| Ab 1996 organisierte Dr. Hansjörg
Biener für den Kurzwellenring-Süd Senderbesuche. Im Juli 1998
ließ sich eine Gruppe vom SWF-Standortleiter Obert über den
Sendebetrieb in Rohrdorf informieren. Die Mitarbeitenden des Stützpunkts
sind für die Kontrolle und Wartung der Fernseh- und UKW-Sender in
einem Betreuungsgebiet von 8800 qkm in Südwestdeutschland zuständig
Auch wer zufällig auf der B 313 zwischen Sigmaringen und Messkirch durchfährt, kann dies zu einem Photostopp nutzen. Von Messkirch aus kommend biegt man nach der Ortschaft in einen Feldweg ab, von Sigmaringen aus kommend kurz vor Rohrdorf. Alle Antennen sind von asphaltierten Wegen aus erreich- und photographierbar. |
Der Eingang der Station. |
Der "Bodenseesender"
Ein Erbe der Besatzungszeit wurde der komplizierte Zuschnitt des Rundfunks im Südwesten, wo es später zwei öffentlich-rechtliche Sender gab: Neben dem Stuttgarter Süddeutschen Rundfunk, der wesentlich Württemberg und Nordbaden versorgte, sendete der Südwestfunk für Südwürttemberg und -baden sowie Rheinland-Pfalz, die frühere französische Besatzungszone. Abgesehen von dem Reichssender Saarbrücken lag in der französischen Besatzungszone kein früher eigenständiger Sender. Die in ihrem Bereich liegenden Nebensender der Reichssender Stuttgart und Frankfurt waren zerstört oder schwer beschädigt.
1964: Ein Großsender
als Ersatz für eine Gleichwelle
"Aufgrund von Vereinbarungen mit der Deutschen
Bundespost stellt der Südwestfunk seine Welle 195 m = 1538 kHz ab
1.1.[1962] dem Deutschlandfunk zur Verfügung. Das Gleichwellennetz
Bad Dürrheim, Ravensburg, Reutlingen wurde ab 20.12.1961 provisorisch
auf die Welle 451 m = 665 kHz umgestellt und soll zu einem späteren
Zeitpunkt durch einen Großsender abgelöst werden." [Chronik
(Berichtszeitraum 1.1.-31.3.1962), in: Rundfunk und Fernsehen 10,1962,2,
S. 188-204, S. 190.]
Am 24. Oktober 1964 ersetzte der "Bodenseesender"
für etwa 750.000 potentielle Hörer und Hörerinnen in Südwürttemberg
ein Gleichwellennetz aus Sendern in Bad Dürrheim (20 kW), Ravensburg
(20 kW), Reutlingen (10 kW) und Sigmaringen. Die beiden erstgenannten Standorte
wurden an die Post für den Deutschlandfunk übergeben. Bad Dürrheim
war bis 1978 für den Deutschlandfunk im Betrieb, Ravensburg ist es
auf 756 kHz heute noch.
Der Bodenseesender wurde auf einen ehemaligen
Sumpfgebiet errichtet, das vom Reichsarbeitsdienst trockengelegt worden
war. Günstig war auch die relative Ebenheit der Fläche, so differieren
die Fußpunkte der Sendemasten um höchstens 4 m. Ursprünglich
umfasste die Sendeanlage neben einem 150-kW-Eigenbau-Sender vier gleichhohe
Sendertürme von 137 m, was als Empfangsdiagramm ein Kleeblatt ergeben
sollte. Seinerzeit waren Abschirmungen in vier Richtungen vorgeschrieben,
um Sender in Syrien (110°), Portugal (240°), Island (332°)
und Litauen (50°) zu schützen. Das funktionierte allerdings nicht
wie gewünscht, so dass man dann mit zwei Türmen auskam. Der ursprüngliche
Eigenbau von 1964 wurde 1967 durch einen Telefunken-Sender ersetzt, der
am 15. Februar 1968 den Betrieb mit 300 kW aufnahm. Der alte Sender stand
aber noch bis zum März 1989 als Reservesender bereit.
