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Radio Prag, Vinohradská 12, CZ-12099 Praha 2, Tschechische Republik, deutsch @ radio.cz Seit 1994 ist Radio Prag im Internet. Unter www.radio.cz kann man sich neben den Sendeplänen und Rundfunksendungen fast alle Beiträge auch schriftlich aus dem Archiv holen. Winter
2010/11
11.00-11.27: 7345 (200 kW, nd) 13.00-13.27: 6055 (100 kW, nd) 16.00-16.27: 5930 (100 kW, 260°) Uhr Weltzeit (+1=MEZ) Frequenz (Sender) Sommer 2010
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Das Programm
Angesichts der knappen Mittel macht man
zum Beispiel bei den Nachrichten aus der Not eine Tugend. Man spart sich
die internationalen Meldungen, die man auch anderswo hören kann und
orientiert sich auf die tschechische Aktualität und die Beziehungen
zum deutschen Sprachraum. Im Anschluss an Nachrichten und Presseschau folgen
das Tagesecho und tageweise wechselnde Rubriken, so zum Beispiel 14-tägig
abwechselnd das Eurodomino Tschechien über die EU-Annäherung
und Interviews "Heute am Mikrophon".
Mittlerweile hat man sich bei Radio Prag
auch eine sehr intelligente Nutzung des dreiminütigen Übergangs
zwischen den verschiedenen Sprachdiensten einfallen lassen. Unterbrochen
vom Pausenzeichen, das beim Einstellen der Station helfen kann, werden
der Sendeplan und die Kontaktmöglichkeiten angesagt.
Radio Prag
Die Gründung
Die Geschichte der Prager Sendungen hat
viele dramatische Momente, und meist spielte der deutsche Nachbar eine
wichtige Rolle. Im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs wurde die sogenannte
Sudetendeutsche Frage zunächst im Äther ausgetragen. Immer wieder
luden ab 1933 sudetendeutsche Aktivisten auf Versammlungen dazu ein, Hitlerreden
im deutschen Rundfunk mitzuverfolgen. Als es 1935 zu Auseinandersetzungen
zwischen der Prager Regierung und der sudetendeutschen Opposition kam,
machte sich der Leipziger Sender zur Stimme der Sudetendeutschen. Im August
1936 erklärten Diplomaten des dritten Reich die Lage der Sudetendeutschen
zur »Herzenssache des ganzen deutschen Volkes«.
Dementsprechend wurde schon bald nach 1933 in Tschechien die Forderung laut, der ausländischen Propaganda entgegen zu wirken. Am 20. November 1934 kam die Ankündigung eines Kurzwellensenders im Kurort Podebrady bei Prag. Die Tschechoslowakei hatte für 3,5 Mio Kronen einen 30 kW-Sender bei Marconi bestellt, der nach Testsendungen am 24. Juli und 13. August ab 31. August 1936 unter dem Rufzeichen OKI aus Podebrady sendete. Der tschechische Auslandsdienst hat seit jenem 31. August mit zwei Ausnahmen ununterbrochen gesendet: der deutschen Besetzung im 2. Weltkrieg und fünf Wochen Pause 1990, in denen nach der Wende die Station von "belasteten" Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gesäubert wurde.
Der erste tschechoslowakische Präsident Tomas Masaryk 1932 bei einer Rundfunkansprache.

Die Wende
Mögen die Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg
für viele Geschichte sein, so gehören die Niederschlagung des
Prager Frühlings 1968, die Massenflucht von DDR-Bürgern und die
politische Wende in Prag 1989 zur Zeitgeschichte. Immer wieder stand auch
das Funkhaus in der Vinohradska 12 im Mittelpunkt der Ereignisse.

Das tschechische Kurzwellenzentrum Litomysl ist seit 1955 in Betrieb. Von März 2001 bis Oktober 2003 wurde auch wieder die slowakische Station in Rimavska Sobota für deutsche Sendungen eingesetzt.

Radio Prag gehörte in den siebziger
und achtziger Jahren zu den großzügigsten Auslandssendern des
Ostblocks. Regelmäßige Schreiber konnten fest mit Aufmerksamkeiten
wie Dias oder der Zeitschrift "Tschechoslowakisches Leben" rechnen. In
diesen Jahren hatte das deutsche Auslandsprogramm rund 20 Redakteure, wobei
allein drei Mitarbeitende nur für Hörerbetreuung zuständig
waren.
Nach der Wende wurde das anders. Nach
einer Sendepause von fünf Wochen beerbte der tschechische Auslandsfunk
am 7. Mai 1990 das alte Radio Prag nur dem Namen nach. Man machte nicht
nur bei der Mitarbeiterschaft einen harten Schnitt, sondern auch im Programmumfang
und im Budget. Nach der Wende hatte die deutsche Redaktion nur noch fünf
feste Redakteure.
