© Dr. Hj. Biener
Luxemburg 1440 kHz

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Viel Musik, Kurzbeiträge, Werbung, Publikumsspiele, die ersten deutschen Hitparaden und Schlagerpreise waren in den sechziger und siebziger Jahren ein Erfolgsrezept von Radio Luxemburg. Das Wirtschaftswunder und ein werbefreier WDR begünstigten die Entwicklung des Programms, denn niemand sonst bot einen so weitreichenden Werbeträger für das konsumhungrige Ruhrgebiet. Die „vier fröhlichen Wellen“, darunter die reichweitenstarke Mittelwelle 1440 kHz und die, gerade auch in der DDR vielgehörte, Kurzwelle 6090 kHz, wurden zur Herausforderung öffentlich-rechtlicher und sozialistischer Rundfunknmonopole.






Die Einführung von Privatfunk in Deutschland veränderte die Verhältnisse dramatisch. Weit wichtiger als die „fröhlichen Wellen“ wurde das Fernsehen, wo 1984 RTL-plus im Bündnis mit dem Medienkonzern Bertelsmann den Einstieg ins deutsche Fernsehsystem bedeutete. Zwar hatte Radio Luxemburg ab 1988 auch in Deutschland neue Sendemöglichkeiten im Hörfunk, aber all das ging auch zu Lasten des traditionellen Luxemburger Programms. „Radio Luxemburg“ veränderte in den folgenden Jahren mehrfach das Programmformat, konnte aber die Abwanderung der Hörerschaft zu den neuen Unterhaltungssendern auf UKW nicht wirklich bremsen. Besonders hart getroffen wurden die traditonellen Reichweitenbringer Mittel- und Kurzwelle.

Nach dem Ende der DDR erübrigte sich die Kurzwelle und wurde 1992 aufgegeben, aber auch die Mittelwelle wurde außer Haus gegeben. Von Januar 2001 bis April 2003 sendete Megaradio tagsüber auf 1440 kHz, seit Januar 2002 wird der Abend ab 20.00 Uhr Ortszeit von China Radio International belegt. Nach der Einstellung des Sendebetriebs von Megaradio wurde Mittelwelle so beworben: „RTL RADIO in fast ganz Deutschland und vor allem in NRW wieder auf der guten alten 1440 auf Mittelwelle zu empfangen - man kann uns gar nicht entkommen!!! Wenn Ihr Auto- oder Küchenradio noch eine MW- oder AM Taste hat, drücken Sie doch mal drauf.“

RTL-Radio setzte sogar mit dem Neustart seines Morgenprogramms auch wieder auf die Mittelwelle. Ab dem 8. September 2003 sendete montags bis freitags 5.30-10.00 Uhr "Martina (Straten) am Morgen". Zum neugestarteten Programm gehörten neben der üblichen Unterhaltung Nachrichten, Geburtstagsgrüße und Horoskop, nun aber auch regionale Programmfenster für Veranstaltungstipps, Verkehrshinweise und Regionalwetter. Die UKW-Frequenzen 93,3 und 97,0 MHz versorgten dabei 2 Mio. Menschen in Rheinland Pfalz, Saarland und BeNeLux, die Mittelwelle 1440 kHz war für Nordrhein-Westfalen gedacht. Hierzu wurde der Sender von 05.30 bis 10.00 Uhr „jetzt mit verstärkter Leistung“ (1200 kW) betrieben. Bisher wurde die Sendeleistung während der Ausstrahlung von RTL-Radio auf 300 kW reduziert.

Die neue Aufmerksamkeit für die Mittelwelle am Morgen könnte auch den religiösen Sendungen zugute kommen, die morgens ab 5.15 Uhr ausgestrahlt werden. Einen Überblick über die christlichen Radiomissionen bei Radio Luxemburg bietet Dr. Hansjörg Biener in einem Aufsatz "Religion an den Rändern einer Werbewelle: Rundfunkmission über Radio Luxemburg", in: Materialdienst der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen 67,2004,8 (August 2004), S. 293-300.

Umstellung auf DRM

Die BCE-Station Marnach 1440 kHz sendet ab 1. Januar 2005 weitgehend im DRM-Modus: tagsüber 9.00-18.00 Uhr Ortszeit (240 kW, 45°) sowie nachts 01.05-04.50 (So 05.35) Uhr Ortszeit (120 kW, 320°). Ausgestrahlt wird das deutsche Programm von RTL-Radio.

Die BCE-Station Marnach 1440 kHz hat im Dezember 2004 verschiedene Tests mit Digital Radio Mondiale (240 kW DRM) durchgeführt.  Die Abnahme neu gelieferter Sender erfolgte am 20. Dezember. In Marnach stehen jetzt 2 Telefunken-Pantel-Sender mit jeweils 600 kW, sowie 2 neue Telefunken TRAM-Sender mit je 300 kW. Die neue Sendeanlage kann sowohl traditionell als auch im DRM-Modus senden . Die maximale HF-Leistung zur Antenne beträgt 1200 kW. Die Antennenkonfiguration hat sich nicht geändert.
Vgl. www.transradio.de/News_Presse/RTL_digital_MW/rtl_digital_mw.html.

In einer neuen Datei bei www.itu.int/ITU-R/publications/brific-ter/index.html finden sich im Dokument GE75_112 einige interessante Frequenzwünsche, so eine Eintragung für Junglinster (6O19 49N40) 279 kHz (300 kW, 50°).  Eventuell für die britischen Inseln gedachte DRM-Sendungen auf 279 kHz würden mit Stationen dort zusammenstoßen.
Außerdem bemüht sich RTL um Senderechte auf den Mittelwellen 567, 783 und 1098 kHz (250 kW).
Clervaux 567 kHz (250 kW, 310°) mit Schutz für die Mittelwellen Mühlacker 576 kHz (245 km in Richtung 120-130°) und Mt. Ceneri 558 kHz (in Richtung 145°).
Clervaux 783 kHz (250 kW, 230°) mit Schutz für die Mittelwellen Bonn 774 (125 km in Richtung 50-60°) und Leipzig 783 kHz (460 km in Richtung 68°)
Clervaux 1098 kHz (250 kW, 300°) mit Schutz für die Mittelwelle Bratislava 1098 kHz (830 km in Richtung 119°)
Die neue Sendeanlage Clervaux (5 O 58, 50 N 2) würde einige Kilometer von Marnach entfernt stehen. Die Koordinierung von Großsendeanlagen ist ein langwieriger Prozess. Es könnte durchaus auch sein, dass aus der Zahl der beantragten Wellen schließlich eine übrig bleibt.

Luxemburg: RTL-Radio in Luxemburg will ab dem 1. Dez. 2008 über die UKW-Frequenzen Dudelange 93,3 MHz und Marnach 97,0 MHz ein gesondertes Programm ausstrahlen. Gegenüber dem bestehenden Programm, das über Satellit und Kabel weiterlaufen soll, soll es nach RTL-Angaben eine als "insgesamt merklich jünger und erheblich rockiger" beschriebene Musikfarbe aufweisen. Dabei soll es sich um einen "ganz neuen, frischen Musikmix unter anderem mit Katy Perry, Coldplay, Amy Winehouse, Anastacia, One Republic oder Nelly Furtado" handeln, in dem "aber auch beliebte Interpreten wie Bruce Springsteen, Elton John, Guns'n Roses, Roxette oder Eurythmics mit ihren Klassikern nicht zu kurz kommen".(Kai Ludwig RBB-Medienmagazin 2.11.2008)
 
© Dr. Hansjörg Biener 0309
letzte Bearbeitung 0811
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