Die Station von einer anderen Seite.
Seit jeher strahlt der Bodenseesender das erste Programm des Südwestfunks aus. Nachdem jedoch ein flächendeckendes UKW-Netz zur Verfügung stand, begannen mit der Berichterstattung von einem katholischen Kirchentag 1982 Sondersendungen auf der Mittelwelle. Meistens handelte es sich bei den Sonderprogrammen jedoch um Bundestagsdebatten und Sportereignisse.
1981: Umbau aufgrund
des Genfer Wellenplans
Die Anlage steht heute so nicht mehr,
was mit dem Genfer Wellenabkommen von 1975 zusammenhängt. Bei seinem
Inkrafttreten im November 1978 wurde die Frequenz von den ursprünglichen
665 kHz auf auf das neue Wellenraster 666 kHz erhöht. 1981 wurde ein
137 m-Mast abgebaut und durch einen 240 m-Mast ersetzt, der aus 40 Einzelteilen
zusammengesetzt wurde.
Am 1. Januar 1983 wurde die neue Anlage
in Betrieb genommen. Tagsüber wurde nun über einen 240 m-Mast
gesendet. Nachts sendete die Richtantenne mit zwei 137-m-Türmen, die
Gleichkanalsender in nordöstlicher und südöstlicher Richtung
schützt. Das Diagramm sieht eine Verwirrungslinie Plauen- Berlin-Rostock
vor, östlich dominiert Litauen und im Südosten Griechenland.
Dafür ist der Empfang im Bogen von Dänemark über Mittelengland
und Westeuropa bis zur iberischen Halbinsel und Italien das nächtliche
Versorgungsgebiet mit 350 kW.
Auf dem Sendegelände steht noch ein
weiterer 137-m-Mast von der alten Antenne. Es war billiger, den Mast herzurichten
und für alle Fälle bereitzuhalten als ihn abzubrechen. Etwa 120
m weit um die Masten herum sind 90 km Erdnetz verlegt, um die Abstrahlung
zu verbessern. Allerdings ist nicht mehr das ganze Netz intakt, da über
den Kupferbändern Ackerbau betrieben wird. Dem Südwestfunk gehört
nur jeweils das eingezäunte Gelände um die Gebäude, Fußpunkte
der Sendemasten und Erdpunkte der Halteseile.
1989 wurde der alte 150-kW-Eigenbau abgebaut
und durch einen neuen 300-kW-Sender ersetzt. Durch den Einsatz einer neuen
Generation konnten Energiekosten in beträchtlicher Höhe gespart
werden. Der Sender kostete um die 2 Mio. DM und trug während seines
Aufbaus durch Namensänderungen des Herstellers drei Namen: AEG
Olympia, AEG und, nach Intervention der Techniker, die den historischen
Firmennamen retten wollten, AEG Telefunken. Der Sender wurde mit Hilfe
eines Ingenieurs und eines Spezialmonteurs der Herstellerfirma in sechs
Monaten von SWF-Leuten aufgestellt. Das war als Sparmaßnahme gedacht,
sorgte aber auch für eine intime Kenntnis des Senders.
Seither wurde fast ausschließlich
der "neuere" 300 kW Sender genutzt. Die beiden 300 kW Sender laufen im
passiven Parallelbetrieb, d. h. auch die Anlage aus 1965 ist immer Destillierwasser-vorgeheizt,
und kann innerhalb 25 Sekunden hochgefahren werden. Derzeit wird am Tag
mit 220 kW in Rundstrahlung gesendet, nachts mit 300 kW in Richtstrahlung.
Die Umschaltung dauert nur 3,5 Sekunden und erfolgt stets kurz vor 8.00
und 18.00 Uhr ME(S)Z.
