© Dr. Hj. Biener
Wilsdruff 1044 kHz

Die DDR-Zeit
Anfang der fünfziger Jahre errichtete der DDR-Rundfunk in Wilsdruff bei Dresden eine Sendeanlage für zunächst einen, dann zwei Mittelwellensender. Der 153m hohe Antennenmast auf der Birkenhainer Höhe 16 Kilometer westlich von Dresden wurde zum weithin sichtbaren Wahrzeichen.
Der erste Sender nahm am 2. September 1953 die Sendungen auf 1043 kHz auf. Am 8. Mai 1954 war dann die offizielle Einweihung. Bei SM4 (Sender Mittelwelle 4) handelte es sich um einen 250-kW-Sender des Funkwerks Köpenick, der zwischen 600 und 1680 kHz durchstimmbar war und infolgedessen auf beiden Wilsdruffer Mittelwellen eingesetzt werden konnte.
Mit Inkrafttreten des Genfer Wellenplans am 23. November 1978 wurde die Mittelwelle 1044 kHz an drei Standorten betrieben: aus Wilsdruff mit 250 kW (ex 692 kHz), in Burg und Wachenbrunn mit je 20 kW. Der Gleichwellenbetrieb bewährte sich aber nicht, weil es keine Synchronisierung der Sender und deshalb eine große Verwirrungszone gab. Deshalb wurden die Sender von Wachenbrunn und Burg 1987 auf 1089 kHz verlegt. Obwohl Wilsdruff mit 250 kW sendete, schimmerte in den Stunden der Dunkelheit oft "der Grieche", das makedonische Regionalprogramm aus Thessaloniki, durch.

Wendezeit
In der Wendezeit wurde aus Radio DDR Radio Aktuell. Am 1. Juli 1990 startete auf der Mittelwelle 1431 kHz (20 kW) des Berliner Rundfunks Sachsenradio 1, das als Vorstufe zu einem öffentlich-rechtlichen Landessender Sachsens gedacht war. Am 1. Oktober bekam Sachsenradio die Mittelwelle 1044 kHz (250 kW), während Radio Aktuell bis zu seiner Abschaltung am 27. Mai 1991 mit 1431 kHz vorlieb nehmen musste.

MDR Info
Am 1. Januar 1992 übernahm der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) die Rundfunkversorgung von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Der MDR richtete neben einem dritten Fernsehprogramm drei Hörfunkprogramme für den gesamten Versorgungsbereich und jeweils eines pro Bundesland ein. Besonders innovativ verfuhr man mit den Mittelwellen, über die rund um die Uhr eine Nachrichtenwelle ausgestrahlt wurde. Der Erfinder von MDR-Info und MDR-Intendant Udo Reiter war früher beim Bayerischen Rundfunk und hatte dort B5-aktuell als Vorbild.
 

MDR Sputnik
Nachdem handstreichartig versucht worden war, DT64 Frequenzen wegzunehmen, wurde der Erhalt des Jugendprogramms zu einem Symbol der Bewahrung von Identität. Kultstatus gewann die 1044 kHz 1992/93. Vom 1. Juli 1992 bis 30. Juni 1993 sendete hier das Jugendprogramm DT-64 bzw. MDR Sputnik als Echo aufmüpfiger DDR-Jugendkultur. Nach diesem Intermezzo wurde wieder MDR Info ausgestrahlt, nun aber nur noch mit dem 20 kW-Sender SM4E, der früher die Mittelwelle 1431 kHz bedient hatte.

"QSL-Karte aus Kampfzeiten" 
(Antwort auf einen Empfangsbericht vom 30.10.1992)

Wie sehr DT-64 zur Wendezeit auch im Westen wahrgenommen wurde, belegt Claudia an Laak im Programmheft des DeutschlandRadio vom Januar 2005 (S. 81): "Mein Ost-Abenteuer begann bei DT 64, dem Jugendradio der DDR. Seit Sommer 1989 war DT das bevorzugte Radioprogramm in unserer Bamberger Studentenwohngemeinschaft. Neugierig und fasziniert hörten wir, wie sich die Reporter und Moderatoren vom ideologischen Müll befreiten. So begann ich am Tag der Währungsunion ein Praktikum bei DT."

Jüngste Erneuerung
Heute erfolgt die Ausstrahlung durch eine moderne und räumlich wesentlich kleinere Sendeanlage im selben Gelände. Der reguläre Einsatz des 250 kW-Senders endete am 30. Juni 1993, 24.00 Uhr. Sein letzter Tag war jedoch der 18. September 1993, als der Sender Wilsdruff sein 40-jähriges Bestehen mit einem Tag der offenen Tür beging und die Mitarbeitenden der Station es sich nicht nehmen ließen, das gute Stück noch einmal einzuschalten. 1997 wurde der Sendemast generalsaniert, und 1998 bekam die Mittelwelle 1044 kHz einen neuen 20- kW-Sender in Halbleitertechnik. Der Thomcast-Sender ist in einer Art LKW-Container unterhalb des großen Antennenmastes untergebracht und belegt mit seinen zwei Stahlblechschränken eine Fläche von nur 1,4 qm. Die HF-Leistung von 20 kW wird durch 16 Module mit je 1250 Watt erzeugt. Auf diese Art und Weise könnten bis zu 100 kW erzeugt werden, wie z. B. in Leipzig-Wiederau.
 
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