© Dr. Hj. Biener
Außer einheimischen Stationen bemühen sich gut 40 internationale Rundfunksender um eine deutschsprachige Hörerschaft. So hat man oft das Ohr am Pulsschlag der Welt, auch wenn man nicht Englisch, Französisch oder eine andere Weltsprache spricht. Über aktuelle Entwicklungen berichten neben Hobbyfachzeitschriften verschiedene Mailinglisten und Homepages. Aktuelle Meldungen von Dr. Hansjörg Biener finden sich bei  www.kwrs.de bzw. werden über die e-Group Medien aktuell: Weltempfang verschickt.
Radio Prag
 
Kontakt
Radio Prag, Vinohradská 12, CZ-12099 Praha 2, Tschechische Republik, deutsch @ radio.cz
Seit 1994 ist Radio Prag im Internet. Unter www.radio.cz kann man sich neben den Sendeplänen und Rundfunksendungen fast alle Beiträge auch schriftlich aus dem Archiv holen.

Winter 2010/11
07.30-07.57: 5930 (100 kW, 260°)

11.00-11.27: 7345 (200 kW, nd)

13.00-13.27: 6055 (100 kW, nd)

16.00-16.27: 5930 (100 kW, 260°)

Uhr Weltzeit (+1=MEZ) Frequenz (Sender)

Sommer 2010 
06.30-07.00: 5930
10.00-10.30: 6055
12.00-12.30: 6055
15.00-15.30: 5930
16.30-17.00: 11700 (Sines PT)
Uhr Weltzeit (+2=MESZ) Frequenz (Sender) 

Foto: Dankurkunde von Radio Prag an Dr. Hansjörg Biener aus Anlass des 65. Jubiläums.
 

Das Programm
Angesichts der knappen Mittel macht man zum Beispiel bei den Nachrichten aus der Not eine Tugend. Man spart sich die internationalen Meldungen, die man auch anderswo hören kann und orientiert sich auf die tschechische Aktualität und die Beziehungen zum deutschen Sprachraum. Im Anschluss an Nachrichten und Presseschau folgen das Tagesecho und tageweise wechselnde Rubriken, so zum Beispiel 14-tägig abwechselnd das Eurodomino Tschechien über die EU-Annäherung und Interviews "Heute am Mikrophon".
Mittlerweile hat man sich bei Radio Prag auch eine sehr intelligente Nutzung des dreiminütigen Übergangs zwischen den verschiedenen Sprachdiensten einfallen lassen. Unterbrochen vom Pausenzeichen, das beim Einstellen der Station helfen kann, werden der Sendeplan und die Kontaktmöglichkeiten angesagt.

Radio Prag

Die Gründung
Die Geschichte der Prager Sendungen hat viele dramatische Momente, und meist spielte der deutsche Nachbar eine wichtige Rolle. Im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs wurde die sogenannte Sudetendeutsche Frage zunächst im Äther ausgetragen. Immer wieder luden ab 1933 sudetendeutsche Aktivisten auf Versammlungen dazu ein, Hitlerreden im deutschen Rundfunk mitzuverfolgen. Als es 1935 zu Auseinandersetzungen zwischen der Prager Regierung und der sudetendeutschen Opposition kam, machte sich der Leipziger Sender zur Stimme der Sudetendeutschen. Im August 1936 erklärten Diplomaten des dritten Reich die Lage der Sudetendeutschen zur »Herzenssache des ganzen deutschen Volkes«.

Dementsprechend wurde schon bald nach 1933 in Tschechien die Forderung laut, der ausländischen Propaganda entgegen zu wirken. Am 20. November 1934 kam die Ankündigung eines Kurzwellensenders im Kurort Podebrady bei Prag. Die Tschechoslowakei hatte für 3,5 Mio Kronen einen 30 kW-Sender bei Marconi bestellt, der nach Testsendungen am 24. Juli und 13. August ab 31. August 1936 unter dem Rufzeichen OKI aus Podebrady sendete. Der tschechische Auslandsdienst hat seit jenem 31. August mit zwei Ausnahmen ununterbrochen gesendet: der deutschen Besetzung im 2. Weltkrieg und fünf Wochen Pause 1990, in denen nach der Wende die Station von "belasteten" Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gesäubert wurde.

