© Dr. Hj. Biener
Auf der Genfer Mittelwellenkonferenz wurde Deutschland 1975 die Frequenz 630 kHz für einen Sender in Niedersachsen zugeteilt. In den Jahren seit dem Inkrafttreten des neuen Bandplans wurde die Mittelwelle von zwei verschiedenen Standorten aus belegt: Dannenberg: NDR / Sender Freies Berlin
Königslutter: Mega Radio (2001-2003)
In Königslutter ist noch eine zweite Frequenz beheimatet:
Königslutter: Deutschlandfunk Köln

Dannenberg 630 kHz (1978-1998)

Eine niedersächsische Mittelwelle für den Sender Freies Berlin
Beim Inkrafttreten des Genfer Wellenplans im November 1978 nahm der Norddeutsche Rundfunk seine neue Mittelwelle 630 kHz  zunächst mit einen fahrbaren 10-kW-Sender in Betrieb. Vom Standort des UKW- und Fernsehsenders Zernien (53°03‘56“N  10°53‘49“O) kamen nun von 6.00 bis 18.00 Uhr die Sendungen des NDR und des Senders Freies Berlin ausstrahlte. Bis 1980 sollte die Sendestärke auf 88 kW erhöht werden. Mit der neu erhaltenen Tageswelle 630 kHz aus dem niedersächsischen Dannenberg deckte der Sender Freies Berlin den Nordwesten der DDR ab, dem die Berliner Mittelwelle nicht so gut erreichte. Ausgestrahlt wurde hier in wechselnder Zusammensetzung ein Mischprogramm aus den drei SFB-Hörfunkprogrammen.

Wechselhafte Belegung in den neunziger Jahren
Am 30. April 1990 gab es eine große Programmreform beim SFB, die auch Veränderungen für die Mittelwellen mit sich brachte. Der Sender Freies Berlin sortierte nicht nur die Berliner Wellen um. Die SFB-Nutzung der Dannenberger Mittelwelle ging auf siebeneinhalb bzw. sonntags sieben Stunden ab 12.00 Uhr zurück.
Die restliche Sendezeit wurde mit NDR-4 gefüllt. Mit einer interessanten Ausnahme: Nach langen Vorbereitungen und einem Probebetrieb startete am 4. April 1994, 16.44 Uhr, das NDR-Jugendradio N-Joy-Radio. Eingesetzt wurden neu koordinierte Frequenzen, aber auch Sender, die aus anderen Programmen übernommen wurden. Beim Sendestart war die NDR-Jugendwelle in weiten Teilen Schleswig Holsteins und Niedersachens über UKW zu hören. Zur vollen Flächendeckung wurden bis zum 1. April 1994 tagsüber auch die NDR-4-Mittelwellen eingesetzt. Das bedeutete für 630 kHz zeitweise ein absolutes Kontrastprogramm: Morgens N-Joy, nachmittags SFB3 Klassik.
1997/98 gaben die beiden Sender die Mittelwelle dann auf. Zuletzt hatte sie eine Mischung von NDR-4 am Vormittag, SFB-3 am Nachmittag und ARD-Ausländerprogramm am Abend ausgestrahlt.
 
Königslutter 630 kHz

Neuausschreibung für Königslutter
1998 schrieb die niedersächsische Landesmedienanstalt die Mittelwelle 630 kHz für private Veranstalter aus. Dabei griff man auf den Standort zurück, der ursprünglich im Genfer Wellenplan als Braunschweig firmiert hatte. Hier hatte es vor 1978 schon zwei Mittelwellen gegeben: 548 kHz und als Tageswelle 755 kHz. Der inzwischen offizielle Standortname Königslutter liegt auch nicht viel näher zu der Anlage als Braunschweig. Nächstgelegener markanter Punkt auf Landkarten ist das Autobahnkreuz Wolfsburg/Königslutter. Man sieht die Sendeanlage (52°17‘32“N  10°43‘32“O) auch vom Zug aus gut: Drei Masten, einer als Rundstrahler, die anderen beiden als Richtsystem mit Ausblendung in Richtung Lugoj (Rumänien).

