Der ursprüngliche Standort für sowjetischen Relaissendungen auf der Mittelwelle 1322 kHz war von Kriegsende bis August 1989 Leipzig-Wiederau. 1955 berichtete die Zeitschrift des Hamburger Hans-Bredow-Instituts: „In Leipzig-Wiederau betreibt der Ostzonenrundfunk einen 130-kW-Mittelwellensender, der von 7.30 bis 8.00 Uhr und von 17.00 bis 23.30 Uhr das deutschsprachige Programm Radio Moskaus ausstrahlt. In den programmfreien Zeiten wird der Sender als Störsender benutzt.“ [Chronik (16.5.-15.7.1955), in: Rundfunk und Fernsehen 3,1955,3, S. 313-324, S. 313.]
Am 20. Mai 1963 wurde der 1932 gebaute Mittelwellensender Wiederau I abgestellt und abgebrochen. An seine Stelle trat am 19. Dezember 1963 ein 100-kW-Sender des Funkwerks Köpenick Berlin.
Das Radio Moskau-Relais bei Leipzig sollte laut dem Genfer Wellenplan (1975) durch den Standort Nauen bei Berlin ersetzt werden. Anfang der achtziger Jahre wurde jedoch Wachenbrunn als Standort angemeldet, und ab 1986 realisiert. Die Relaissendungen aus Wiederau wurden am 24. September 1989 eingestellt. Der freiwerdende Sender übernahm den Sendebetrieb für Radio DDR auf 531 kHz. Der Lorenz-Sender von 1939 wurde zum Reservesender.
Der Ort Wachenbrunn ist vier Kilometer südwestlich von Themar entfernt, das an der B 89 liegt, und wurde zu einem der bedeutendsten Mittelwellenstandorten der DDR. Als Heimat von bis zu vier Mittelwellen kamen von hier nicht nur Sendungen des DDR-Rundfunks, hier stand später auch ein Großsender für die Moskauer Auslandsdienste. Statt 100 kW in Rundstrahlung aus Wiederau wurde in Wachenbrunn eine 1000-kW-Anlage mit Richtwirkung nach Südwesten errichtet.
Als Zeitzeuge berichtete Wolfgang Büschel: "Im August 1988 war ich mit der Familie in Bad Kissingen-Meiningen-Ilmenau - auf dem Weg nach Inselsberg und Weimar unterwegs und habe vom Tal in Themar mit dem Teleobjektiv einige Aufnahmen gemacht, hatte aber dabei immer Angst vor Volk-Polizei und Denunzianten. Zu dieser Zeit war mir die Funktion der 4 Masten (damals 1000 kW Radio Moskau Anlage, jetzt 800 kW Media Broadcast), nicht bekannt. Die teilte mir erst ein Ingenieur von der DDR-Deutschen Post Sendertechnik in Ost-Berlin im September 1989 mit, 4 Wochen nach dem Wechsel von Radio Moskau Relais aus Leipzig Wiederau die Inbetriebnahme in Wachenbrunn und 3 Monate nach den ersten Sendertests ab Juni 1989 mit einem Bombensignal in Stuttgart. (Wolfgang Büschel, Zuschrift 14.7.2011)
Ab Spätsommer 1989 war die Anlage für Radio Moskau und andere sowjetische Sender rund um die Uhr in Betrieb. Die Sowjets verfügten damit mitten in Europa über eine der stärksten Sendeanlagen Europas. Tagsüber wurde mit 1000 kW gesendet, in der Dunkelheit mit deutlich verminderter Leistung. Bis in die neunziger Jahre stand ein EKD-Kommunikationsempfänger bereit, um Radio Moskau via SSB-Feeder (aus Novosemeykino?) zu übernehmen, falls die normale Landleitung ausfiel. Tatsächlich wäre die Übernahme per Ballempfang wegen des schlechten Signals aber auch kaum möglich gewesen.
Auch nach dem 3. Oktober 1990, dem Tag der Vereinigung der beiden deutschen Staaten, strahlte der Relaissender Programme der Radiostanzie Rodina, des Senders Frieden und Fortschritt und von Radio Moskau aus. Das Relais wurde sogar religiösen Gruppen für ihre Programme angeboten, zunächst ohne Erfolg. Nach dem Ende der Station Frieden und Fortschritt und der Abzug der Sowjettruppen aus Ostdeutschland wird die Mittelwelle nur noch für die Stimme Russlands eingesetzt.
Das Ende der DDR hatte noch andere Folgen:
Die Wachenbrunner haben sich inzwischen zu einer Bürgerinitiative
zusammengeschlossen, die von der Telekom ungeachtet eingehaltener Grenzwerte
die Einstellung des Sendebetriebs fordert. Allein der Verdacht auf eine
gesundheitliche Schädigung rechtfertige die Abschaltung des Senders.
| Stimme Russlands
25 ul.Pyatnitskaya, Moskau, 113326 Russland www.vor.ru/german.htm |
Seit dem 1. Januar 1998 gibt es folgende
Sendezeiten für die deutschsprachigen Sendungen der Stimme Russlands:
11.00-14.00 Uhr 1323 kHz 17.00-21.00 Uhr 1323 kHz Ortszeit. |
Die Stimme Russlands kann weitere 10 Jahre
auf der Mittelwelle Wachenbrunn 1323 kHz (800 kW) senden. Dies beschloss
die TLM-Versammlung am 21. Okt. 2008. Der russische Auslandsrundfunk ist
bereits seit 1988 auf dieser Frequenz auf Sendung. Betrieben wird diese
Frequenz von der Sendestation im inzwischen nach Themar eingemeindeten
Wachenbrunn. Seit 2003 geschieht dies mit einer neuen Senderanlage, welche
direkt bei der umschaltbaren, aus vier Masten bestehenden Richtantenne
des Typs Kwadrat untergebracht ist. (www.tlm.de/tlm/aktuelles_service/presse/index.php?pm_id=362
m Entscheidungen zu Lokalfernsehen, Bürgerrundfunk, Mittelwellenfrequenz
und Haushalt 22.10.2008)
Die Stimme Russlands nutzt ihre deutschen
Mittelwellen bis 28. März 2009 nach folgendem Sendeplan:
1323 (Wachenbrunn 1000/150 kW)
06.00-10.00: Englisch
10.00-13.00: Deutsch
13.00-16.00: International Russian Radio
16.00-20.00: Deutsch, außer Dienstag
18.00-19.00
20.00-22.00: Französisch
22.00-23.00: GUS-Programm
Uhr Weltzeit (+1=MEZ) Frequenz (Sender)
Deutschland (TH): Vom Sendeende der Mittelwelle
Wachenbrunn 882 kHz unberührt bleibt die im örtlichen Volksmund als
"Russensender" bekannte Anlage für die Frequenz 1323 kHz, die etwa
800 Meter vom ehemaligen Stationsgelände entfernt aufgebaut wurde, da dessen
Erweitung wegen der örtlichen Verhältnisse (in allen Richtungen, in denen sich
nicht die Ortslage Wachenbrunn befindet, beginnen unmittelbar an der Umzäunung
Abhänge) nicht möglich war. Seit 2003 arbeitet diese Sendeanlage autark; die
Spuren der bis dahin verwendeten, über ein Tal mit einer Straße hinweg
geführten Speiseleitung von der Röhrensenderanlage sind inzwischen
weitestgehend verwischt. Der jetzt eingesetzte Sender steht in einem
unscheinbaren Gebäude direkt bei der Antenne, wo er sich mit seiner
Lüfteranlage dem Betrachter bemerkbar macht. (Kai Ludwig 10.7.2011 RBB)
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