1998: Fusion von
SDR und SWF zum SWR
1998 schlossen sich der Süddeutsche
Rundfunk und der Südwestfunk zum Südwestrundfunk zusammen. Das
Sendegebiet der nunmehr zweitgrößten ARD-Anstalt umfasst die
Bundesländer Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz mit über
14 Mio. Einwohnern und Einwohnerinnen. Die Fusion von SDR und SWF beendete
die Teilung der Rundfunkversorgung Baden-Württembergs und ermöglichte
eine Neustrukturierung der Programme. Als Zweiländeranstalt schnitt
der Südwestrundfunk seine Programme nun nach Bundesländern. Nach
der Fusion von SDR und SWR zum Südwestrundfunk war auf der Mittelwelle
666 kHz das Landesprogramm SWR 4 Baden-Württemberg zu hören.
2002: Hauptwelle
für ContRa
Am 1. Juli 2002 begann der Südwestrundfunk
mit einem neuen Angebot auf seinen Mittelwellensendern. Das in Baden-Baden
produzierte „Content-Radio für informations- und kulturinteressierte
Hörer und Hörerinnen“ sollte eigentlich die Akzeptanz der digitalen
Rundfunks fördern, kam nun aber zuerst auf Mittelwelle. Zu den Haupthörzeiten
des Tages bietet cont.ra aktuelle Informationen zum Tagesgeschehen aus
aller Welt, Deutschland und den Ländern Baden-Württemberg und
Rheinland-Pfalz. Dazu kommen Übernahmen aus den anderen Hörfunkprogrammen.
2003: Nachtprogramm
von MDR-Info
Die Nacht wird seit dem 31. Dezember 2003
mit der Nachrichtenwelle des Mitteldeutschen Rundfunks gefüllt. Bei
der Bekanntgabe am 19. Dezember 2003 verstand MDR-Chefredakteur Christian
Schneider die Kooperation als „weiteren Schritt in der Zusammenarbeit verschiedener
Hörfunkprogramme in der ARD“ und als „Anerkennung der Kompetenz unserer
Journalisten“. MDR Info sendet seit 1992 für Thüringen, Sachsen
und Sachsen-Anhalt. Seit 1997 übernahm bereits der bayrische Infokanal
B 5 aktuell das MDR-Informationsprogramm in der Nacht. Die redaktionelle
Verantwortung liegt beim MDR, doch liefern die anderen ARD-Stationen zu.
Zunächst wurde MDR Info nachts 23.00-6.00
Uhr Ortszeit auch auf den südwestdeutschen Mittelwellen 576, 666,
711, 1017 und 1485 kHz sowie der Kurzwelle Rohrdorf 7265 kHz ausgestrahlt.
Der Bodenseesender 666 kHz sendet seit dem 4. Juli 2005 nur noch tagsüber
5.00 (Sa So 7.00)-23.00 Uhr Ortszeit. Ursprünglich war der 1. Juni
geplant gewesen. Ein Hinweis des Südwestrundfunks, man werde nachts
nicht mehr senden, wurde vier Tage nach der ersten Mitteilung bereits am
20. Mai 2005 wieder von der Homepage www.swr.de/frequenzen/hinweise/index.html
genommen. Das ausgestrahlte Programm Contra (www.swr.de/contra/index.html)
sendet ohnehin nur 6.00-23.00 Uhr Ortszeit und hätte damit eine Nachtlücke.
Die erste Stunde ist noch das Relais von MDR-Info, sonst wird das SWR-Programms
Cont.Ra übertragen. Das Programm mit den besten Wortsendungen aus
den SWR-Programmen war ursprünglich für DAB gedacht, wurde dann
aber auch auf die Mittelwelle gegeben. Außerdem ist Contra noch in
Stuttgart auf UKW 91,5 MHz (300 W) zu empfangen. Nachts sind die SWR-Wellen
576, 711 und 1017 kHz weiter mit dem Nachtprogramm von MDR Info zu hören.
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