Ismaning 1197 kHz © Dr. Hj. Biener 
Am 13. Juni 1999 ermöglichte das amerikanische International Broadcasting Bureau kurzfristig den Besuch seines Stützpunktes in Ismaning. Hier wurden zu dem Zeitpunkz nicht nur Mittelwellensendungen für Voice of America und Radio Free Europe ausgestrahlt, sondern auch viele IBB-Aktivitäten weltweit betreut. Insgesamt etwa 25 Personen ließen sich von Rüdiger Schott und Peter Stefke in die Struktur der US-amerikanischen Auslandsdienste und die technischen Abläufe am Stützpunkt einweihen.
  Die Anfahrt nach Ismaning wird eigentlich erst  nach der A9-Abfahrt Garching zum Geduldspiel, wenn man auf der B-388 Richtung Moosinning die Sendetürme schon immer sieht und nur auf die Abfahrt zum »Großsender« wartet. Gegenüber der Anlage des Bayerischen Rundfunks findet sich dann die Sendeanlage des International Broadcasting Bureau. 
1949
Gleich nach dem 2. Weltkrieg übernahmen die US-Amerikaner die Großsendeanlage auf dem  Reichspostgelände im Ismaninger Moos. 1949 nahmen sie einen 150-kW-Mittelwellensender für 1196 kHz in Betrieb. Die Antenne (4 120 m-Türme mit den Vorzugsrichtungen 60, 115 und 240 Grad, oder Rundstrahlung über einen Mast) wurde Mitte der neunziger Jahre überholt, reicht aber  imn Prinzip ebenfalls bis in die Nachkriegszeit zurück. Seit der Einführung des Genfer Mittelwellenplans 1978 sendet Ismaning auf 1197 kHz.
1995
Die Kurzwellenanlage mit Röhrensendern und rhombischen Antennen wurde Ende der achtziger Jahre aufgegeben. 1995 ersetzte ein Mittelwellensender von Thomcast zwei 150-kW-Röhrensender von RCA. Dass man einen französischen Anbieter nahm, hat einen einfachen Grund: Als man sich nach einem neuen Sender umschaute, war Thomcast der einzige Anbieter in dieser Leistungsklasse. Andererseits gab es in den folgenden Jahren Probleme mit französischen Handbüchern und einem gewissen französischen Laisser-faire. Peter Steffke, so sein Chef, sei inzwischen "besser als Thomcast" mit dem Sender vertraut.
Obwohl terrestrisch nur die Mittelwelle 1197 kHz belegt wird, verbirgt sich hinter Ismaning eine weltweite Schaltstelle des International Broadcasting Bureau, das seit einigen Jahren die technische Seite der amerikanischen Auslandsdienste zusammenfasst. Hinter dem alten Mittelwellengebäude und vom Eingang des Geländes kaum zu sehen finden sich 24 Satellitenschüsseln bis zu 13 m Durchmesser, mit denen das International Broadcasting Bureau weltweit Hörfunk- und Fernsehprogramme verteilt und empfängt. Rüdiger Schott nannte 1999 die Zahl von 600 Abnehmern, denen, je nach technischer Ausstattung, auch die Downlinks zur Verfügung gestellt werden.
Da die Automatisierung bei den IBB-Stationen weit fortgeschritten ist, können selbst Sendeanlagen wie Tinian (Nördliche Marianen) aus Ismaning ferngesteuert werden. 14 Techniker betreuen im Schichtdienst den Betrieb, stehen aber auch für Einsätze im interkontinentalen Ausland auf Abruf. Natürlich werden aus Ismaning auch die anderen deutschen IBB-Standorte Holzkirchen, Biblis und Lampertheim betreut. Die Zusammenlegung der Sendertechnik aller US-amerikanischen Auslandsdienste in eine Organisation brachte Mitte der 90er Jahre auch Radio Free Europa auf den Sender.
1985-1995 VoA-Europe
Die Mittelwelle 1197 kHz war von 1985 bis 1995 eine der wichtigsten Frequenzen von VoA-Europe. Das musikorientierte 24-Stunden-Programm für Westeuropa bedeutete damals eine Revolution im Auslandsfunk. Die amerikanische Sichtweise war noch durch die Nachrichten, durch Magazinbeiträge und durch den regierungsamtlichen Kommentar präsent. Da der Versuch einer Finanzierung durch Werbung fehlschlug, wurde es eingestellt.
2005
Das IBB, das schon lange nicht mehr auf Kurzwelle  aus Ismaning sendet, hat mit dem Beginn der Sommerzeit am 27. März 2005 auch die Mittelwelle IBB Ismaning 1197 kHz (115°) aufgegeben.
Zuletzt wurde der Sender nur noch für Sendungen in das ehemalige Jugoslawien eingesetzt. Aufgrund des Balkankonflikts hatten Radio Free Europe und die Voice of America ihre Sendungen für den Balkan zeitweise so stark ausgeweitet, dass die Mittelwelle Ismaning rund um die Uhr lief. Der letzte Sendeplan vom Winter 2004/05 lautete:
00.00-01.00 RFE-RL Serbokroatisch
03.30-04.30 RFE-RL Serbokroatisch
05.30-06.00 VOA Kroatisch
16.00-16.15 VOA Bosnisch Mo-Fr
17.00-18.00 RFE-RL Serbokroatisch
19.30-20.00 VOA Kroatisch
22.30-23.00 VOA Bosnisch Mo-Fr
23.00-24.00 RFE-RL Serbokroatisch
Bemerkenswert: Im Unterschied zur Voice of America hat Radio Free Europe immer an einem gemeinsamen "südslawischen" Sprachdienst festgehalten. Da auch die Mittelwelle Marcali 1188 kHz nicht mehr zur Verfügung steht, ist Radio Free Europe nun ganz auf die Kurzwellensendungen und die UKW-Partner angewiesen. Die Voice of America nutzt noch Mittelwellenzeit in Rumänien und Griechenland, um das ehemalige Jugoslawien zu erreichen.
Die Voice of America war 1949 mit einem 150 kW-Sender in Betrieb gegangen, der 16.30-1.40 Uhr Ortszeit
täglich auf 1195 kHz in Englisch, Italienisch, Rumänisch, Russisch (6 Stunden) und Spanisch sendete. Damit sind nun insgesamt 55 Jahre Mittelwellensendungen US-amerikanischer Auslandsdienste aus Ismaning zu
Ende.

