Dannenberg 630 kHz (1978-1998)
Eine niedersächsische
Mittelwelle für den Sender Freies Berlin
Beim Inkrafttreten
des Genfer Wellenplans im November 1978 nahm der Norddeutsche Rundfunk
seine neue Mittelwelle 630 kHz zunächst mit einen fahrbaren
10-kW-Sender in Betrieb. Vom Standort des UKW- und Fernsehsenders Zernien
(53°03‘56“N 10°53‘49“O) kamen nun von 6.00 bis 18.00 Uhr
die Sendungen des NDR und des Senders Freies Berlin ausstrahlte. Bis 1980
sollte die Sendestärke auf 88 kW erhöht werden. Mit der neu erhaltenen
Tageswelle 630 kHz aus dem niedersächsischen Dannenberg deckte der
Sender Freies Berlin den Nordwesten der DDR ab, dem die Berliner Mittelwelle
nicht so gut erreichte. Ausgestrahlt wurde hier in wechselnder Zusammensetzung
ein Mischprogramm aus den drei SFB-Hörfunkprogrammen.
Wechselhafte Belegung
in den neunziger Jahren
Am 30. April 1990
gab es eine große Programmreform beim SFB, die auch Veränderungen
für die Mittelwellen mit sich brachte. Der Sender Freies Berlin sortierte
nicht nur die Berliner Wellen um. Die SFB-Nutzung der Dannenberger Mittelwelle
ging auf siebeneinhalb bzw. sonntags sieben Stunden ab 12.00 Uhr zurück.
Die restliche Sendezeit
wurde mit NDR-4 gefüllt. Mit einer interessanten Ausnahme: Nach langen
Vorbereitungen und einem Probebetrieb startete am 4. April 1994, 16.44
Uhr, das NDR-Jugendradio N-Joy-Radio. Eingesetzt wurden neu koordinierte
Frequenzen, aber auch Sender, die aus anderen Programmen übernommen
wurden. Beim Sendestart war die NDR-Jugendwelle in weiten Teilen Schleswig
Holsteins und Niedersachens über UKW zu hören. Zur vollen Flächendeckung
wurden bis zum 1. April 1994 tagsüber auch die NDR-4-Mittelwellen
eingesetzt. Das bedeutete für 630 kHz zeitweise ein absolutes Kontrastprogramm:
Morgens N-Joy, nachmittags SFB3 Klassik.
1997/98 gaben die
beiden Sender die Mittelwelle dann auf. Zuletzt hatte sie eine Mischung
von NDR-4 am Vormittag, SFB-3 am Nachmittag und ARD-Ausländerprogramm
am Abend ausgestrahlt.
Neuausschreibung
für Königslutter
1998 schrieb die
niedersächsische Landesmedienanstalt die Mittelwelle 630 kHz für
private Veranstalter aus. Dabei griff man auf den Standort zurück,
der ursprünglich im Genfer Wellenplan als Braunschweig firmiert hatte.
Hier hatte es vor 1978 schon zwei Mittelwellen gegeben: 548 kHz und als
Tageswelle 755 kHz. Der inzwischen offizielle Standortname Königslutter
liegt auch nicht viel näher zu der Anlage als Braunschweig. Nächstgelegener
markanter Punkt auf Landkarten ist das Autobahnkreuz Wolfsburg/Königslutter.
Man sieht die Sendeanlage (52°17‘32“N 10°43‘32“O) auch vom
Zug aus gut: Drei Masten, einer als Rundstrahler, die anderen beiden als
Richtsystem mit Ausblendung in Richtung Lugoj (Rumänien).
Mega Radio
Nach Verzögerungen
1998 bekam Mega-Radio GmbH Frankfurt/Main die Mittelwelle zugesprochen.
Der private Programmanbieter plante die deutschlandweite Rundfunkversorgung
im Mittelwellenbereich und setzt dabei mittelfristig auf die Digitalisierung
der Mittelwelle. Am 19. Juli 2000 schlossen Mega Radio und AM FM Sendertechnik
Berlin, die Telefunken- Nachfolgegesellschaft, einen Rahmenvertrag über
die Lieferung von Mittelwellen Sendern für mehrere Standorte in Deutschland.