Die Gegenwart
In den Jahren ab 1997 stand war der deutsche
Dienst mehrfach vor der Schließung. Hörerproteste, aber auch
politische Interventionen wie zum Beispiel der Bayerischen Staatsregierung
sorgten für die Rettung. Anlässlich des Jubiläums zog der
Chefredakteur von Radio Prag, David Vaughan, im deutschen Programm am 30./31.
August 2001 eine Bilanz der Entwicklung des Senders seit der Wende. Vaughan,
der bei der BBC gearbeitet hat und die dortigen Maßstäbe als
"einem der besten Sender" in die Redaktionsarbeit bei Radio Prag übersetzen
wollte, zeigte sich insgesamt zufrieden. Neben der journalistischen Entwicklung
hob er die zunehmende Zusammenarbeit unter den fremdsprachigen Redaktionen
hervor. Ebenso gebe es mehr Zusammenarbeit mit dem slowakischen und österreichischen
Auslandsrundfunk. Als weitere Kooperationen nannte er Radio E und Central
Europe Today, die von mehreren Auslandsdiensten zusammengestellt und ausgestrahlt
werden.
2009/10 Kampf um die Kurzwelle
Im Herbst 2009 wurde bekannt, dass Radio
Prag auf Wunsch des Außenministeriums die Kurzwelle einstellen sollte.
Wie David Vaughan, bis 2006 Chefredakteur bei Radio Prag, am 12. Okt. 2009
weitergab, wollte das tschechische Außenministerium die Mittel für
Radio Prag um 20 Prozent kürzen. Gleichzeitig verlangte es laut David
Vaughan ausdrücklich, die Ausstrahlung auf Kurzwelle wegen deren „anachronistischem“
Charakter einzustellen und das bisherige Radio Prag als Internetdienst
weiterzuführen.
David Vaughan bedauerte, dass die Regierung
für die Einsparung von 500.000 Euro mehr als 70 Jahre Auslandssendungen
gehen lässt. Aus langjähriger Erfahrung sei abzusehen, dass die
Aufgabe der traditionellen Plattform mittelfristig auch nur das Ende auf
den „neuen“ einleite. Es sei, als ob eine traditionsreiche Zeitung nicht
mehr auf Papier erscheine, sondern nur noch im Internet gelesen werden
wolle.
Für Adresse für Protestschreiben
nannte David Vaughan die Botschaften und das Außenministerium Ministerstvo
zahranicních vecí, Loretánské námestí
5, 118 00 Praha 1. Allerdings solle man sich ausdrücklich für
den Erhalt der Finanzierung im bisherigen Umfang einsetzen, weil die Bürokraten
sonst auf die Idee kämen Personal- gegen Sendekosten aufzurechnen.
(David Vaughan 12.10.2009)
Radio Prag wird auch über den 31.
Jan. 2010 hinaus auf Kurzwelle zu hören sein. Dies gab Direktor Miroslav
Krupicka bekannt. Das Budget für dieses Jahr sei um 15 Prozent gekürzt
worden, aber man werde an der Kurzwelle festhalten, da sie für etwa
die Hälfte der Hörerschaft sorge. Allerdings werde man nur noch
über einen einzigen Sender in Litomysl senden, wodurch man die Sendekosten
auf 7 Mio. Kronen halbiere.
QSL-Serie 2010 über Schriftsteller
Radio Prag hat auch für 2010 eine
Serie von acht QSL-Karten zur Beantwortung von Empfangsberichten. Thema
sind in diesem Jahr tschechische Schriftsteller, und Radio Prag will damit
anregen, den einen oder anderen Autor auch tatsächlich einmal zur
Hand zu nehmen.
„Natürlich nicht fehlen darf Václav
Havel. Der frühere Dissident und spätere Staatspräsident
der Tschechoslowakei und Tschechiens ist [...] wieder zu seinen Anfängen
als Schriftsteller zurückgekehrt. Denn Václav Havel, der bereits
zu Beginn der 60er Jahre anfing, Theaterstücke, Gedichte und Essays
zu schreiben, feierte 2007 sein literarisches Comeback mit dem Drama ‚Abgang’.
In diesem Jahr war Havel natürlich der gefeierte Mann bei den Feierlichkeiten
zum 20. Jahrestag der Samtenen Revolution, an der er einen großen
Anteil hatte.
Für den Romancier Milan Kundera war
es hingegen ein wechselhaftes Jahr 2009. Er sah sich Verdächtigungen
ausgesetzt, als junger Student in den 50er Jahren einen Kommilitonen beim
kommunistischen Geheimdienst angeschwärzt zu haben. Auch wenn die
Vorwürfe noch nicht endgültig geklärt wurden, erhielt Kundera
im Dezember die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatstadt Brno / Brünn.