Abbau der Sendeanlage
Der Abbau der Mittelwellenanlage des International Broadcasting Bureau in Ismaning schreitet voran, wenngleich nicht ganz so zügig wie erwartet. Dies erfuhr Wolfgang Büschel in einem Telefonat mit Rüdiger Schott am 19. Dezember 2005.
Der Thales-Mittelwellensender ist abgebaut und soll im Nahen oder Mittleren Osten wieder aufgestellt werden. Die genaue Zielbestimmung des Senders war nicht zu erfahren. Jedenfalls geht er nicht nach Tadschikistan. Dort wird auf 972 kHz ein anderer Thales Sender zur Nutzung durch das International Broadcasting Bureau  installiert. Die beiden alten RCA 150 kW Röhrensender, die der nun abgebaute Sender Mitte der neunziger Jahre ersetzt hatten, wurden schon damals verschrottet. Techniker Peter Stefke, der den Thales-Sender besser kannte als der Hersteller selber, ist in Ruhestand gegangen.
Die vier Mittelwellenmasten wurden am 16. März 2006 umgelegt. Kurz zuvor hatte es am 2. März noch Amateurfunk von dort gegeben.

2007 Schließung der Niederlassung
Das für die US-amerikanischen Auslandsdienste zuständige International Broadcasting Bureau schließt noch in diesem Sommer 2007 die Niederlassung in Ismaning bei München. Dies wurde am 2. Juli den Mitarbeitenden bekanntgegeben.
Ismaning war einer der ältesten Relaisstandorte für US-amerikanische Auslandssendungen. Die Voice of America sendete von hier seit Dezember 1946. Die Kurzwellensender stammten noch aus Reichspostzeiten (4x75 kW) und waren westlich vom Bach auf der Seite des BR und AFN. Ab 1949 wurde die Antennenanlage auch östlich vom Bach auf der Seite des Mittelwellensenders erweitert. Die Mittel- und Kurzwellen in Ismaning firmierten unter Munich-A/B. dazu kam die 6 km nordwestlich gelegene Langwelle Erching 173 kHz als VoA Munich-C.
Nach dem terrestrischen Sendeende war Ismaning noch an der Steuerung und Kontrolle des weltweiten Sendernetzes beteiligt. In den letzten Jahren haben Mitarbeiter außer ihren Wartungsaufgaben auch den Abbau europäischer Sendeanlagen und den Wiederaufbau von Sendern an anderen Standorten bewältigt. Die Kurzwellensendungen aus Lampertheim und Biblis bei Frankfurt sollen jedoch weitergeführt werden.

Nach mehr als 50 Jahren für die Voice of America sind die letzten Reste des im August 2007 geschlossenen Relais Ismaning verschwunden. Eine Dokumentation des Abbaus der Satellitenanlage, die nun nach Kuwait unterwegs ist, findet man bei www.youtube.com/watch?v=p7KQ1FoT2Iw, www.videoforums.co.uk/user-videos/15599-ismaning-silent-tribute.html
(Dragan Lekic 21.11.2007 via Gl. Hauser DXLD und Wg. Büschel BCDX)
 
© Dr. Hansjörg Biener 0105
letzte Bearbeitung 0803
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