Allerdings dauerte es oft, bis Mega Radio auch einen Sender in der Luft
hatte, und so war es auch mit Königslutter.
Mega Radio bekam
bekam zwei 50-kW- Transistorsender und die Antenne, über die früher
der Deutschlandfunk sendete. Da diese Antenne mit 137 Metern für dessen
Frequenz 548 kHz ausgelegt war (1/4 Lambda), ist sie für die Frequenz
von Mega Radio etwas zu lang und wird elektrisch gekürzt. Nach Testsendungen
ab dem 10. war Mega-Radio ab dem 18. Mai 2001 rund um die Uhr auch auf
der Frequenz 630 kHz zu empfangen. Laut ITU-Liste wurde die Frequenz tagsüber
mit 100 kW betrieben und nachts mit 16 kW. Die Modulationszuführung
von Mega-Radio erfolgte nicht über Satellit, sondern über eine
2Mbit/s - Leitung.
Das Programm bestand
zunächst aus jugendorientierter Dance- und Technomusik und nur wenigen
Zusatzangeboten; vor allem aber gab es kaum Werbung, aus der sich der Sender
finanzieren konnte. Im Januar 2002 waren deutliche Veränderungen im
Programm von Megaradio zu hören. Die Musikpalette war breiter angelegt,
die Station hatte neue Jingles und neu auch Nachrichten zur vollen Stunde.
Die Sendungen wurden nun nicht mehr in Schwerin produziert, sondern wie
angekündigt in Zusammenarbeit mit der Antenne Bayern. Obwohl man zuletzt
mit McDonald's einen bekannten Werbepartner gewonnen hatte, musste Megaradio
am am 17. März 2003 Insolvenz anmelden und wurde das Programm am 4.
April 2003 kurz vor 13.00 Uhr Ortszeit kurzfristig beendet.
Neuausschreibung
Die Niedersächsische Landesmedienanstalt
(NLM, Seelhorstraße 18, 30175 Hannover) hat gemäß §
3 Abs. 1 i.V.m. Abs. 3 NMedienG die Mittelwelle Braunschweig 630 kHz ausgeschrieben.
Interessenten haben jetzt bis zum 7. März 2005 Zeit, ihre Anträge
einzureichen.
Die Versammlung der Niedersächsischen
Landesmedienanstalt lizenzierte in ihrer Sitzung am 17.3.2005 „Radio Voice
of Russia – Die Stimme Russlands“ zur Verbreitung über die Mittelwellenfrequenz
Braunschweig 630 kHz. Die Lizenz wurde für eine analoge Nutzung für
die Dauer von zwei Jahren erteilt, danach soll die Frequenz digitalisiert
werden. Das Programm des staatlichen russischen Auslandsrundfunks wird
abwechselnd in deutscher, englischer und russischer Sprache gesendet. (www.nlm.de/deutsch/aktuell/pressemit/presse2004/presse1803b.htm)
Die Stimme Russlands nutzt ihre deutschen
Mittelwellen bis 28. März 2009 nach folgendem Sendeplan:
630 (Braunschweig 100 kW) 693 (Oranienburg
250 kW) 1431 (Dresden 250 kW) 1575 (Burg 100 kW)
05.00-10.00: Englisch
10.00-13.00: Deutsch
13.00-16.00: International Russian Radio
16.00-18.00: Deutsch, außer Donnerstag
16.00-17.00
18.00-19.00: Russian World Service
19.00-20.00: Deutsch
21.00-22.00: International Russian Radio
22.00-23.00: GUS-Programm
Uhr Weltzeit (+1=MEZ) Frequenz (Sender)
| Zahlreiche Bilder
von einem Besuch der Sendeanlage finden sich unter
<www.do1oli.de/cremlingen/mittelwellensender_cremlingen.htm>. Im Sinn der Rechtssprechung sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass eine Verantwortung für die dortigen Inhalte nicht übernommen werden kann. |
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Dr. Hansjörg Biener 0105
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