OPS
Berlin
In den sechziger
Jahren produzierte Radio Berlin International ein Sonderprogramm für
US-amerikanische Soldaten. Kurz nach dem Mauerbau begann am 25. August
1961 auf der Berliner Mittelwelle 1430 kHz eine halbe Stunde für die
US-amerikanischen Soldaten im nunmehr eingemauerten Berlin. Nur für
einen Tag lang hieß die Station "Berlin Island Station", schon am
folgenden trug sie dann ihren langjährigen Namen "OPS Outpost Station":
"This is OPS Berlin, the programme which entertains and informs. We broadcast
nightly to Americans in West Germany and Europe."
In Musik und Moderation
entsprach OPS ganz dem Konkurrenten, dem amerikanischen Soldatensender
AFN. Wie es schien, richtete man sich insbesondere an Soldaten afro-amerikanischer
Herkunft, denn als Musik spielte man vor allem Titel schwarzer Musiker
und die Nachrichten beschäftigten sich neben Vietnam vor allem mit
dem Rassismus in den USA. Die Identität der Moderatoren blieb verschleiert.
Man kann annehmen, dass Bert Pierce, Dick Larson oder Professor Lobo
Pseudonyme waren. In jener Zeit sendete bei Radio Berlin International
eine von OPS bekannte Stimme als Martin Dies. Dieser Name entspricht dem
ersten Vorsitzenden des House Un-American Affairs Committee, das in jenen
Jahren Kommunisten jagte. In den Sendungen wurde die Addresse “OPS Berlin,
c/o Radio Berlin International, Berlin W8” angegeben. Insofern konnten
sich die Zuhörer nicht über die Herkunft irren, sofern ihnen
bekannt war, dass RBI der ostdeutsche Auslandsdienst und die Postleitzahl
W8 auf den Ostteil der Stadt hinwies.
Zur Mittelwelle
kamen 23.00-23.30 Uhr Kurzwellen wie 1961 6080, 7185, 7300 und 9730 kHz
oder 1968 6080, 6115, 7185 und 9730 kHz. Im Januar 1972 wurde in einer
Zeit, als die deutsch-deutsche Entspannung am Horizont heraufzog, auch
diese Station des Kalten Krieges aufgegeben. In US Archiven (http://arceb.archives.gov/arc/servlet/arc)
offenbar 45 CIA-Mitschnitte von OPS-Programmen überlebt.
Wilsdruff 1431 kHz
Anfang der fünfziger Jahre errichtete der DDR-Rundfunk in Wilsdruff bei Dresden eine Sendeanlage für zunächst einen, dann zwei Mittelwellensender. Ab dem 29. September 1959 strahlte der 20 kW-Reservesender SM4-E (Sender Mittelwelle 4 Ersatz) bis 1978 auf 1089 kHz das Nachtprogramm von Radio DDR, anschließend der Berliner Rundfunk aus. Nach einem Frequenzwechsel kam bis zur Wende das Programm des Berliner Rundfunks auf 1431 kHz.
Die Frequenz 1431 kHz wurde bei der Niederschlagung des Prager Frühlings durch Warschauer-Pakt-Truppen von August 1968 bis Frühling 1969 auch für tschechische Sendungen eingesetzt.
1990-1991 Belegungen
in der Wendezeit
In der Wendezeit startete am 1. Juli 1990
auf der Mittelwelle 1431 kHz (20 kW) des Berliner Rundfunks Sachsenradio
1, das als Vorstufe zu einem öffentlich-rechtlichen Landessender Sachsens
gedacht war. Am 1. Oktober bekam Sachsenradio die Mittelwellen 1044 kHz
(250 kW), während Radio Aktuell bis zu seiner Abschaltung am 27. Mai
1991 mit 1431 kHz vorlieb nehmen musste. Der Sender wurde zum Reservesender
für den 20 kW-Thomcastsender, der auf 1044 kHz das Programm MDR Info
ausstrahlt.
2000-2003 Megaradio
Ende der neunziger Jahre hauchte die Sächsische
Landesmedienanstalt der Mittelwelle neues Leben ein und vergab sie an Mega
Radio für ein 24-stündiges Jugendprogramm. Der private Programmanbieter
plante die Deutschlandweite Rundfunkversorgung im Mittelwellenbereich und
setzte dabei mittelfristig die Digitalisierung der Mittelwelle. Am 19.
