© Dr. Hj. Biener
Bei dieser Welle handelt es sich um das Erbe der 1946 aufgenommenen Regionalsendungen aus Potsdam, für die ein Mittelwellensender in Golm errichtet wurde. Diese Regionalsendungen blieben im Unterschied zu den anderen Regionalprogrammen der DDR stets auf der Mittelwelle, da das Gebiet des Bezirks Potsdam wesentlich von den Versorgungsbereichen der UKW-Sender abwich.

In den achtziger Jahren ging für die Regionalsendungen aus Potsdam sowie zu den übrigen Sendezeiten  Radio DDR 1 in Königs Wusterhausen eine neue, vom tschechoslowakischen Unternehmen Tesla gelieferte Anlage in Betrieb. Der ursprüngliche Sender in Golm blieb jedoch parallel bestehen. Der Sender Golm kam  am 20. Aug. 1992 letztmalig zum Einsatz und wurde nach seiner Stillegung 1993/94 abgebrochen.

Königs Wusterhausen 603 kHz

In den achtziger Jahren ging für die Regionalsendungen aus Potsdam sowie zu den übrigen Sendezeiten  Radio DDR 1 in Königs Wusterhausen eine neue, vom tschechoslowakischen Unternehmen Tesla gelieferte Anlage in Betrieb. Außerdem war die Sendeanlage bis 1995 Standort für Kurzwellensender und bis 1997 für einen 100-kW-Langwellensender.

In der DDR-Zeit war Königs Wusterhausen  in der Wendezeit kurz für Radio Aktuell aktiv. Am 26. Mai 1991, 24.00 Uhr MESZ, gab Radio Aktuell auf höhere Weisung seine Mittelwellen auf. Nach den Wirren der Wendezeit lief die jetzige Antenne Brandenburg über diese Anlagen auf 693 kHz.

Parallel zum Beginn der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion wurde zum 1. Juli 1990 auch die
Rundfunklandschaft der DDR umorganisiert. So wurden die bisherigen Regionalsender zu Vollprogrammen
ausgebaut und entstand bei den Regionalsendern Potsdam, Cottbus und  Frankfurt (Oder) die „Antenne Brandenburg", die vom Berliner Rundfunk die Mittelwelle 693 kHz übernahm. 1992 und 1993 strahlte der Ostdeutsche Rundfunk Brandenburg das Programm aber nicht mehr über die zu kostspieligen 250 kW in Uhlenhorst aus, sondern aus Königs Wusterhausen mit 2x20 kW (Tesla). Im Juli 1993 wurde aus Kostengründen die Mittelwelle aufgegeben.

RTL Oldiessender
Zum 1. November 1993 vergab die Medienanstalt Berlin-Brandenburg erstmals Mittelwellen an private Anbieter, die umgehend auch auf Sendung gingen. Auf 603 kHz sendete zuerst der RTL Oldiessender. Während alle Sender für 5 kW lizensiert worden waren, sendete RTL aus technischen Gründen zunächst mit 20 kW aus Königs Wusterhausen. Dementsprechend konnte RTL in der Oberpfalz am Morgen des 1. November 1993 auf 603 parallel zu 1440 kHz gehört werden. Von Dezember 1994 bis zum 1. Dezember 1996 sendete RTL-Radio dann auf der Mittelwelle Köpenick 891 kHz (5 kW). 1996 war es der letzte 1993 lizensierte private Anbieter, der die Mittelwelle verließ.

Jazzradio
Nach Verschiebungen nahm Jazzradio Berlin (Postfach 126844, D-10617 Berlin, 030-3120876) am 10. April 1995 Testsendungen aus Königs Wusterhausen auf. Ab dem 1. Mai 1995 kam ein moderiertes 24-Stunden-Programm auf 603 (5 kW) und im Kabel. Im Sommer 1995 erfolgte die Verlegung der Mittelwelle von Königs Wusterhausen nach Köpenick. Einer der traditionsreichen deutschen Senderstandorte hatte damit die Sendungen eingestellt.

Letzte Aktivierung
Nach Testsendungen am 27 und 28. Oktober wurde die Sendeanlage am 31. Oktober 1998 14.00-18.00 Uhr noch einmal angestellt. Bei dem Sonderprogramm des Jugendsenders Fritz konnten die Hörer sowohl studio- als auch sender-seitig zwischen historischer Mittelwelle und UKW-Sound vergleichen.
Die 40 kW-Einheit (Tesla), die meist auf 603 kHz und 1992/1993 auf 693 kHz gesendet hatte, wurde 1999 abgebaut und ins Ausland gebracht.

Köpenick 603 kHz

Jazzradio

Nach Verschiebungen nahm Jazzradio Berlin am 10. April 1995 Testsendungen aus Königs Wusterhausen auf. Ab dem 1. Mai 1995 kam ein moderiertes 24-Stunden-Programm 603 (5 kW) und im Kabel. Im Sommer 1995 erfolgte die Verlegung der Mittelwelle von Königs Wusterhausen nach Köpenick. Einer der traditionsreichen deutschen Senderstandorte hatte damit die Sendungen eingestellt, dochmittlerweile gibt es auch Köpenick als Mittelwellenstandort nicht mehr. Zum 1. August 1996 gab Jazz Radio die Mittelwelle 603 kHz wieder auf, während er auf der schwachen UKW-Frequenz fortgesetzt wurde.

