© Dr. Hj. Biener


Rohrdorf 7265 kHz
 
Ab 1996 organisierte Dr. Hansjörg Biener für den  Kurzwellenring-Süd Senderbesuche. Im Juli 1998 ließ  sich eine Gruppe vom SWF-Standortleiter Obert über  den Sendebetrieb in Rohrdorf informieren. 
1946
Am 31. März 1946 beginnt zusammen mit der Geschichte des Südwestfunks auch die Geschichte seiner Kurzwelle. Eingesetzt wurde damals ein mobiler Sender der französischen Militärregierung in Baden-Baden. Regelmäßige Programmteile waren bis 1952 auch französische Auflagesendungen: zweimal täglich die Sendung »Frankreich spricht zum deutschen Volk« und dreimal täglich Nachrichten in Französisch.

1964
Am 17. Dezember 1964 wurde der Kurzwellensender von Bad Dürrheim nach Rohrdorf verlegt. Hier hatte wenig zuvor ein Sender auf 665 kHz ein südwestdeutsches Gleichwellennetz abgelöst. Bis 1972 blieb es bei der geringen Kurzwellenleistung von 1,5 kW.

1972
1972 wurde der Sender durch einen 2x10-kW-Zwillingssender von Siemens-RIZ ersetzt. Im Lauf der Jahre wurde er von den Mitarbeitern in Rohrdorf vielfach nachgebessert und nachträglich transistorisiert. Von dem Zwillingssender steht nur noch der B-Sender (7 m lang) als Reservesender. Der A-Sender von 10 kW wurde als Ersatzteillager für den B-Teil zerlegt und abgebaut.

Am Eingang des Geländes erinnerte bis in die neunziger eine Reusenantenne an die Anfangszeiten. Die alte Rhode&Schwarz Vertikal-Käfigantenne wurde nur 1-2 mal im Jahr benutzt, wenn Arbeiten an der späteren Antenne notwendig waren. Sie strahlt zu flach ab und erreicht nicht das europäische Zielgebiet, sondern andere Kontinente.

1985
1985 wurde an der Stelle eines Sendemastes der Mittelwelle eine verbesserte Antennenanlage für die Kurzwelle errichtet. Hauptzielgebiet der Quadrant-Corner-Reusenantenne sind die Urlaubsgebiete des westlichen Mittelmeerraums. Die Quadrantantenne hat eine "leichte" Vorzugsrichtung 1.2 dB in Richtung Barcelona, genau die Mitte zwischen den 90 Grad Schenkeln.

Traditionell war auf der Kurzwelle 7265 kHz das erste Programm aus Baden-Baden zu hören. Ab Mitte der achtziger Jahre kam dann statt SWF-1 die Popwelle SWF-3. Einige Jahre wurde das Angebot zur Urlaubszeit durch das SWF-3-Urlaubsradio erweitert, das das UKW-Programm mit Auslandsreiserufen, Touristentips, wesentlich ausführlicheren Inlandsnachrichten, Verhaltensregeln für Touristen in bestimmten Ländern, Wettervorhersagen für ganz Europa erweitert. In diesen Jahren gab es eine eigene Leitung der Programmzuführung. Später wurde die Kurzwelle im Ballempfang von UKW Sender auf den Bergen: Hornisgrinde 1100 m im Nordschwarzwald, und Feldberg 1400 m im Südschwarzwald gespeist.
Während sich die SWF-3-Redaktion durchaus an der Kurzwelle freute und die Rohrdorfer Techniker durchaus Rückmeldungen aus Übersee erhalten, hat die Kurzwelle in den ARD-Leitungsgremien eigentlich keine Lobby.

1997
Im Oktober 1997 holte man auf Initiative von Obert aus Bremen den früher für 6190 kHz eingesetzten 20 kW-Sender und überholte ihn gründlich. Er hatte bis 1993 ein Mischprogramm von Radio Bremen und Sender Freies Berlin in die DDR ausgestrahlt. Nach 1990 gab es aber keinen Grund mehr für Sendungen in die DDR, und Radio Bremen sparte die Kurzwelle 1996 ein.
Der Siemens-Sender (2 m lang, 2,20 hoch, 60 cm tief) wurde 1984 in Wien entwickelt und ist der Prototyp, aus dem die spätere mittlere Leistungskategorie von Siemens-Sendern hervorging. Verwandte Sender sind auf Mittelwelle im Einsatz, während der Sender wegen der vergleichsweise geringen Leistung für Kurzwelle nicht noch einmal gebaut worden ist. Der Sender hat intern 2x10 kW Einheiten, über Drucktasten sind einzeln 10 oder zusammen 20 kW Leistung abrufbar.
Ab Weihnachten 1997 stand der Sender nun in Rohrdorf. Durch die Stromeinsparungen haben sich Anschaffung und Transport binnen zwei Jahren amortisiert. Immerhin verbrauchte der Sender nur noch die Hälfte des früheren Betriebs.
Nach der Fusion von SWF und SDR strahlte die Kurzwelle Rohrdorf parallel mit Mühlacker 6030 kHz die Popwelle SWR-3 aus, darin aber die Ansagen des badischen Metro-Programms. Später übertrug man SWR Contra.

2004 Sendeende
Am 19. Oktober 2004 schaltete der SWR seine Kurzwellen ab. Der Schritt wurde mit den finanziellen Einsparungen und den nunmehr bestehenden Alternativen begründet. Die Programme SWR 3 und Cont.Ra, die bisher auf 6030 bzw. 7265 kHz verbreitet wurden, seien außerhalb des Sendegebietes des SWR weiter europaweit über Satellit ASTRA und ADR empfangbar, ab Mitte 2005 auch im DVB-S Mode über den geplanten Hörfunktransponder der ARD. Außerdem stünden beide Programme im Internet als Livestream (www.swr3.de bzw. www.swr.de/contra) zur Verfügung.

2005 Verkauf
Im Herbst 2005 verkaufte der SWR den Kurzwellensender nach Madagaskar. Die Kurzwellenantenne in Rohrdorf wurde zusammen mit zwei der vier Mittelwellenmasten für  666 kHz jetzt abgerissen und konnte deshalb nicht mehr mit nach Madagaskar gegeben werden.
 
© Dr. Hansjörg Biener 0101,
letzte Bearbeitung 0509
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