Juli 2000 schlossen Mega Radio GmbH und AM FM Sendertechnik Berlin, die
Telefunken-Nachfolgegesellschaft, einen Rahmenvertrag über die Lieferung
von Sendern für mehrere Standorte in Deutschland.
Am 18. September 2000 wurde in Wilsdruff
ein neue Sender geliefert und im Antennenhaus am Fuß des 153-m-Mastes
installiert. Entgegen ersten Informationen handelt es sich noch nicht um
den angekündigten 250 kW Sender, sondern nur um einen 10-kW-Sender.
Die Mittelwellen 1044 kHz von MDR-Info und 1431 kHz von Mega Radio wurden
seit dem 29. September 2000 gemeinsam über den 153-m-Rohrmast der
Station ausgestrahlt.
Am 20. Juni 2001 wurde dann der neue 250-kW-Sender
für Wilsdruff 1431 kHz offiziell in Betrieb genommen. Tagsüber
wurde mit voller Leistung gesendet, 18.00-6.00 Uhr ME(S)Z mit halber Kraft.
Laut Genfer Sendeplan wäre 8.00-15.00 Uhr 250 kW vorgesehen und sonst
150 kW. Während der Installationsarbeiten wurde der auf 1044 kHz für
MDR Info eingesetzte Sender durch einen mobilen 20-kW-Sender vertreten,
der die Dreiecksflächenantenne und nicht den 250 m-Mast versorgte.
Das Programm von Mega Radio bestand zunächst
aus jugendorientierter Dance- und Technomusik und nur wenigen Zusatzangeboten.
Vor allem aber gab es kaum Werbung, aus der sich der Sender finanzieren
konnte. Im Januar 2002 waren deutliche Veränderungen im Programm von
Megaradio zu hören. Die Musikpalette war breiter angelegt, die Station
hatte neue Jingles und neu Nachrichten zur vollen Stunde. Die Sendungen
wurden nun nicht mehr in Schwerin produziert, sondern in Zusammenarbeit
mit der Antenne Bayern. Obwohl man zuletzt mit McDonald's einen bekannten
Werbepartner gewonnen hatte, musste Megaradio am am 17. März 2003
Insolvenz anmelden und wurde das Programm am 4. April 2003 kurz vor 13.00
Uhr Ortszeit kurzfristig beendet.
2005 Neuausschreibung
Die sächsische Landesanstalt für
privaten Rundfunk und Neue Medien (SLM) hat am 12. September 2005 die Mittelwelle
Dresden-Wilsdruff 1431 kHz ausgeschrieben. Mit der Frequenz kann tagsüber
bis auf wenige Versorgungslücken im Vogtland und Teilen der Lausitz
ganz Sachsen versorgt werden. Bei der Auswahl aus den Bewerbungen haben
jene Antragsteller Vorrang, die einen größeren Beitrag zur Programm-
und Meinungsvielfalt im Sendegebiet erwarten lassen. Um diese Vielfalt
zu fördern, ist ein informationsorientiertes Hörfunkprogramm,
nach Möglichkeit mit fremdsprachigen Programmen oder Programmteilen,
vorgesehen. Die Ausschreibungen werden im Sächsischen Amtsblatt und
auf der SLM-Homepage unter <www.slm-online.de> veröffentlicht.
(Pressemitteilung www.slm-online.de/psk/slm/slm_content/powerslave,id,638,nodeid,11.html)
2006 Vergabe an die "Stimme Russlands"
Am 23. Januar 2006 wurden die beiden Bewerber
von der Sächsischen Landesmedienanstalt (SLM) angehört. Dabei
handelte es sich um die Radio Starlet Programm- und Werbegesellschaft mbH
mit ihrem Truck Radio und die Stimme Russlands.