Zehlendorf 603 kHz

Stimme Russlands

Ab dem 1. März 1996 ergänzte der russische Auslandsdienst seine Thüringer Mittelwelle Wachenbrunn
1323 kHz durch eine eigene Mittelwelle für den Großraum Berlin. Nach einer Zeit des Parallelbetriebs auf den Mittelwellen Uhlenhorst 693 kHz (bis 2001) und Zehlendorf 603 kHz (ab 2000), wechselte die Stimme Russlands auf die neue Frequenz und gab im Frühjahr 2001 die Mittelwelle 693 kHz auf, da diese Frequenz an Mega-Radio gehen sollte. Eingesetzt wird fast rund um die Uhr ein Telefunken TRAM50, der jedoch nur mit 20 kW sendet. Der Sender steht in derselben Halle wie die Sender für  693 kHz (modifizierter TRAM 200) und 177 kHz (TRAM 500). Die Mittelwellen 693 und 603 kHz nutzen dieselbe Antenne, die eben für die Mittelwellenoperationen aus Zehlendorf gebaut wurde.

Zehlendorf digital
Anlässlich der Internationalen Funkausstellung (28. August-3. September 2003) wurden auf mehreren Mittelwellen Varianten des digitalen DRM-Verfahrens vorgestellt. Eine gleichzeitige Ausstrahlung analoger und digitaler Signalanteile kam auf der im regelmäßigen Programmbetrieb stehenden Frequenz Zehlendorf 603 kHz. Da die Lang- und Mittelwellen fest vergeben sind, möchten die Programmveranstalter in diesen Bereichen Simulcast-Betrieb benutzen, um keine der noch verbliebenen Stammhörer zu verlieren. Dies trifft insbesondere Programme wie die Stimme Russlands, die nicht flächendeckend auf UKW vertreten sind.
Im Simulcast-Betrieb enthielt nur das obere Seitenband das DRM-Signal (11 kbit/sek = Telefonqualität). Dadurch konnte auch nur die halbe Datenrate verwendet werden. Das untere Seitenband wird im Modulator errechnet, damit die Summe aus oberem und unterem Seitenband die AM-Hüllkurve ergibt. Je besser das gelingt, desto weniger ist vom in verschiedenen Empfängern verschieden intensiv gehörten DRM-Rauschen zu hören. Die Demodulation ist ausschließlich mit dem klassischen Hüllkurven-Demodulator möglich, da es die beim Einseitenbandempfang ausgewerteten Seitenbänder so nicht mehr gibt. Beim Simulcast-Betrieb muss ausserdem die Aussteuerung reduziert werden. Das Hüllkurven-Signal ist deshalb etwas leiser als bei reinem AM-Betrieb. Im Juli 2004 kündigte die Stimme Russlands den Parallelbetrieb als Regelbetrieb an.

2007 Ausschreibung der Mittelwellen 567, 693 und 1359 kHz
Am 7. Dez. 2007 beschloss der Medienrat der Medienanstalt Berlin-Brandenburg die Auschreibung der Mittelwellen 567, 693 und 1359 kHz auszuschreiben. Anlass hierfür ist der Wunsch der Stimme Russlands, am Senderstandort Zehlendorf bei Oranienburg künftig die mit einer Leistung von 250 kW einsetzbare Frequenz 693 kHz zu nutzen.

Im April 2008 wurde die Belegung der Mittelwelle 603 kHz eingestellt.

2009 Oldiestar auf 603
Seit dem 9. Dez. 2009 sendet Oldiestar (www.oldiestar.de) auf der Mittelwelle Zehlendorf 603 kHz (20 kW). Auf der Homepage www.oldiestar.de/index.php liest sich das so: „oldiestar* ist ab sofort in ganz Berlin auf der Mittelwellen-Frequenz 603 kHz im kultigen Sound der guten alten Zeit zu empfangen. Der Empfang ist in jedem Radio möglich: Einfach die MW- oder AM-Taste drücken und auf 603 einstellen. Schon erklingen deutsche und internationale Hits von den 60ern bis in die 80er - von Udo Jürgens bis zu den Beatles, von Grönemeyer bis Phil Collins! Ausgestrahlt wird mit 20.000 Watt vom historischen Senderstandort Zehlendorf bei Oranienburg. Die 129 Meter hohe Antenne ist weithin in Oberhavel und Barnim sichtbar.“ Bisher sendete Oldiestar auf den UKW-Frequenzen 96,7 und 104,9 MHz sowie über Astra digital Transponder 103; Frequenz 12, 4605 GHz; Horizontal; Symbolrate 27,5 MSymb/s; FEC 3/4 unverschlüsselt.

2011 Sendeende von Oldiestar auf 603

Mit "Neues Jahr, neues Glück" grüßt oldiestar auf www.oldiestar.de und begründet zugleich die Abschaltung auf Mittelwelle: "Auch wir haben im neuen Jahr viel vor. oldiestar* beabsichtigt, schon sehr bald sein Programm in weiten Teilen Brandenburgs und in Berlin auf UKW zu verbreiten. Für Sie heißt das, Sie hören Ihre Informationen sowie die deutschen Hits und die klasse Oldies in jedem Radio. Ziele brauchen Vorbereitung: Deshalb bitten wir um Verständnis, dass wir die Verbreitung auf der Mittelwelle 603 kHz am 3. Januar 2011 einstellen." Verzeichnet werden auf der Homepage die Frequenzen 96,7 MHz für Frohnau, Heiligensee, Hennigsdorf, Hohen Neuendorf, Nauen, Oranienburg, Tegel und 104,9 MHz für Bernau, Eberswalde, Hohenschönhausen, Oranienburg, Templin. 
© Dr. Hansjörg Biener 0308
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