Der erste tschechoslowakische Präsident Tomas Masaryk 1932 bei einer Rundfunkansprache.

Foto: Der erste tschechoslowakische Präsident Tomas Masaryk bei einer Rundfunkansprache.

Die Wende
Mögen die Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg für viele Geschichte sein, so gehören die Niederschlagung des Prager Frühlings 1968, die Massenflucht von DDR-Bürgern und die politische Wende in Prag 1989 zur Zeitgeschichte. Immer wieder stand auch das Funkhaus in der Vinohradska 12 im Mittelpunkt der Ereignisse.

Foto: Das Funkhaus in der Vinohradska 12.

Das tschechische Kurzwellenzentrum Litomysl ist seit 1955 in Betrieb. Von März 2001 bis Oktober 2003 wurde auch wieder die slowakische Station in Rimavska Sobota für deutsche Sendungen eingesetzt.

Foto: Sendeanlage in Litomysl.

Radio Prag gehörte in den siebziger und achtziger Jahren zu den großzügigsten Auslandssendern des Ostblocks. Regelmäßige Schreiber konnten fest mit Aufmerksamkeiten wie Dias oder der Zeitschrift "Tschechoslowakisches Leben" rechnen. In diesen Jahren hatte das deutsche Auslandsprogramm rund 20 Redakteure, wobei allein drei Mitarbeitende nur für Hörerbetreuung zuständig waren.
Nach der Wende wurde das anders. Nach einer Sendepause von fünf Wochen beerbte der tschechische Auslandsfunk am 7. Mai 1990 das alte Radio Prag nur dem Namen nach. Man machte nicht nur bei der Mitarbeiterschaft einen harten Schnitt, sondern auch im Programmumfang und im Budget. Nach der Wende hatte die deutsche Redaktion nur noch fünf feste Redakteure.

Die Gegenwart
In den Jahren ab 1997 stand war der deutsche Dienst mehrfach vor der Schließung. Hörerproteste, aber auch politische Interventionen wie zum Beispiel der Bayerischen Staatsregierung sorgten für die Rettung. Anlässlich des Jubiläums zog der Chefredakteur von Radio Prag, David Vaughan, im deutschen Programm am 30./31. August 2001 eine Bilanz der Entwicklung des Senders seit der Wende. Vaughan, der bei der BBC gearbeitet hat und die dortigen Maßstäbe als "einem der besten Sender" in die Redaktionsarbeit bei Radio Prag übersetzen wollte, zeigte sich insgesamt zufrieden. Neben der journalistischen Entwicklung hob er die zunehmende Zusammenarbeit unter den fremdsprachigen Redaktionen hervor. Ebenso gebe es mehr Zusammenarbeit mit dem slowakischen und österreichischen Auslandsrundfunk. Als weitere Kooperationen nannte er Radio E und Central Europe Today, die von mehreren Auslandsdiensten zusammengestellt und ausgestrahlt werden.

2009/10 Kampf um die Kurzwelle
Im Herbst 2009 wurde bekannt, dass Radio Prag auf Wunsch des Außenministeriums die Kurzwelle einstellen sollte. Wie David Vaughan, bis 2006 Chefredakteur bei Radio Prag, am 12. Okt. 2009 weitergab, wollte das tschechische Außenministerium die Mittel für Radio Prag um 20 Prozent kürzen. Gleichzeitig verlangte es laut David Vaughan ausdrücklich, die Ausstrahlung auf Kurzwelle wegen deren „anachronistischem“ Charakter einzustellen und das bisherige Radio Prag als Internetdienst weiterzuführen.
David Vaughan bedauerte, dass die Regierung für die Einsparung von 500.000 Euro mehr als 70 Jahre Auslandssendungen gehen lässt. Aus langjähriger Erfahrung sei abzusehen, dass die Aufgabe der traditionellen Plattform mittelfristig auch nur das Ende auf den „neuen“ einleite. Es sei, als ob eine traditionsreiche Zeitung nicht mehr auf Papier erscheine, sondern nur noch im Internet gelesen werden wolle.
Für Adresse für Protestschreiben nannte David Vaughan die Botschaften und das Außenministerium Ministerstvo zahranicních vecí, Loretánské námestí 5, 118 00 Praha 1. Allerdings solle man sich ausdrücklich für den Erhalt der Finanzierung im bisherigen Umfang einsetzen, weil die Bürokraten sonst auf die Idee kämen Personal- gegen Sendekosten aufzurechnen. (David Vaughan 12.10.2009)
Radio Prag wird auch über den 31. Jan. 2010 hinaus auf Kurzwelle zu hören sein. Dies gab Direktor Miroslav Krupicka bekannt. Das Budget für dieses Jahr sei um 15 Prozent gekürzt worden, aber man werde an der Kurzwelle festhalten, da sie für etwa die Hälfte der Hörerschaft sorge. Allerdings werde man nur noch über einen einzigen Sender in Litomysl senden, wodurch man die Sendekosten auf 7 Mio. Kronen halbiere.