Unter Literaturwissenschaftlern genießt er ungeachtet aller politischen
Vorwürfe einen guten Ruf als Schriftsteller. Zwar schreibt er seit
1993 nur noch auf Französisch. Trotzdem hat es Kundera wegen seiner
früheren tschechischen Werke auf eine der neuen QSL-Karten von Radio
Prag geschafft.
Havel und Kundera sind bekannte Namen
in der Weltliteratur. Noch bekannter dürfte aber Franz Kafka sein.
Nun werden sich manche von Ihnen wundern, denn Kafka schrieb schließlich
Zeit seines Lebens auf Deutsch. Aber Kafka gehört zur tschechischen
Hauptstadt Prag wie die Burg, so ist auch ihm eine QSL-Karte gewidmet.
Aber auch weniger bekannte Namen finden
Sie in der neuen QSL-Serie. Jaroslav Hašek zum Beispiel. Seine Figur des
‚braven Soldaten Schwejk’ ist wohl bekannter als der Schriftsteller selbst.
Und wussten Sie, dass es ein Tscheche war, der das Wort ‚Roboter’ erfunden
haben soll? Zum ersten Mal verwendet wurde das Wort in dem Science-Fiction-Drama
R.U.R.. Der Autor hieß Karel Capek und ist zweifelsohne einer der
bedeutendsten tschechischen Schriftsteller. Capek starb 1938. Er war mehrfach
für den Literaturnobelpreis nominiert. Bekommen hat er ihn allerdings
nie. Das könnte hingegen der Dichter Jaroslav Seifert von sich behaupten,
wenn er noch leben würde. Seifert starb 1986. Zwei Jahre zuvor bekam
er den Nobelpreis für Literatur, und das obwohl seine Werke in der
damaligen Tschechoslowakei seit 1968 nicht mehr erscheinen durften.“ (Radio
Prag 29.12.2009)
2011 Sendeende auf Kurzwelle
Radio Prag wird zum 31. Januar 2011 seine
Kurzwellensendungen einstellen. Dies wurde am 8. Dezember 2010 auch offiziell
bekannt gegeben. Der letzte Sendeplan in Deutsch lautet:
07.30-07.57: 5930 (100 kW, 260°)
11.00-11.27: 7345 (100 kW, nd)
13.00-13.27: 6055 (100 kW, nd)
16.00-16.27: 5930 (100 kW, 260°)
Uhr Weltzeit (+1=MEZ) Frequenz (Sender) Programm
Seit November kamen aus dem Haus selber widersprüchliche Informationen. Nach
einer Meldung der Nachrichtenagentur CTK soll die Kurzwelle zum 1. Januar 2011
tatsächlich abgeschaltet werden, nachdem die vom Außenministerium
bereitgestellten Gelder diesmal um 30 bis 40 Prozent gekürzt werden. Darüber
hinaus sollen die Arbeitsplätze von sieben Redakteuren, einer Bürohilfskraft
sowie zwei Tontechnikern entfallen. Ceský Rozhlas rechnet laut CTK selbst mit
zurückgehenden Hörerzahlen für die Auslandssendungen, die dann - abgesehen
vom Internet - nur noch über Satellit laufen. Darüber hinaus verwies ein
Sprecher auf die Laufzeit der Finanzierungsvereinbarung mit dem
Außenministerium, die jeweils auf ein Jahr beschränkt ist.
Das Sendeende auf Kurzwelle drohte bereits zum Jahresbeginn 2010, nachdem das
tschechische Außenministerium die Mittel für den Betrieb von Radio Prag für
2010 um 15 Prozent gekürzt hatte. Seit dem 1. Februar 2010 werden die Programme
über die Kurzwellensender in Pohodlí bei Litomyšl bereits nur noch auf einer
statt wie zuvor zwei Frequenzen verbreitet. Zum 1. Oktober 2010 entfielen dann
auch alle Ausstrahlungen über Sendeanlagen im Ausland. Die Kurzwellenstation in
Pohodlí wird geschlossen. (Kai Ludwig Radio-News RBB 5.12., Karel Honzik
8.12.2010 BCDX)
Krupicka, Miroslav: Radio Prag. Eine kurze
Geschichte und ein Blick auf die deutschsprachigen Sendungen, in: Internationales
Radio in Europa. Situation und Zukunftsperspektiven (Hg. Thomas Völkner),
Remscheid: Gardez 2006 (3-89796-132-6), S. 36-39.
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Dr. Hansjörg Biener 0102
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