© Dr. Hj. Biener


Berlin-Britz 6005 kHz

Rundfunk im amerikanischen Sektor

Am 6. Juli 1948 zog der frühere Drahtfunk im Amerikanischen Sektor in sein historisches Funkhaus in der Kufsteiner Straße. Das Funkhaus, durch eine Namensänderung seit den neunziger Jahren am Hans-Rosental-Platz, bildete jahrzehntelang das Motiv auf den QSL-Karten zur Bedankung von Empfangsberichten.

6005 kHz im Wechselspiel von Berlin und München
Die erste deutsche Belegung der Kurzwelle 6005 kHz war 1948 der in Berlin beheimatete Rundfunk im Amerikanischen Sektor. Ein Sender des VoA-Relais in Ismaning bei München sendete ab dem 6. Juli 1948 tagsüber das RIAS-Programm auf 6080 kHz für Ostdeutschland. Die offizielle Leistung des im Zweiten Weltkrieg aufgestellten und dann von der Voice of America übernommenen Senders betrug 100 kW, tatsächlich waren es wohl eher 75 kW.
1950 stellte der RIAS in Berlin-Britz einen 20-kW-Sender von Telefunken und eine Quadrantantenne auf. Er übernahm ab 7. August 1951 zwischen 15.40 und 3.30 Uhr die Kurzwellenversorgung der DDR, während der Ismaninger Sender für andere Aufgaben frei war. Zudem hatten in den Nachtstunden auch die RIAS-Mittelwellen Berlin und Hof eine größere Reichweite. Bis zum Ende der DDR-Störsendertätigkeit am 23. November 1978 waren viele Hörer und Hörerinnen in der DDR trotzdem vor allem auf den Empfang der Kurzwelle angewiesen.
Viele Jahre sendete die RIAS-Kurzwelle tagsüber aus Britz, nachts aus Ismaning mit Richtantenne für die DDR. Die Britzer Anlage mit 20-kW-Sender und Faltdipol versorgte Deutschland und entwickelte dann für weiter entfernte Empfangslagen eine Richtcharakteristik. So war seit jeher Fernempfang in Südwesteuropa und in Skandinavien möglich, also in klassischen Urlaubsgebieten der Deutschen.

Eine mittlerweile "historische" Behauptung über das Hörerpotential. Wie groß die aktuelle Hörerschaft war, ist schwer abzuschätzen, wenngleich der RIAS auch Sonderprogramme auf Kurzwelle hatte und in Hörerkontaktsendungen immer wieder auch gefragt wurde, wo und auf welche Welle der Hörer oder die Hörerin den RIAS empfing.
6005 kHz alleine aus Berlin
Im März 1983 wurden die Sendungen aus Ismaning aufgegeben und der 20-kW-Sender sendete für einige Monate allein. Ab 1. September 1983 hatte der RIAS in Britz eine Rundstrahlanlage mit 100 kW-Sender (Telefunken S4001) und dazugehöriger Quadrantantenne in Betrieb. Die alte Anlage wurde Reserve und 1999 für den Deutschlandfunk wiederbelebt. Die Erhöhung der Sendeleistung wurde notwendig, da die Leistung der anderen Stationen in dem Band gestiegen war und die Versorgung insbesondere für die Hörer in der DDR weiter verbessert werden musste.
Die Wendejahre wurden zu Ende-Jahren. Obwohl der RIAS stolz auf drei Millionen Zuschriften in zwei Jahren nach dem Mauerfall verweisen konnte, verlor er 1992 gleich zwei Abteilungen: Die noch im Aufbau befindliche Fernsehabteilung wechselte im Mai 1992 mit 220 Planstellen zum deutschen Auslandssender und wurde der Grundstock für das in kurzer Zeit expandierende Deutsche-Welle-TV. Das erfolgreiche zweite RIAS-Hörfunkprogramm wurde wenig später am 1. Juli 1992 zu r.s. 2 privatisiert.
Ein traditionelles Sonderprogamm auf Kurzwelle war sonntags 10.00-12.00 Uhr das Wochenendmagazin "Musik kennt keine Grenzen", in dem Grüße vermittelt und ausgewählte Beiträge des Wochenprogramms wiederholt wurden. In den Abwicklungsjahren kamen weitere Angebote hinzu. Von Januar 1992 bis September 1994 nahm der DX-Report die schon lange ausgestorbene Tradition eines DX-Programms beim RIAS Berlin wieder auf. Außerdem gab es abends ab 20.00 Uhr mit "da capo" zwei bis zweieinhalb Stunden mit Wiederholungen aus dem Hauptprogramm.

6005 für das Deutschlandradio Berlin
Mit einjähriger Verspätung startete am 1. Januar 1994 das DeutschlandRadio mit Programmen aus Köln und Berlin. Das Kölner Informationsprogramm behielt sein Profil, nachdem man schon im Juli 1993 die fremdsprachigen Programme an die Deutsche Welle abgegeben hatte. Das Berliner Programm hingegen musste die Sender RIAS und DS-Kultur zusammenführen, was zu erheblichen Spannungen führte. Was im Vorfeld durchaus nicht sicher schien, war die Nutzung der 100-kW-Kurzwelle des RIAS durch den künftigen nationalen Hörfunk. Weil diese aber Deutschland abdeckt und das Berliner Programm in weiten Teilen West-Deutschlands sonst nicht zu empfangen ist, blieb die Kurzwelle erhalten. Das Signal wird bereits im Berliner Funkhaus für die Kurzwellenausstrahlung aufbereitet und dann per Leitung nach Britz überspielt.

Aus für die Kurzwelle Berlin Britz 6005 kHz.
Nachdem bereits im Frühjahr 2003 Gerüchte über das Ende der Kurzwellensendungen aus Berlin-Britz kursierten, bestätigte DLR-Intendant Ernst Elitz in einem Interview des Radio Journal (Juni 2003), dass man die Sendungen nur solange aufrechterhalte, wie keine Reparaturen anfallen. Am 17. Juli 2007 trat der von Kurzwellenfreunden befürchtete Schadensfall ein, und der Sender, über den  Deutschlandradio Kultur abgestrahlt wurde, fiel aus. Ein Ersatz oder eine Reparatur des weggebrannten Gießharztrafos  zu sinnvollen Preisen erschien unmöglich.
„Da sich die Hörgewohnheiten im Laufe der Jahrzehnte erheblich geändert haben und dem Hörer für die Kurzwelle genügend alternative Empfangswege zur Verfügung stehen - nicht zuletzt auch das Internet - hat sich Deutschlandradio entschlossen, die genannte Frequenz aufzugeben und stattdessen in Digitalradio zu investieren. Mit den neuen Übertragungswegen und den anderen Anforderungen an Übertragungsqualität ist die 56 Jahre währende Ära der Kurzwelle 6005 kHz aus Berlin Britz beendet."
 
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letzte Bearbeitung 0709
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