Kiel ist seit Mitte der 1920er Jahre Senderstandort. Am 14. Dezember 1925 begannen die ersten Versuchsübertragungen, in den Weihnachtsfeiertagen konnte bereits das volle NORAG-Programm übernommen werden und am 7. März 1926 fand die offizielle Eröffnung statt. Für regionale Sendungen befand sich ein Aufnahmeraum mit Vorverstärker in der Handwerker- und Kunstgewerbeschule. Der eigentliche Sender stand an der Südgrenze der Stadt auf dem Finkelberg, einer sich rund 50 m erhebenden Anhöhe. Mit Inbetriebnahme des Hamburger Großsenders am 14. Januar 1934 stellte der Sender Kiel seinen Betrieb ein; lediglich vom 27. Januar bis 11. Februar 1934 sprang er wegen Bauarbeiten am Hamburger Sender nochmals ein.
NDR/NWDR
Der Kahlschlag des Kopenhagener Wellenplans,
bei dem Deutschland viele Reichweiteneinbußen hinnehmen musste, erforderte
im Jahre 1949 erneut die Inbetriebnahme eines Mittelwellensenders in Kiel.
Auf dem Heischberg in Kronshagen errichtete der Nordwestdeutsche Rundfunk
zunächst in einer Baracke eine Senderanlage.
Wegen Empfangsproblemen wechselter der
Kieler Sender am 3. Juli 1966 nach 1570 kHz. Als Stand vom 24. Juli 1966
verzeichnete die Chronik (1.7.-30.9.1966), in Rundfunk und Fernsehen 14,1966,4,
S. 465-481, S. 469, folgende Mittelwellen für den NDR:
520 Braunschweig. Salzgitter
701 Lingen, Aurich, Flensburg
971 Hamburg, Hannover, Oldenburg, Göttingen
1570 Kiel, Osnabrück.
„Am 23.5.[1970] wurde die Frequenz des Mittelwellensenders Kiel von 1570 kHz auf 827 kHz geändert; seine Leistung beträgt jetzt 0,5 kW.“ [Chronik (1.4.-30.6.1970), in: Rundfunk und Fernsehen 18,1970,3/4, S. 415-438, S. 422.]
1993 gab der Norddeutsche Rundfunk die Mittelwellensender in Kiel und anderen Standorten auf. Obwohl auf den Mittelwellen neben Sondersendungen auch die ARD-Ausländerprogramme kamen, gab es nach der Stillegung der Sender keine Beschwerden beim NDR.
Power Radio
1996 schrieb die Unabhängige Landesanstalt
für das Rundfunkwesen die frühere NDR-Mittelwelle für die
private Nutzung aus. Einziger Interessent war Power 612, das ein Zielgruppenprogramm
für die 14-29-Jährigen ausstrahlen wollte und auch den Zuschlag
erhielt. Ursprünglich wollte man schon im August 1997 auf Sendung
gehen, doch der Sendestart verzögerte sich. Ab dem 7. Mai 1998, 17.00
Uhr MESZ, sendete Power 612 6.00-19.00 Uhr Ortszeit ein Jugendprogramm
auf der Mittelwelle Kiel 612 kHz (10 kW).
Absichten, den vom NDR angemieteten Sender
durch Ausstrahlungen von der sonst auf 1269 kHz (DLF) aktiven Sendestation
der Deutschen Telekom in Arpsdorf bei Neumünster zu ersetzen, wurden
nicht verwirklicht. Der Empfang war bis weit nach Dänemark und die
norddeutsche Tiefebene möglich. Trotzdem war fraglich, ob die Station
allein auf Mittelwelle überleben würde. Die Bewerbung um die
vierte UKW-Kette in Schleswig Holstein blieb 1998 allerdings erfolglos.
Eine Klage von Power 612 gegen die Zuteilung an Klassik Radio statt an
Power 612 wurde im Januar 2003 vom Schleswig-Holsteinischen Verwaltungsgericht
abgewiesen.
Nukleus für
ein bundesweites Talkradio?
