© Dr. Hj. Biener
Langenberg 720 kHz
 
 
WDR-Sender Langenberg
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Hoch über dem Ruhrgebiet reckt sich weithin sichtbar die Sendeanlage am Langenberg in den Himmel, die 2002 ihren 75. Geburtstag feierte. 1998 ließ sich eine vom Kurzwellenring-Süd mitgetragene Gruppe am Sender führen. (Photo: Friedrich Stöhr)

Im Herbst 1924 ging am 10. Oktober die „Westdeutschen Funkstunde Aktiengesellschaft“ aus einem Studio in Münster in den Äther. Mit dieser Sendung auf  „Welle 407“ beginnt die Vorgeschichte des Westdeutschen Rundfunks. Münster war eigentlich kein optimaler Standort für einen Rundfunksender, aber der größte Teil von
Rheinland und Ruhrgebiet war zu dieser Zeit von alliierten Truppen besetzt, die sowohl den Betrieb von Funkanlagen als auch das Halten von Brieftauben als spionageverdächtig verboten. Einen ersten Sendeversuch gab es schon am 17. Juli 1924, aber der 10. Oktober gilt als Gründungstag, weil die WEFAG von diesem Datum an täglich auf Sendung war. Von da an begann der Siegeszug des Radios zunächst in Westfalen; so konnten am 18. und 19. September 1925 bereits zwei Nebensender in Dortmund-Dorstfeld und in Wuppertal-Elberfeld in Betrieb genommen werden. Hörfunkgeschichte wurde am 1. November 1925 geschrieben. Am 1. November 1925 berichtete der Sportjournalist Dr. Bernhard Ernst vom Fußballspiel Arminia Bielefeld gegen Preußen Münster und machte damit die wahrscheinlich erste Live-Übertragung im deutschen Rundfunk.

Nachdem die Besatzungstruppen das Rheinland verlassen hatten, wurde der Sitz der westdeutschen Rundfunkgesellschaft 1926 nach Köln verlegt. Ab dem 1. Januar 1927 „funkte“ die Westdeutsche Rundfunk AG täglich aus der Domstadt. Im Jahre 1926 wurde der Bau des ersten Großrundfunksenders für den niederrheinischen-westfälischen Raum begonnen. Am 15. Januar 1927 gab es auf dem Hordtberg (220 m) in Langenberg die ersten Sendungen.
Die Leistungserhöhungen im europäischen Rundfunk ließen es geraten erscheinen, baldmöglichst auch in Langenberg einen "Großsender" zu errichten. Um einen mehrmonatigen Betriebsausfall zu vermeiden, errichtete die deutsche Reichspost neben dem bisherigen ein völlig neues Senderhaus mit einem 60-kW-Sender von Telefunken, der am 20. Dezember 1932 in Betrieb genommen wurde. Die Leistung konnte durch modernere Leistungsröhren schließlich bis auf 100 kW erhöht werden. Damit war dann auch die Bauform für die noch folgenden Sender in München, Leipzig, Frankfurt, Berlin und Hamburg gefunden.
Der erste Rheinlandsender wurde, nachdem Langenberg zum Großsender geworden war, bei Umbauarbeiten anderer Sendeanlagen als Ersatzsender eingesetzt. Am 23. Dezember 1935 wurde er für den Rundfunk an der Saar in Betrieb genommen, wo er bis zu seiner Zerstörung 1945 blieb. Durch die Langenberger Anlage konnte man dann auch auf die ursprünglichen Sender in Dortmund und Wuppertal verzichten.
Die beiden ursprünglich errichteten 100 m hohen Gittermasten wurden 1934 durch einen Holzmast ersetzt. Der aus kanadischer Pechkiefer erbaute, 160 m hohe Sendemast fiel kaum ein Jahr später am 10. Oktober 1935 einem Wirbelsturm zum Opfer.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlegte die Britische Militärregierung die ursprüngliche Mittelwelle 658 kHz des Langenberger Großsenders nach Osterloog. Hier wurde ab dem 5. Juni 1945 das Programm des British Forces' Network und ab dem 15. September 1946 das Europaprogramm der BBC ausgestrahlt. Infolgedessen musste der Sender Langenberg nach seiner Instandsetzung ab dem 18. Januar 1946 auf 905 kHz in Gleichwelle mit dem Sender Hamburg arbeiten, was zu erheblichen gegenseitigen Störungen führte.

1950 trat der Kopenhagener Wellenplan in Kraft, der die Nutzung von Lang- und Mittelwellen im Nachkriegseuropa und darüber hinaus koordinieren sollte. Das in Besatzungszonen aufgeteilte Deutschland war auf der Konferenz 1948 nicht vertreten und verlor nicht nur die Langwelle, sondern auch die Hälfte der bisherigen Mittelwellen. Während die Amerikaner die Verhandlungsergebnisse nicht akzeptierten, weil der Ostblock für sich zu viel herausgeholt habe, stimmten Briten und Franzosen insgesamt zu und setzten den Wellenplan auch in ihren Zonen um.

