| Standort der Sendeanlage
Sender Bonn Robert-Koch-Str. 41 53127 Bonn-Venusberg Tel.: 0228 / 91032-0 Fax: 0228 / 91032-30 ein schnell geschossenes Photo aus der Nähe des früheren Regierungsviertels 2004 |
Der Kopenhagener Wellenplan
1950 trat der Kopenhagener Wellenplan
in Kraft, der die Nutzung von Lang- und Mittelwellen im Nachkriegseuropa
und darüber hinaus koordinieren sollte. Das in Besatzungszonen aufgeteilte
Deutschland war auf der Konferenz 1948 nicht vertreten und verlor nicht
nur die Langwelle, sondern auch die Hälfte der bisherigen Mittelwellen.
Während die Amerikaner die Verhandlungsergebnisse nicht akzeptierten,
weil der Ostblock für sich zu viel herausgeholt habe, stimmten Briten
und Franzosen insgesamt zu und setzten den Wellenplan auch in ihren Zonen
um.
Der NWDR stellte in der Nacht von 14.
auf den 15. März 1950 um. Die Nürnberger Nachrichten berichteten
damals: „Die Sender Hamburg, Langenberg, Berlin und Osterloog werden auf
308 Meter [971 kHz] und die Sender Hannover, Osnabrück, Flensburg,
Bonn und Etzhorn auf einer Frequenz von 189 Metern [1586 kHz] senden. Die
Stärke der Sender Hamburg und Langenberg wird von 100 auf 40 Kilowatt,
die des NWDR-Senders Berlin von 20 auf 15 Kilowatt herabgesetzt. Dafür
kommen als zusätzliche Sender Osterloog, Etzhorn und Herford. Der
britische Soldatensender BFN wird auf die neue Welle 1.214 kHz umgestellt.“
(Rundfunk stellt Wellen um, in: Nürnberger Nachrichten 1950,37 (8.3.1950),
S. 1).
Gleichwellennetz
des NWDR bzw. WDR
Die "Wellen-Demontage" des Kopenhagener
Wellenplans hatte zwei direkte Folgen für die deutschen Rundfunkanstalten:
Zum einen wurden die Versorgungsbereiche der Hauptsender mit zahlreichen
kleinen Mittelwellensendern abgerundet. Zum anderen kümmerte man sich
um einen zügigen Aufbau von UKW-Netzen. Von diesem Stützsendernetz
ist in Nordrhein-Westfalen nur der Sender Bonn übriggeblieben, der
heute auf 774 kHz (5 kW) arbeitet.
Die erste Anlage auf dem Bonner Venusberg
wurde 1949 in Betrieb genommen. Damals sendete ein 5-kW-Sender auf der
Mittelwelle 1586 kHz. Der Name Venusberg stammt vom Wort Venn ab, das so
viel wie Feucht- bzw. Sumpfgebiet bedeutet. Die Gegend ist durchzogen von
Wasseradern, die von einer wasserundurchlässigen Schicht aufgestaut
werden. Die Reflexionseigenschaften machen ihn darum zu einem besonders
guten Standort für einen traditionellen AM-Sender.
Genfer Wellenplan
Am 23. Nov. 1978 trat ein neuer Wellenplan
in Kraft, der für zunächst elf Jahre die Zuweisung für 10000
Lang- und Mittelwellensender in Europa, Afrika, Asien und Ozeanien regelte.
An sich war für Bonn die Frequenz 972 kHz vorgesehen, aber schon seit
den achtziger Jahren sendet Bonn auf der fast halbierten früheren
Mittelwelle, auf 774 kHz.
Der 1984 erbaute Selbststrahler nördlich
des Ortsteils Bonn-Venusberg ist mit seinen 180 Metern das höchste
Bauwerk in Bonn und schon aus großer Entfernung zu erkennen, gut
zum Beispiel auch vom ehemaligen Bonner Regierungsviertel. Der in 97 und
137 Metern Höhe abgespannte Mast dient auch als Träger für
UKW- und Fernsehantennen. Der Mastquerschnitt auf 75 Metern Höhe beträgt
1,60 Meter, und man kann ihn mit einer Steigeleiter bis zur Spitze besteigen.
Letzte verbliebene
Kleinwelle
Die Frequenz 774 kHz ist die einzige vom
Westdeutschen Rundfunk zusätzlich zum Sender Langenberg auf 720 kHz
betriebene Mittelwelle, nachdem die letzten Kleinsender der Gleichwelle
702 kHz Anfang der neunziger Jahre außer Betrieb gesetzt wurden.
In der jüngsten Zeit übertrug der 5 kW starke Sender in Bonn
die auch auf der Hauptmittelwelle Langenberg 720 kHz verbreitete Mischung
aus WDR 2 (www.wdr.de/radio/wdr2/), dem Verkehrskanal VERA (www.wdr.de/radio/dab/verkehrskanal/index.html)
und gelegentlichen Sondersendungen.
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Dr. Hansjörg Biener 0403
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