© Dr. Hj. Biener
Putbus (Rügen) 729 kHz

NDR

Am 1. Januar 1992 übernahm der Norddeutsche Rundfunk (NDR) mit vier Programmen die Rundfunkversorgung von Mecklenburg-Vorpommern.

Nach langen Vorbereitungen und einem Probebetrieb ab 11. März 1994 startete am 4. April 1994, 16.44 Uhr, das NDR-Jugendradio N-Joy-Radio. Probleme warf hier, noch mehr als bei NDR 4, die Frequenzplanung auf. Eingesetzt wurden neu koordinierte Frequenzen, aber auch Sender, die aus anderen Programmen übernommen wurden. Beim Sendestart war die NDR-Jugendwelle in weiten Teilen Schleswig Holsteins und Niedersachens über UKW zu hören. Zur vollen Flächendeckung wurden bis zum 1. August 1994 tagsüber auch die NDR-4-Mittelwellen eingesetzt.

Da man aber Flächendeckung auf UKW hatte, wurden die Mittelwellensender nach und nach abgeschaltet und für private Anbieter ausgeschrieben.Zum 31. Dezember 1996 gab NDR-4 die Mittelwelle Putbus 729 kHz auf.

Kurze Mittelwelleneuphorie

Der Rückzug des NDR machte den Weg für eine Ausschreibung an private Anbieter frei.

Als erste wurden die Mittelwellen 576 kHz (bis 1994 Schwerin) und 1017 kHz (bis 1991 Greifswald) für private Anbieter ausgeschrieben. Schon Anfang April 1997 sollte „Mega-Radio Mecklenburg-Vorpommern“ den Betrieb aufnehmen und Mecklenburg-Vorpommern zum dritten Bundesland nach Berlin und Sachsen machen, in dem kommerzielle Sender auf Mittelwelle senden würden. Tatsächlich dauerte es mehr als drei Jahre bis zur Aktivierung der Mittelwelle 576 kHz für ein reguläres Programm.

Da sich fünf Bewerber für die erste Senderkette interessiert hatten, wurde eine zweite Mittelwellenkette aus folgenden Standorten ausgeschrieben: Rostock-Stadtheide 558 kHz, Helpterberg 657 kHz und Putbus 729 kHz sowie Schwerin 999 kHz. Um die Mittelwellenkette bewarben sich drei Anbieter: Die "Radio Starlet Programm- und Werbegesellschaft mbH" aus Herzogenaurach bei Fürth, die schon Erfahrungen aus dem mittelfränkischen Regionalrundfunk hatte, plante ein "Countrystar"-Programm. Die Thimme und Schmidt GbR wollte mit "Power Mecklenburg-Vorpommern" eine Hörerschicht zwischen 14 und 39 ansprechen, und Armin Kämpf aus Berlin wollte mit „Radio Nordost" ein Ostseeradio machen. Die Kette sollte schließlich mit Power-Radio Mecklenburg-Vorpommern belegt werden, die Schwesterstation von Power-Radio Kiel 612 kHz, brachte aber nur ein Testprogramm auf 999 kHz in den Äther, weshalb ihr die Landesrundfunkzentrale am 28. Februar 2001 die Lizenz entzog.

Putbus digital
Ab dem 25. Juli 2001 sendete die Deutsche Telekom AG erstmals rund um die Uhr digital auf der Mittelwelle Putbus 729 kHz (Telefunken TRAM 10 kW in AM / max. 4 kW in DRM, nd, 51 m hohe Antenne). Damit sollten nicht nur die Empfangsmöglichkeiten getestet werden, sondern auch der Dauerbetrieb. Im konventionellen Empfänger ist dieses Signal freilich nur als Rauschen zu hören.
Anlässlich der Internationalen Funkausstellung (28. August-3. September 2003) wurde die Mittelwelle 729 kHz (1 kW) erneut eingeschaltet, die nun über das Ende der IFA hinaus mit dem Programm des Deutschlandfunks in Betrieb bleiben sollte. 

Die vom DeutschlandRadio eingesetzte DRM-Mittelwelle Putbus 729 kHz ist zum 1. Januar 2010 abgeschaltet worden. Der öffentlich-rechtliche Sender hatte für seine Testsendungen eine zeitlich bis zum 1. Oktober 2010 befristete Lizenz erhalten.


2010 Neuausschreibung
Die Medienanstalt von Mecklenburg-Vorpommern versucht, den Mittelwellensender Putbus 729 kHz (10 kW) vor einer Demontage zu bewahren. In einer  entsprechenden Pressemitteilung heißt es, der Sender sei "der letzte seiner Art in Mecklenburg-Vorpommern. Findet sich kein Nutzer, wird der Standort sehr wahrscheinlich aufgegeben und die Technik abgebaut - das wäre das Ende des Mittelwellen-Hörfunks in Mecklenburg-Vorpommern." Daher suche man "Interessenten, die sich grundsätzlich im Bereich der Mittelwelle engagieren wollen, um mit ihnen gegebenenfalls über die Möglichkeit für eine künftige digitale Mittelwellen-Nutzung zu reden".  2008 hatte ein Enthusiast aus Malmö angekündigt, den Sender Putbus erproben zu wollen. Zu derartigen Aktivitäten ist es dann aber nicht gekommen. Neue Interessenten sollten sich bis spätestens Ende August bei der Medienanstalt melden. Der Versorgungsbereich erstreckt sich auf das nordöstliche Vorpommern. Ein neues Programm wäre somit auf Rügen, dem Darß, in Stralsund und Greifswald, aber auch in Demmin, Anklam und auf Usedom zu hören.
(Pressemitteilung 12/2010 vom 14.07.2010: Interessenten für Mittelwellen-Radio gesucht www.medienanstalt-mv.de/news/pressrelease/125.html)

 
© Dr. Hansjörg Biener 0308, letzte Bearbeitung 0308; 

Fotos Bernhard Weiskopf
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