschrittmachern in den umliegenden Neubaugebieten sind die vollen 300 kW des Wellenplans nicht mehr gestattet, und man arbeitete nur noch mit 150 kW. Seit 1997 ist in Mühlacker ein neuer 100 kW-Sender von Nautel in Betrieb. Der Vorgänger wurde Reservesender.
Wie der SDR Stuttgart in seiner Hauszeitschrift Juli-August 1997 mitteilte, hörten immer noch 12 Prozent der potentiellen Hörerschaft und 19 Prozent der älteren Bevölkerung den Süddeutschen Rundfunk über die Mittelwelle Mühlacker, obwohl das erste Programm in Baden Württemberg fast flächendeckend auf UKW zu empfangen war.

1998: Fusion von SDR und SWF zum SWR
1998 schlossen sich der Süddeutsche Rundfunk und der Südwestfunk zum Südwestrundfunk zusammen. Das Sendegebiet der nunmehr zweitgrößten ARD-Anstalt umfasst die Bundesländer Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz mit über 14 Mio. Einwohnern und Einwohnerinnen. Die Fusion von SDR und SWF beendete die Teilung der Rundfunkversorgung Baden-Württembergs und ermöglichte eine Neustrukturierung der Programme. Als Zweiländeranstalt schnitt der Südwestrundfunk seine Programme nun nach Bundesländern. Aus Mühlacker wurde ab dem 30. August 1998 das Landesprogramm SWR 1 Baden- Württemberg ausgestrahlt.

2002: Hauptwelle für ContRa
Am 1. Juli 2002 begann der Südwestrundfunk mit einem neuen Angebot auf seinen Mittelwellensendern. Das in Baden-Baden produzierte „Content-Radio für informations- und kulturinteressierte Hörer und Hörerinnen“ sollte eigentlich die Akzeptanz der digitalen Rundfunks fördern, kam nun aber zuerst auf Mittelwelle. Zu den Haupthörzeiten des Tages bietet cont.ra aktuelle Informationen zum Tagesgeschehen aus aller Welt, Deutschland und den Ländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Dazu kommen Übernahmen aus den anderen Hörfunkprogrammen.

2003: Nachtprogramm von MDR-Info
Die Nacht wird seit dem 31. Dezember 2003 mit der Nachrichtenwelle des Mitteldeutschen Rundfunks gefüllt. Bei der Bekanntgabe am 19. Dezember 2003 verstand MDR-Chefredakteur Christian Schneider die Kooperation als „weiteren Schritt in der Zusammenarbeit verschiedener Hörfunkprogramme in der ARD“ und als „Anerkennung der Kompetenz unserer Journalisten“. MDR Info sendet seit 1992 für Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Seit 1997 übernahm bereits der bayrische Infokanal B 5 aktuell das MDR-Informationsprogramm in der Nacht. Die redaktionelle Verantwortung liegt beim MDR, doch liefern die anderen ARD-Stationen zu.
Zunächst wurde MDR Info nachts 23.00-6.00 Uhr Ortszeit auch auf den südwestdeutschen Mittelwellen 576, 666, 711, 1017 und 1485 kHz sowie der Kurzwelle Rohrdorf 7265 kHz ausgestrahlt. Nach verschiedenen Senderabschaltungen sind 576 und 1017 kHz die Hauptwellen.

Im Januar 2006 wurde das "Senderstadt-Panorama" von Mühlacker um einen Sendemast ärmer. Eine Bietigheimer Firma begann am 23. Januar mit der Demontage des 1977 errichteten Gitterturms. Bei extrem winterlichen Temperaturen waren die Arbeiter waren in luftiger Höhe Windgeschwindigkeiten von elf Metern pro Sekunde und einer Kältespitze von minus 33 Grad ausgesetzt. Weil der alte Sendemast keine Erweiterungsoptionen für den Südwestrundfunk bot, war bereits im August 2004 ein Nachfolger für den nun abgebauten Mast errichtet worden. Der neue Mast ist nur für den SWR-internen Richtfunk.