Der NWDR stellte in der Nacht von 14. auf den 15. März 1950 um. Die Nürnberger Nachrichten berichteten damals: „Die Sender Hamburg, Langenberg, Berlin und Osterloog werden auf 308 Meter [971 kHz] und die Sender Hannover, Osnabrück, Flensburg, Bonn und Etzhorn auf einer Frequenz von 189 Metern [1586 kHz] senden. Die Stärke der Sender Hamburg und Langenberg wird von 100 auf 40 Kilowatt, die des NWDR-Senders Berlin von 20 auf 15 Kilowatt herabgesetzt. Dafür kommen als zusätzliche Sender Osterloog, Etzhorn und Herford. Der britische Soldatensender BFN wird auf die neue Welle 1.214 kHz umgestellt.“ (Rundfunk stellt Wellen um, in: Nürnberger Nachrichten 1950,37 (8.3.1950), S. 1). 1214 kHz war die Welle des britischen Light Programmes, so dass BFN tagsüber ein Eigenprogramm und abends ein Gemeinschaftsprogramm mit dem Heimatsender ausstrahlte.
Die neue Welle 971 kHz für Langenberg, Hamburg und andere Standorte unterschied sich empfangsmäßig nicht wesentlich von der alten Frequenz. Die starke Gleichkanalstation in Göteborg bekam eine Ausblendung nach Südwesten, so dass der Empfang der deutschen Sender in ihren Versorgungsgebieten nicht zu stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Osterloog wiederum deckte im Nordwesten Niedersachsens eine Empfangslücke der beiden ehemaligen Großsender ab und fügte sich insofern gut ein. Der Berliner NWDR-Sender wechselte bald auf 566 kHz, wo man mit dem eigentlichen Eigner Athlone eine gegenseitige Abschirmung in den Nachtstunden vereinbarte.

Als der WDR mit einem vom 22. Dezember 1956 bis 6. Januar 1957 am Abend ausgestrahltem zweiten UKW-Programm eine dritte UKW-Kette in Betrieb nahm, gab es in Nordrhein-Westfalen nach Angaben der Chronik (16.10.-31.1.1957), in: Rundfunk und Fernsehen 5,1957,1, S. 77-98, S. 84, folgende Mittelwellensender:
701 kHz  Aachen, Herford
755 kHz  Siegen
971 kHz  Langenberg (Hauptsender)
1502 kHz  Münster
1586 kHz  Bonn, Kleve
Ihr Programm wurde auch auf der UKW-Kette I ausgestrahlt.
Ab 1968 firmierte die Mittelwellenstation beim WDR nicht mehr als "Köln-Langenberg", sondern als Langenberg.

Mit dem Genfer Mittelwellenplan von 1975 wurde Langenberg (51°21‘09“N  07°08‘10“O) Standort zweier Mittelwellen: der Hauptwelle 1586 kHz für WDR-1 und der Mittelwelle 720 kHz für WDR-2, wobei diese Frequenz nur tagsüber verwendet werden konnte. In den Stunden der Dunkelheit brauchte sie der US-amerikanische Auslandssender Radio Free Europe für Sendungen nach Osteuropa.
Für die 720 kHz wurde Ende der siebziger Jahre am UKW-Mast unmittelbar beim Sender eine Reusenantenne angebracht. Er wurde in den achtziger Jahren durch einen neuen, etwas versetzt stehenden Mast ersetzt, der von da ab ebenfalls mit einer Reusenantenne die 720 kHz abstrahlte.
In einem Informationsblatt von 1988 heißt es: "Die Tages-Mittelwelle Langenberg kann ohne Umschalten im ganzen Sendegebiet empfangen werden. Die Reichweite des 2. Programms wird erheblich über Nordrhein-Westfalen hinaus erweitert, wenn man sich mit etwas schwächerem Empfang zufrieden gibt. Damit kann WDR 2 praktisch auf der ganzen Strecke von Flensburg bis Karlsruhe und von Leipzig bis zur Kanalküste sowie an der ganzen deutschen, holländischen und belgischen Nordseeküste empfangen werden. Das kommt insbesondere den Urlaubern zugute, aber auch Teilnehmern, die sich frühzeitig über die Verkehrssituation in Nordrhein-Westfalen informieren wollen."

Der Rundfunkfreund "ganz Ohr": Moderne Kunst als Dankeschön für Empfangsberichte

Zum 31. Dez. 1993 wurden die Sendungen auf 1593 kHz eingestellt. Der Sender, der mit bis zu 800 kW betrieben worden war, musste aus technischen Gründen (PCB und Asbest) stillgelegt werden. Die Mittelwelle wurde an Radio Free Europe übergeben und nach Holzkirchen verlegt, während der WDR nun 720 kHz ausgiebiger nutzen konnte. Ab dem 11. Sept. 1997 sendete man rund um die Uhr.

