Am 23. November 1978 trat ein neuer Wellenplan
in Kraft, der für zunächst elf Jahre die Frequenzzuweisungen
für 10000 Lang- und Mittelwellen in Europa, Afrika, Asien und Ozeanien
regelte. Der Berliner Rundfunk sendete nun offiziell aus 657 kHz Burg,
693 kHz Berlin, 999 kHz Schwerin und Weimar, 1170 kHz Plauen, 1575 kHz
Dresden und Keula. Tatsächlich wurde die Mittelwelle 999 kHz an den
Standorten Wöbbelin, Hoyerswerda-Zeißig und Weimar eingesetzt.
In Wöbbelin standen nun zwei Sendeanlagen: eine für den Wechsel
auf 576 kHz modifizierte Zwei-Mast-Anlage mit 120 m-Masten, und eine Dreieck-Flächenantenne
für 999 kHz.
Ab 15. Juni 1992 lief über den Sender Wöbbelin dann das Programm von RIAS bzw. ab 1. Januar 1994 Deutschlandradio Berlin. Zum 1. April 1995 wurde die Mittelwelle Schwerin 999 aufgegeben. Das DeutschlandRadio war nun in Mecklenburg-Vorpommern nur noch auf den UKW-Frequenzen 95,3; 96,7; 96,9 und 97,1 MHz zu empfangen.
Kurze Mittelwelleneuphorie
Der Rückzug des NDR und DeutschlandRadios
machte den Weg für eine Ausschreibung an private Anbieter frei.
Als erste wurden Mittelwellen Schwerin
576 kHz und Greifswald 1017 kHz für private Anbieter ausgeschrieben.
Schon Anfang April 1997 sollte „Mega-Radio Mecklenburg-Vorpommern“ den
Betrieb aufnehmen und Mecklenburg-Vorpommern zum dritten Bundesland nach
Berlin und Sachsen machen, in dem kommerzielle Sender auf Mittelwelle senden
würden.
Da sich fünf Bewerber für die
erste Senderkette interessiert hatten, wurde eine zweite Mittelwellenkette
aus folgenden Standorten ausgeschrieben: Rostock-Stadtheide 558 kHz, Helpterberg
657 kHz und Putbus 729 kHz sowie Schwerin 999 kHz. Um die Mittelwellenkette
bewarben sich drei Anbieter: Die "Radio Starlet Programm- und Werbegesellschaft
mbH" aus Herzogenaurach bei Fürth, die schon Erfahrungen aus dem mittelfränkischen
Regionalrundfunk hatte, plante ein "Countrystar"-Programm. Die Thimme und
Schmidt GbR wollte mit "Power Mecklenburg-Vorpommern" eine Hörerschicht
zwischen 14 und 39 ansprechen, und Armin Kämpf aus Berlin wollte mit
„Radio Nordost" ein Ostseeradio machen. Die Kette sollte mit Power-Radio
Mecklenburg-Vorpommern belegt werden, die Schwesterstation von Power-Radio
Kiel 612 kHz, brachte aber nur ein Testprogramm auf 999 kHz in den Äther,
weshalb ihr die Landesrundfunkzentrale am 28. Februar 2001 die Lizenz entzog.
Talk- statt Powerradio
Am 9. September 1999, 11.00 Uhr, wurde
in Wöbbelin bei Ludwigslust auf 999 kHz ein neuer Mittelwellensender
mit einer Testschleife von "Talk-Radio" eingeschaltet. Der 40 kW-
Sender war erst wenige Tage zuvor installiert worden. Ursprünglich
war das Projekt als "Power-Radio Mecklenburg-Vorpommern" angekündigt.
Da aber das Kieler Power-Radio auf 612 kHz in weiten Teilen Mecklenburg-Vorpommerns
bereits gut zu empfangen war, entschloss man sich zum Formatwechsel. Man
plante jetzte ein Programm aus Nachrichten, Sport, Talk-Runden und 40 Prozent
jugendorientierter Musik.
In den ersten Tagen konnte der Sender
an vielen Orten mit guter Qualität gehört werden, doch dann wurde
die Sendeleistung auf 10 kW zurückgenommen und konnte sich außerhalb
des Bundeslandes nicht mehr so gut gegen die Gleichkanalsender aus Moldawien
und Italien durchsetzen. Die Sender für Greifswald 531 kHz, Rostock
558 kHz und Neubrandenburg 657 kHz waren zu dem Zeitpunkt erst bestellt
und sollten frühestens im Frühjahr 2000 auf Sendung gehen.
Getragen wurde das Projekt, das zum 1.
März 2000 starten sollte, nun zu 51,1 Prozent von der Power
Radio Nord GmbH (Thomas Thimme und Norbert Schmidt) und der seit November
1999 mit 48,9 Prozent beteiligten Deutsche Talkradio GmbH, die unter anderem
der Sendergruppe Hitradio Antenne, dem rheinland-pfälzischen Radio
RPR und Antenne Bayern gehörte. Talk-Radio sollte rund um die Uhr
(in Schleswig-Holstein nur von 6-19 Uhr) ein bundesweites Programm für
die 30- bis 50-jährigen veranstalten und 16.00-19.00 Uhr für
regionale Fensterprogramme auseinandergeschaltet werden. Allerdings stimmte
die Landesrundfunkzentrale Mecklenburg-Vorpommerns einer Umwidmung der
ursprünglich für ein Jugendprogramm erteilten Sendelizenz nicht
zu. Nach Ansicht der LRZ war auch die Einbindung in ein außerhalb
von Mecklenburg-Vorpommern zu produzierendes Programm nicht mit den bei
der Frequenzausschreibung gestellten Forderungen zu vereinbaren.
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Dr. Hansjörg Biener 0308
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