Mega Radio
Nach Verzögerungen 1998 bekam Mega-Radio GmbH Frankfurt/Main die Mittelwelle zugesprochen. Der private Programmanbieter plante die deutschlandweite Rundfunkversorgung im Mittelwellenbereich und setzt dabei mittelfristig auf die Digitalisierung der Mittelwelle. Am 19. Juli 2000 schlossen Mega Radio und AM FM Sendertechnik Berlin, die Telefunken- Nachfolgegesellschaft, einen Rahmenvertrag über die Lieferung von Mittelwellen Sendern für mehrere Standorte in Deutschland. Allerdings dauerte es oft, bis Mega Radio auch einen Sender in der Luft hatte, und so war es auch mit Königslutter.
Mega Radio bekam bekam zwei 50-kW- Transistorsender und die Antenne, über die früher der Deutschlandfunk sendete. Da diese Antenne mit 137 Metern für dessen Frequenz 548 kHz ausgelegt war (1/4 Lambda), ist sie für die Frequenz von Mega Radio etwas zu lang und wird elektrisch gekürzt. Nach Testsendungen ab dem 10. war Mega-Radio ab dem 18. Mai 2001 rund um die Uhr auch auf der Frequenz 630 kHz zu empfangen. Laut ITU-Liste wurde die Frequenz tagsüber mit 100 kW betrieben und nachts mit 16 kW. Die Modulationszuführung von Mega-Radio erfolgte nicht über Satellit, sondern über eine 2Mbit/s - Leitung.
Das Programm bestand zunächst aus jugendorientierter Dance- und Technomusik und nur wenigen Zusatzangeboten; vor allem aber gab es kaum Werbung, aus der sich der Sender finanzieren konnte. Im Januar 2002 waren deutliche Veränderungen im Programm von Megaradio zu hören. Die Musikpalette war breiter angelegt, die Station hatte neue Jingles und neu auch Nachrichten zur vollen Stunde. Die Sendungen wurden nun nicht mehr in Schwerin produziert, sondern wie angekündigt in Zusammenarbeit mit der Antenne Bayern. Obwohl man zuletzt mit McDonald's einen bekannten Werbepartner gewonnen hatte, musste Megaradio am am 17. März 2003 Insolvenz anmelden und wurde das Programm am 4. April 2003 kurz vor 13.00 Uhr Ortszeit kurzfristig beendet.

Neuausschreibung
Die Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM, Seelhorstraße 18, 30175 Hannover) hat gemäß § 3 Abs. 1 i.V.m. Abs. 3 NMedienG die Mittelwelle Braunschweig 630 kHz ausgeschrieben. Interessenten haben jetzt bis zum 7. März 2005 Zeit, ihre Anträge einzureichen.
Die Versammlung der Niedersächsischen Landesmedienanstalt lizenzierte in ihrer Sitzung am 17.3.2005 „Radio Voice of Russia – Die Stimme Russlands“ zur Verbreitung über die Mittelwellenfrequenz Braunschweig 630 kHz. Die Lizenz wurde für eine analoge Nutzung für die Dauer von zwei Jahren erteilt, danach soll die Frequenz digitalisiert werden. Das Programm des staatlichen russischen Auslandsrundfunks wird abwechselnd in deutscher, englischer und russischer Sprache gesendet. (www.nlm.de/deutsch/aktuell/pressemit/presse2004/presse1803b.htm)

Die Stimme Russlands nutzt ihre deutschen Mittelwellen bis 28. März 2009 nach folgendem Sendeplan:
630 (Braunschweig 100 kW) 693 (Oranienburg 250 kW) 1431 (Dresden 250 kW) 1575 (Burg 100 kW)
05.00-10.00: Englisch
10.00-13.00: Deutsch
13.00-16.00: International Russian Radio
16.00-18.00: Deutsch, außer Donnerstag 16.00-17.00
18.00-19.00: Russian World Service
19.00-20.00: Deutsch
21.00-22.00: International Russian Radio
22.00-23.00: GUS-Programm
Uhr Weltzeit (+1=MEZ) Frequenz (Sender)
 
Zahlreiche Bilder von einem Besuch der Sendeanlage finden sich unter
<www.do1oli.de/cremlingen/mittelwellensender_cremlingen.htm>. Im Sinn der Rechtssprechung sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass eine Verantwortung für die dortigen Inhalte nicht übernommen werden kann.
© Dr. Hansjörg Biener 0105
letzte Bearbeitung 0811
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