Nach Einstellung der 1593 kHz wollte man die 720 kHz über deren Mast senden, aber dazu kam es nicht. Am 2. Sept. 1996 riss bei Wartungsarbeiten an dem 1949 errichteten, 165 m hohen Sendemast ein Hilfsseil. Beim Zusammensturz des 200 Tonnen schweren Mastes wurde auch das Betriebshaus zerstört, so dass ein Schaden von 5,3 Mio. DEM entstand. Als Ersatz wich man auf den früher für 1593 kHz benutzten Mast aus. Schon vorher war wegen Auflagen des Bundesamts für Post und Telekommunikation zum Schutz von Patienten mit Herzschrittmachern die Sendeleistung von 200 auf 50 kW reduziert worden. Nun arbeitete man mit noch kleinerer Leistung von etwa 20 kW. Nach langem Rechtsstreit mit der Versicherung der für den Einsturz verantwortlichen Firma und der Zahlung einer Entschädigung von 2 Mio. DEM entschloss sich der WDR zum Aufbau eines neuen Mastes. Eigentlich sollte im Frühjahr 1999 mit den Bauarbeiten begonnen werden, doch verzögerte sich der Bau bis zum Herbst und war auch dann nicht problemlos.

Heute steht nun auf dem Rommel ein neuer UKW-Mast mit Mittelwellen-Reusenantenne. Über diesen Mast wird jetzt mit 63 kW die Frequenz 720 kHz gesendet. Als Speiseleitung dient die alte Koaxialleitung der 1593 kHz. Das hat mehrere Vorteile: Der Abstand zur Straße ist größer, das Gelände umzäunt.  Mit der speziellen Reusenantenne kann man Richtstrahlung realisieren. Eine Reuse wird bei Bedarf phasenverschoben gespeist. Mit der alten Antenne von 1593 kHz hätte man keine Ausblendung vornehmen können, also nachts auf 20 kW reduzieren müssen.

Einblick auf einer jüngeren QSL-Karte:

Seit Frühjahr 2000 sendet man tagsüber mit etwa 63 kW in Rundstrahlung und nachts mit einer Abschattung in Richtung Großbritannien. Seit Spätsommer 2000 wartet man beim WDR auf die Genehmigung, die Leistung anzuheben. Wird die Genehmigung erteilt, will man tagsüber in Rundstrahlung mit 160 kW und nachts in Richtstrahlung mit 80 kW senden. Diese Leistungswerte sind günstig, da es sich um einen 2x100 kW Siemens Sender (Bj. 1978) handelt. Nachts wird einfach eine Endstufe abgeschaltet.

Seit vielen Jahren koppelt auch der WDR seine Mittelwellen für Sondersendungen ab. Besonders kurios war es am 17. September 1999: Das Verkehrs-Informations-Zentrum des WDR lieferte insgesamt 45 Meldungen über 270 Kilometer Stau. Zu viel für ein normales Programm, befand WDR-2-Wellenchef Reinhold Vogt und brachte die volle Übersicht nur auf Mittelwelle, während man auf UKW mit dem normalen Programm weitermachte.

Reinhard Meier berichtet von einem Besuch am 5. Mai 2006 folgende Details zu den neuen Mittelwellensendern: Die neuen Mittelwellensender für 720 kHz und 1593 kHz stehen in einem Anbau, in dem bisher der alte Mittelwellensender für 720 kHz gestanden hatte. Auf dem gleichen Platz, auf dem bisher ein Sender für 720 kHz (200 kW, betrieben mit 63 kW) stand, stehen jetzt zwei 100 kW volltransistorisierte Sender von Transradio und ein 50 kW-Reservesender, der auf beiden Wellen eingesetzt werden kann. Im Prinzip sind die 100-kW-Sender baugleich, doch hat der Sender für 720 kHz keinen DRM-Modulator und wird wohl bis auf weiteres in traditionellem AM senden. Ebenso bleibt die Absenkung auf 63 kW. Beide 100-kW-Sender haben einen Wirkungsgrad von 87%; der alte Sender hatte gerade mal 50%.
Der Antennenmast für 720 kHz befindet sich etwas abgesetzt auf dem benachbarten Berg (Hügel) Rommel. Er hat eine Höhe von 170 m. Ein zusätzlicher Mast sorgt für eine Ausblendung in Richtung England.
Der Sender für die Mittelwelle 1593 kHz befindet sich noch in der Einmessphase und war zum Zeitpunkt des Besuchs noch nicht an den WDR. Die vereinzelt gemeldeten Sendungen (z.B. am 3.5.2006) waren damit Versuchssendungen von Transradio in der Einmessphase. Hier wird ein 301-m-Mast mit einer Reusenantenne eingesetzt, die höchstens auf halber Höhe hängt. Hier mussten die Abstimmmittel am Einspeisepunkt der Reusenantenne noch für den DRM-Betrieb (20 kW) modifiziert werden. Kosten ca. 30.000 Euro. Abgestrahlt wird wohl das gleiche Programm wie auf 720 kHz (WDR2, Vera, Sonderprogr.). (Reinhard Meier 9.5.2006)

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letzte Bearbeitung 0808
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