© Dr. Hj. Biener
DRM-Campus-Radio Nürnberg 26000 und 26012 kHz

In einem Feldversuch untersucht die Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule Nürnberg ähnlich wie seit Juni 2003 die Universität und das Fraunhofer-Institut in Erlangen die Einsatzmöglichkeiten von Digital Radio Mondiale und Kurzwelle für den Lokalrundfunk.

Von 2003 bis 2009 untersuchte die Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule Nürnberg die Einsatzmöglichkeiten von Digital Radio Mondiale und Kurzwelle für den Lokalrundfunk. Auch wenn für die direkt Betroffenen wohl eher die Technik bzw. ihre Qualifikationsarbeiten im Vordergrund standen, konnten sich die Studierenden auch beim Versuchsprogramm FH-Campus Radio erproben. Bei Projektbeginn war Digital Audio Broadcasting für UKW gerade in der Einführung, wobei es hier Programmpakete gab, was Wünsche für den Lokalfunk und die Großstadtversorgung offen ließ; auf der anderen Seite bot sich Digital Radio Mondiale als neuer Digitalstandard für die traditionellen AM-Bereiche an. Von einigen Forschern wurde der 26-MHz-Bereich als Alternative für eine Lokalversorgung ins Spiel gebracht. Wie langjährigen Kurzwellenhörern und -hörerinnen bekannt, ist dieser Bereich an sich für internationale Sendungen vorgesehen, dafür allerdings nur in den Zeiten höchster Sonnenaktivität brauchbar.

Im ersten Schritt wurde Anfang 2003 eine erste Sendeanlage auf dem Nürnberger FH-Gebäude eingerichtet. Beeindruckend unscheinbar war der Aufwand. Die Signalaufbereitung erfolgte auf einem Personal Computer, für die Ausstrahlung wurde ein 100-Watt-Amateurfunksender (Collins 32S-3) modifiziert, der sein Signal in einen Dipol an den Mast der FH-Amateurfunkstation DL0OP einspeiste. Von März bis Oktober 2003 sendete man aus Nürnberg auf 26.000 kHz (10 Watt). Je nach Bebauung und lokalem Störnebel war damit Empfang in zwei bis vier Kilometern Entfernung möglich, bei größerem Antennenaufwand wurde auch schon Empfang in 25 Kilometern Entfernung gemeldet. Später wurde die Nürnberger Frequenz auf 26.012 kHz verlegt.

Ursprünglich sollte das DRM-Projekt ein Jahr dauern, doch sorgten immer neue Fragestellungen (und damit Anschlussfinanzierungen) für Verlängerungen. Hauptthemen waren neben der Technik der Mobilempfang (stark schwankende Feldstärken), Fernausbreitung (Sporadic E und Interferenz im Feldversuch, 26 MHz beim Sonnenfleckenmaximum in der Simulation am Rechner) sowie die Auswirkung lokaler Störungen. Weitere Themen waren beispielsweise DRM als UKW-Zuspielung oder DRM-Signale als UKW-Untersignale (In-band-on-Channel).
 
Nach und nach wurde damit der Aufwand größer. In Zusammenarbeit mit dem Landkreis Neumarkt (Oberpfalz) und dem Bayerischen Rundfunk eröffnete die FH im Dezember 2003 eine Außenstelle auf dem BR-Gelände Dillberg. Der Dillberger DRM-Sender übernahm die Nürnberger Frequenz 26.000 kHz (100 Watt, Stabantenne), weil so die internationale Frequenzkoordinierung leichter war. Besonderes Untersuchungsziel dort war die Versorgung der Stadt Neumarkt und des Umlandes. Vom Dillberg, ca. 600 m über NN, wurde meist mit 50 W gesendet und eine  Reichweite von acht bis zehn Kilometern sichergestellt.  
 
 
Photo der Antenne am Sendergebäude des Dillberg (Bernhard Weiskopf)

Am 31. Mai 2009 wurde der Sendebetrieb eingestellt, am 23. September fand die Abschlusspräsentation des Projekts statt. Im Fazit lassen sich die Ergebnisse so zusammenfassen: DRM-Lokalfunk auf 26 MHz ist technisch möglich, aber praktisch nicht sinnvoll. Mit Leistungen bis zu einigen Kilowatt lässt sich eine Großstadt versorgen. Zahlreiche technische Probleme wie z. B. der Empfangsschatten in Häuserschluchten lassen sich bändigen. Erhebliche Arbeit würde auf die Funkentstörung für den Mobilempfang in Autos zukommen, aber auch hier wäre die Herausforderung lösbar.
Ein Problem ist dagegen die Raumwelle, so dass man eher von sehr hohen Standorten schräg nach unten senden müsste.  In größeren Entfernungen ab 800 km schlugen bei den bisherigen Experimentalsendungen Sporadic E-Phänomene durch. Als im Mai-Juli 2006 der 1,7-kW-Sender von WRN London immer wieder das Dillberger Signal überwand, wurde das 2007 und 2008 systematischer untersucht.
In Jahren mit hohen Sonnenfleckenzahlen wird zudem über mehrere Stunden  Fernempfang möglich werden. In solchen Jahren wollen dann aber auch die Auslandssender im 26-MHz-Band senden. Die an verschiedenen Standorten vorgenommenen Experimente mit 26 MHz für Lokalfunk stellen die Frage nach der Regulierung, denn wenn ein internationaler Auslandssender mit 100 oder mehr kW  eine 26-MHz-Frequenz belegt, ist es mit Lokalfunk auf dieser Frequenz vorbei. IWie die Erfahrung zeigt, lassen sich international aber keine festen Bandpläne durchsetzen, sondern bestenfalls Obergrenzen für die Zahl der Sender und ihre Leistung anstreben. 26-MHz-Lokalradio ist damit kein Zugpferd für DRM, sondern eher etwas für Eventradios, wenn DRM-Empfänger bereits verbreitet sind.