Am 27. Februar 2006 vergab der Medienrat
das Senderecht an Viatcheslav Mostovoi als Treuhänder für die
Russische Staatliche Rundfunkgesellschaft Golos Rossi. Damit folgte der
Medienrat der Empfehlung des Ausschusses Programm und Jugendschutz, der
sich nach dem Anhörungsverfahren einstimmig für die Stimme Russlands
ausgesprochen hatte. Die Stimme Russlands will über die Mittelwelle
zu annähernd gleichen Teilen deutsch-, englisch- und russischsprachige
Sendungen verbreiten. Damit erfüllt die Bewerberin ein wesentliches
Kriterium der Ausschreibung, bei der fremdsprachige Programmteile ausdrücklich
erwünscht waren. In den deutschen Redaktionen der Stimme Russlands
arbeiten derzeit ca. 30 Mitarbeiter. Eine regionale Berichterstattung über
Sachsen ist ebenfalls geplant. Von deutschen Landesmedienanstalten hat
die Stimme Russlands 1997 in Berlin, 2002 für Brandenburg und 2004
für Niedersachsen Lizenzen erhalten. Außerdem wird seit DDR-Zeiten
eine Mittelwelle in Thüringen belegt.
(Pressemitteilung www.slm-online.de/psk/slm/slm_content/powerslave,id,668,nodeid,11.html
ergänzt)
Die Stimme Russlands hat den Sendebetrieb
auf der jüngst zugewiesenen Mittelwelle Wilsdruff (bei Dresden) 1431
kHz umgehend aufgenommen. Die Programmfolge auf 1431 kHz entspricht der
Zulieferung an die Sender in Brandenburg auf 603 und 693 kHz sowie in Niedersachsen
auf 630 kHz:
04.00-09.00 Englisch, 09.00-12.00 Deutsch
12.00-15.00 Russisches Weltprogramm 13.00
ab Jugendprogramm „Russkoje Meshdunarodnoje Radio“
15.00-17.00 Deutsch (Do ab 16.00)
17.00-18.00 Russisches Weltprogramm
18.00-19.00 Deutsch (ausser Mi)
19.00-22.00 Jugendprogramm „Russkoje Meshdunarodnoje
Radio“, ab 21.00 das für Länder der früheren Sowjetunion
konzipierte Programm „Sodrushestwo“ in Russisch
Bei Testsendungen Ende März und den
Sendungen Anfang April war nicht dieser Programmstrom zu hören. Ausgestrahlt
wurde offensichtlich eine Zuspielung der Stimme Russlands (vgl. www.vor.ru/Audio/audio.phtml),
die für einen ihrer beiden, ebenfalls von T-Systems betriebenen Internetstreams
bestimmt ist (<http://live.wm.t-bn.de/live/st_ru/stimme_russl_2>).
Ausgestrahlt wurden am Vormittag zunächst 4.00-9.00 bzw. 9.00-11.00
Uhr die Programme in Englisch und Deutsch; dann aber folgten Sendestunden
in Chinesisch, Japanisch, Hindi, 14.00 Uhr Türkisch, Farsi, 16.00
Uhr Serbisch, 17.00 Uhr Italienisch, 18.00 Uhr Griechisch, Bulgarisch,
20.00 Uhr Französisch und 21.00 Uhr Russisch (Sodrushestwo). (Jan
Balzer 31.3., Wg. Büschel 1.4.2006, Simon-Peter Liehr, K. Ludwig via
Chr. Ratzer A-DX und Wg. Büschel BCDX)
Vom Mittelwellensender Dresden-Wilsdruff
1431 kHz (250 kW) sind derzeit auch in mehrern Hundert Kilometer Entfernung
noch Seitenausstrahlungen auf 1359 und 1503 kHz zu beobachten. Ausgestrahlt
wird ein Relais der Stimme Russlands. (Karel Honzik 5., 10., 13.7.2006)
Die Stimme Russlands nutzt ihre deutschen
Mittelwellen bis 28. März 2009 nach folgendem Sendeplan:
630 (Braunschweig 100 kW) 693 (Oranienburg
250 kW) 1431 (Dresden 250 kW) 1575 (Burg 100 kW)
05.00-10.00: Englisch
10.00-13.00: Deutsch
13.00-16.00: International Russian Radio
16.00-18.00: Deutsch, außer Donnerstag
16.00-17.00
18.00-19.00: Russian World Service
19.00-20.00: Deutsch
21.00-22.00: International Russian Radio
22.00-23.00: GUS-Programm
Uhr Weltzeit (+1=MEZ) Frequenz (Sender)
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