1999 versuchte man durch eine Umformatierung
und mit einem Schwesterprogramm in Mecklenburg-Vorpommern die Basis zu
verbreitern. Talk-Radio sollte rund um die Uhr (in Schleswig-Holstein nur
von 6-19 Uhr) ein bundesweites Wortprogramm für die 30- bis 50-jährigen
veranstalten und seine Mittelwellen 16.00-19.00 Uhr für regionale
Inhalte auseinanderschalten. Weitere Anträge für die Verbreitung
über UKW und Mittelwelle wurden in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen,
Sachsen und Hessen eingereicht. Eine Verbreitung über Satellit sollte
auch analog über das Astra-Satellitensystem erfolgen. Getragen wurde
das Projekt, das zum 1. März 2000 starten sollte, zu 51,1 Prozent
von der Power Radio Nord GmbH (Thomas Thimme und Norbert Schmidt) und der
seit November 1999 mit 48,9 Prozent beteiligten Deutsche Talkradio GmbH,
die unter anderem der Sendergruppe Hitradio Antenne, dem rheinland-pfälzischen
Radio RPR und Antenne Bayern gehört. Die Landesrundfunkzentrale Mecklenburg-Vorpommern
sah in der Formatänderung vom jugendorientierten Power Radio MV in
ein weitgehend außerhalb Mecklenburg-Vorpommern produziertes Talkradio
eine grundlegende Änderung der Geschäftsgrundlage. So kam das
Projekt über eine Testschleife auf der Mittelwelle Schwerin-Wöbbelin
999 kHz nicht hinaus.
Agonie
Ab Februar 2001 wurde statt eines Programmes
lediglich eine sich ständig wiederholende zweieinhalbstündige
Sendeschleife gesendet, die zu 90 Prozent aus Musik bestand und nur
von allgemeinen Tipps unterbrochen wurde. Nach mehreren Abmahnungen verhängte
die Unabhängige Landesanstalt für das Rundfunkwesen des Landes
Schleswig-Holstein am 24. September 2001 sogar ein einwöchiges Sendeverbot,
das freilich durch die Instanzen ging.
Sendepause
Anfang 2004 genehmigte der ULR-Medienrat
dem Mittelwellensender für den Zeitraum vom 1. Februar bis zum 31.
Juli 2004 die einmalige Unterbrechung der Versorgungs- und Betriebspflicht.
Der Hörfunkveranstalter wollte die halbjährige Sendepause zur
wirtschaftlichen Konsolidierung und programmlichen Neuausrichtung nutzen.
Zugleich hat die ULR seiner Zulassungsnehmerin aufgegeben, während
der sendefreien Zeit die Neukonzeption des Programms mit dem Ziel zu betreiben,
den Zulassungsbestimmungen künftig dauerhaft gerecht werden zu können.
Der halbjährlichen Sendepause ging
ab dem 25. Januar 2004 ein einwöchiges Sendeverbot voraus. Grund für
das Sendeverbot der kurz zuvor rechtskräftig gewordene Aufsichtsmaßnahmebescheid
der ULR aus dem Jahr 2001. Power 612 hatte mehrfach über Monate hinweg
nur ständig wiederholte Programmschleifen von etwa zweieinhalb Stunden
Länge ausgestrahlt.
Sendeende
Eigentlich hätte Power 612
am 1. August 2004 wieder mit seinen Sendungen beginnen müssen. Aber:
„Der Mittelwellensender POWER 612 hat seine Zulassung an die ULR zurückgegeben
und wird sein Programm künftig nicht mehr in Schleswig-Holstein verbreiten.
Der Lizenzrückgabe vorausgegangen war eine halbjährige Sendepause,
die der ULR-Medienrat dem Sender antragsgemäß vom 1. Februar
bis zum 31. Juli 2004 genehmigt hatte. POWER 612 wollte diese Zeit zur
wirtschaftlichen Konsolidierung und programmlichen Neuausrichtung nutzen,
wozu es jedoch nicht gekommen ist. Der Direktor der ULR, Gernot Schumann,
erklärte: 'Wir akzeptieren die Entscheidung von POWER 612. Der ULR-Medienrat
wird in Kürze über die Neuausschreibung der Mittelwellenfrequenz
612 KHz zu befinden haben, um gegebenenfalls einem anderen Veranstalter
die Chance zu geben, ein attraktives Mittelwellenprogramm von Schleswig-Holstein
aus weit über die Landesgrenzen hinaus zu verbreiten.'“ (Pressemeldung
vom 27.8.2004 http://www.ulr.de/index2.html?/ULR_Akt_Presse04/einzelausgabe_D1_34.html)
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Dr. Hansjörg Biener 0308
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