DRM im Rundfunkmuseum Fürth

In einer gut besuchten Gemeinschaftsveranstaltung des Kurzwellenring Süd und des Rundfunkmuseums Fürth am 30. Oktober 2003 berichteten Professor Thomas Lauterbach von der Fachhochschule Nürnberg vom Stand der regionalen DRM-Testsendungen und Gerald Moser von Coding Technologies über den Stand der Signalaufbereitung.

Digital Radio Mondiale ist ein Konsortium von 80 Teilnehmern aus 30 Ländern, die durch digitale Übertragungsverfahren eine Renaissance von Lang-, Mittel- und Kurzwelle erreichen wollen. Nach der offiziellen Einführung der DRM-Technologie auf der Genfer Weltfunkkonferenz im Juni 2003 gewinnt das Thema Digital Radio Mondiale auch in Deutschland an Interesse.
Für die Programmanbieter geht es natürlich um Kostenreduktion, die durch die gegenüber UKW leichtere Flächendeckung zu erreichen ist, und der Attraktionsgewinn durch bessere Audioqualität und Zusatzdienste.
Nachdem UKW den traditionellen Wellenbereichen lange den Rang abgelaufen hat, macht nun das Wort von CD-Qualität die Runde. Das ist gerade auch für Hörer interessant, die sich nicht nur aus einheimischen Medien informieren wollen, sondern bei einem der gut 40 deutschsprachigen Auslandsdienste Weltgeschehen am Pulsschlag der Länder mitverfolgen wollen. Sogar Musik soll mit Digital Radio Mondiale nun ein Genuss werden. Mehrere Auslandsstationen haben schon ihre Bereitschaft zu DRM-Sendungen bekundet, über 20 Stationen experimentieren bereits mit digitalen Übertragungsverfahren, vor allem natürlich westliche Stationen sind bereits regelmäßig in DRM auf Sendung.
Längst wurde auch ein wichtiger Vertrag für die Einführung von Digital Radio Mondiale im deutschen Inlandsfunk geschlossen. Seit Januar 2004 rüstet T-Systems die Mittel- und Langwellen des nationalen Hörfunks auf die neue Technik um. Dann sollen die Programme DeutschlandRadio Berlin und Deutschlandfunk Köln über Mittel- und Langwelle zunächst sowohl analog als auch digital zu empfangen sein

Obwohl in Deutschland noch keine richtigen DRM-Empfänger auf dem Markt sind, wollen viele Interessierte die Testsendungen aus dem In- und Ausland probehören. Bisher werden in der Regel umgebaute Kurzwellenempfänger mit einem Computer verbunden, die Signale dort aufbereitet und über die Soundkarte ausgegeben. Bei der Veranstaltung am 30. Oktober sollte die neue Klangqualität mit einem umgebauten Yaesu FRG 100 an einem Laptop demonstriert werden. Aber gerade an diesem Tag machten die Partikel des starken Sonnensturms den Empfang aktiver Mittel- und Kurzwellensendungen unmöglich. Man musste also mit Klangbeispielen von der Demo-CD vorlieb nehmen.

Gerald Moser von Coding Technologies brachte die erste und die zweite Version eines DRM-Empfängers (MAYAH – Gerät) mit und erläuterte die Besonderheiten der verschiedenen Audio-Codierungen und –Komprimierung für Digital Radio Mondiale. Bisher ist der Markt für DRM-Empfänger klein und sind die Preisvorstellungen noch ziemlich hoch. Den in die Runde geworfenen Betrag von 700 Euro kommentierte ein anwesender Kurzwellenfreund mit dem Hinweis, dass in den siebziger und achtziger Jahren die Weltempfänger von Grundig ähnliche Preise hatten. Mit größeren Stückzahlen ist eine deutliche Preissenkung zu erwarten, wobei für ein angemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis natürlich auch Faktoren wie Empfindlichkeit und Trennschärfe beim Empfang der Sender zählen. Wie man hört, arbeiten Sony und Panasonic zur Zeit noch an DRM-Empfängern. Die Firma MAYAH (85399 Hallbergmoos) will Ende 2003 den DRM2010 auf den Markt bringen. Für die Feldversuche begnügen sich die Nürnberger mit Selbstbauten. Ein Mitarbeiter der Fachhochschule Nürnberg hat eine kleine Anzahl von preisgünstigen Bausätzen für einen DRM-Empfänger zusammengestellt, der in Verbindung mit einem PC (Soundkarte) den Empfang der beiden Nürnberger Sender zulässt, aber eben nur der beiden eingesetzten Nürnberger Frequenzen.



 
Bei einem Vorbereitungstreffen für die HFCC-Planungskonferenz für die Wintersendepläne 2007/08 (Birmingham 27.-31.8.2007) hat das HFCC Steering Board am 18. Mai 2007 auch über die DRM-Sendungen auf 26 MHz diskutiert. Ein Vorschlag sieht nun die Aufteilung des Bandes vor. Der HFCC ist nun auch Mitglied des International Telecommunication Union radio sector (ITU-R) und kann damit bei der nächsten Weltradiokonferenz vom 22. Oktober bis 17. November 2007 in Genf mitsprechen. (NASB Newsletter Juni 2007)
 
 
© Dr. Hansjörg Biener 0311, letzte Bearbeitung 1005, Bild: Bernhard Weiskopf
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