2010: neuer Sender
Der SWR-Standort Mühlacker hat einen neuen digitalen Sender für die Mittelwelle 576 kHz erhalten. Dabei handelt es sich um einen Sender von Transradio Berlin (TRAM 100kW SWR SNT203), der bisher nur einen AM-Modulator hat. Die Aufbauarbeiten werden bis zum Sommer 2010 abgeschlossen sein. Nach einem längeren Echtbetrieb soll dann der alte Telefunken S4004 (Röhrensender für maximal 300 kW) verschrottet werden, da am Standort noch der aktuelle Nautelsender zur Verfügung steht. Die Sender laufen mit 7 statt 4.5 kHz ITU-Bandbreite (Sondergenehmigung), weil es keine direkten Nachbarkanalstationen mehr gibt, vor allem im Nahbereich zur Tag- und Dämmerungszeit. 

2011: Sendeende

Der Südwestrundfunk gibt bis Ende 2011 seine verbliebenen Mittelwellen 576, 711-DRM, 666, 1017 und 1413 kHz auf und spart damit 380.000 Euro ein. Valentin Nann von der SWR-Pressestelle spricht von einer "veralteten Technologie", wobei DAB+ mittelfristig auch UKW ablösen soll.

Damit endet vor allem für den Standort Mühlacker eine Ära, wo 1930 ein "Großsender" den Betrieb aufnahm. Nachdem schon seit 2004 kein Signal mehr aus Mühlacker auf Kurzwelle 6030 Kilohertz zu hören ist, stellt der Rückzug von der Mittelwelle eine weitere Rationalisierungsmaßnahme dar. Schon 1997 ging der damalige SDR mit zwei UKW-Programmen nach Langenbrand. Vor sechs Jahren wurde zudem die Privatradio-Frequenz 100,7 nach Güglingen verlegt, da Mühlacker nicht mehr so gut zum veränderten Sendegebiet von Energy passte. Wenn der Südwestrundfunk die Mittelwelle aufgibt, bleibt Mühlacker nur noch das Regionalprogramm SWR 4 Badenradio, das auf Ultrakurzwelle (UKW) die Frequenz 95,7 Megahertz belegt.

Die neun Techniker, die von Mühlacker auch Anlagen an anderen Orten betreuen, seien über den Beschluss, die Mittelwelle aufzugeben, informiert worden. (Pforzheimer Zeitung www.pz-news.de/Home/Nachrichten/Muehlacker/arid,238008_puid,1_pageid,87.html)

 

Literatur
Hauszeitschrift Südfunk. Informationen des Süddeutschen Rundfunks Stuttgart.
Biener, Hansjörg: 75 Jahre Großsender Mühlacker, in: Rundfunk und Museum 2006,57 (Sept. 2006), S. 34-37.
Brunswig, Heinrich / Klumpp, Eberhard / Schwarze, Dietrich: Großsender Mühlacker. Zur Technik und Rundfunkgeschichte, Stuttgart: Süddeutscher Rundfunk, 1980 (Südfunk-Hefte 5).
Kehm, Peter / Lüke, Friedmar: 70 Jahre Rundfunk für Baden und Württemberg 1924 bis 1994, Stuttgart: Süddeutscher Rundfunk, 1994 (Südfunk-Hefte 19).
Klumpp, Eberhard: Das erste Jahrzehnt. Der Südfunk und sein Programm 1924 bis 1933/34, Stuttgart: Süddeutscher Rundfunk, 1984 (Südfunk-Hefte 9).
Lerg, Winfried B.: Rundfunkpolitik in der Weimarer Republik, München: dtv, 1980,
Lersch, Edgar: Rundfunk in Stuttgart 1934-1949, Stuttgart: Süddeutscher Rundfunk, 1990 (Südfunk-Hefte 17).
 
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