© Dr. Hj. Biener
6190 kHz Bremen, später Berlin

Radio Bremen und Sender Freies Berlin aus Bremen-Horn
 

Die gemeinsame QSL-Karte als Dankeschön für Empfangsberichte.
Auch wenn es mit der Deutschen Welle einen eigenen Kurzwellendienst gab und mit dem Deutschlandfunk einen Sender, der als Deutschlandsender gedacht war, hatten einige ARD-Anstalten auch Kurzwellensender, die in Richtung DDR sendeten. Eine ganz eigene Kooperation war die Ausstrahlung des Sender Freies Berlin aus Bremen.
 

1961 notierte die Zeitschrift des Hamburger Hans-Bredow-Instituts: „Radio Bremen nahm nach Abschluß der Versuchssendungen seinen neuen Kurzwellensender auf 49 m = 6195 kHz regulär in Betrieb.“ [Chronik (1.7.-30.9.1961), in: Rundfunk und Fernsehen 9,1961,4, S. 421-436, S. 425]

Nach vielen Jahren mit 5 kW gab man 1972  333000 DM für einen 50-kW-Sender und eine Richtantenne für Süd-Südost aus. Zu diesem Zeitpunkt sendete der Sender Freies Berlin 22 Stunden am Tag über 6190 kHz und Radio Bremen ganze zwei. Auch wenn später die Zusammenstellungen geändert wurden, war der Sender Freies Berlin doch lange der Hauptnutzer.
Mitte der achtziger Jahre bekam Radio Bremen seinen letzten Kurzwellensender. Er wurde 1984 in Wien entwickelt und ist der Prototyp, aus dem die spätere mittlere Leistungskategorie von Siemens-Sendern hervorging. Verwandte Sender sind auf Mittelwelle im Einsatz, während der Sender wegen der geringen Leistung von 2x10 kW für Kurzwelle nicht noch einmal gebaut worden ist. 
Nach der deutsch-deutschen Vereinigung gab der Sender Freies Berlin im Dezember 1993 die Nutzung der Kurzwelle  auf. Doch sah man auch bei Radio Bremen keine Notwendigkeit für die Kurzwelle mehr und gab sie zum 1. Oktober 1996 auf. Als kleinste ARD-Anstalt wurde Radio Bremen ohnehin von den anderen Sendern zum Sparen angehalten. Ab Weihnachten 1997 stand der Sender in Rohrdorf und strahlte dort auf 7265 kHz das Programm SWR 3 aus. 

Längst Geschichte.

Deutschlandfunk aus Berlin-Britz

Seit dem 1. September 1999 sendet das DeutschlandRadio aus Berlin-Britz nicht nur das  Programm DeutschlandRadio Berlin auf 6005 kHz, sondern auf 6190 kHz auch sein Kölner Programm Deutschlandfunk. Zur selben Zeit also, wo auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin die Digitalisierung gefeiert wurde, erlebte die Reserveanlage in einem alten Wellenbereich eine Renaissance. Technisch dürfte ihre Zukunft noch einige Zeit gesichert sein, denn es sind noch genügend Röhren da.

Der Deutschlandfunk kommt nun über den 20-kW-Sender, der 1951 bis 1983 auf 6005 kHz RIAS Berlin ausstrahlte, dann vom jetzigen 100-kW-Sender abgelöst wurde, aber immer als Reservesender betriebsbereit war. Kai Ludwig hatte 1995 die Gelegenheit zum Besuch: »Der Sender steht in einer besseren Baracke, nebenan der (im Vergleich zu den drehbaren Richtantennen von Großsendeanlagen wie Nauen) mickrige Dipol. Und zwar stand er da einsam, staubig und verlassen. So schien es, aber... schwuppdiwupp, ein paar Griffe am Kontrollpult, schon rumorte die Luftkühlung los und die Röhren glühten auf... Ich kann mir richtig plastisch vorstellen, wie sorgsam und liebevoll sie zu Werke gegangen sein müssen, als sie das gute Stück für den Betrieb auf 6190 kHz vorbereiteten.«

Die aktuelle Trägerleistung liegt bei ein paar kW unter den 20 kW, abgestrahlt über den dazugehörigen Faltdipol. Die Anlage versorgt Deutschland und entwickelt dann für weiter entfernte Empfangslagen eine Richtcharakteristik. So ist Fernempfang vor allem in Südwesteuropa und in Skandinavien möglich.
Das Signal des Deutschlandfunk wird aus Köln über Satellit zugeführt und in Britz für die Kurzwelle aufbereitet, indem die Höhen und Tiefen abgesenkt und die Mitten angehoben werden. Dass die Signale in manchen Regionen genauso stark ankommen wie die 100 kW von 6005 kHz, hängt zum einen mit dem subjektiven Höreindruck, aber ein bisschen auch mit der Antennenart zusammen. Der Faltdipol hat in bestimmten Senderichtungen gegenüber dem rundstrahlenden Quadrant etwa 6 dB Gewinn. Wer jedoch für den Faltdipol 6190 kHz ungünstig wohnt, bekommt im Unterschied zum anderen Berliner Programm auf 6005 kHz kaum etwas mit.

Nachdem bereits im Frühjahr 2003 Gerüchte über das Ende der Kurzwellensendungen aus Berlin-Britz kursierten, bestätigte DLR-Intendant Ernst Elitz in einem Interview des Radio Journal (Juni 2003), dass man die Sendungen nur solange aufrechterhalte, wie keine Reparaturen anfallen.

2010
Der Kurzwellensender Berlin-Britz 6190 kHz (17 kW), der an sich das Programm des Deutschlandfunks ausstrahlt, war vom 2. bis 4. Juli 2010 aus technischen Gründen außer Betrieb. Der Betrieb des Senders ist ein Liebesdienst der dortigen Mitarbeiter und ist nach den jüngsten Mahnungen der KEF nicht mehr nur durch das Alter bedroht, da die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten die Einstellung der AM-Sendungen fordert. (Dr. Hj. Biener)
 
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