QSL-Serie 2010 über Schriftsteller
Radio Prag hat auch für 2010 eine Serie von acht QSL-Karten zur Beantwortung von Empfangsberichten. Thema sind in diesem Jahr tschechische Schriftsteller, und Radio Prag will damit anregen, den einen oder anderen Autor auch tatsächlich einmal zur Hand zu nehmen.
„Natürlich nicht fehlen darf Václav Havel. Der frühere Dissident und spätere Staatspräsident der Tschechoslowakei und Tschechiens ist [...] wieder zu seinen Anfängen als Schriftsteller zurückgekehrt. Denn Václav Havel, der bereits zu Beginn der 60er Jahre anfing, Theaterstücke, Gedichte und Essays zu schreiben, feierte 2007 sein literarisches Comeback mit dem Drama ‚Abgang’. In diesem Jahr war Havel natürlich der gefeierte Mann bei den Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag der Samtenen Revolution, an der er einen großen Anteil hatte.
Für den Romancier Milan Kundera war es hingegen ein wechselhaftes Jahr 2009. Er sah sich Verdächtigungen ausgesetzt, als junger Student in den 50er Jahren einen Kommilitonen beim kommunistischen Geheimdienst angeschwärzt zu haben. Auch wenn die Vorwürfe noch nicht endgültig geklärt wurden, erhielt Kundera im Dezember die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatstadt Brno / Brünn. Unter Literaturwissenschaftlern genießt er ungeachtet aller politischen Vorwürfe einen guten Ruf als Schriftsteller. Zwar schreibt er seit 1993 nur noch auf Französisch. Trotzdem hat es Kundera wegen seiner früheren tschechischen Werke auf eine der neuen QSL-Karten von Radio Prag geschafft.
Havel und Kundera sind bekannte Namen in der Weltliteratur. Noch bekannter dürfte aber Franz Kafka sein. Nun werden sich manche von Ihnen wundern, denn Kafka schrieb schließlich Zeit seines Lebens auf Deutsch. Aber Kafka gehört zur tschechischen Hauptstadt Prag wie die Burg, so ist auch ihm eine QSL-Karte gewidmet.
Aber auch weniger bekannte Namen finden Sie in der neuen QSL-Serie. Jaroslav Hašek zum Beispiel. Seine Figur des ‚braven Soldaten Schwejk’ ist wohl bekannter als der Schriftsteller selbst. Und wussten Sie, dass es ein Tscheche war, der das Wort ‚Roboter’ erfunden haben soll? Zum ersten Mal verwendet wurde das Wort in dem Science-Fiction-Drama R.U.R.. Der Autor hieß Karel Capek und ist zweifelsohne einer der bedeutendsten tschechischen Schriftsteller. Capek starb 1938. Er war mehrfach für den Literaturnobelpreis nominiert. Bekommen hat er ihn allerdings nie. Das könnte hingegen der Dichter Jaroslav Seifert von sich behaupten, wenn er noch leben würde. Seifert starb 1986. Zwei Jahre zuvor bekam er den Nobelpreis für Literatur, und das obwohl seine Werke in der damaligen Tschechoslowakei seit 1968 nicht mehr erscheinen durften.“ (Radio Prag 29.12.2009)

2011 Sendeende auf Kurzwelle

Radio Prag wird zum 31. Januar 2011 seine Kurzwellensendungen einstellen. Dies wurde am 8. Dezember 2010 auch offiziell bekannt gegeben. Der letzte Sendeplan in Deutsch lautet:
07.30-07.57: 5930 (100 kW, 260°) 
11.00-11.27: 7345 (100 kW, nd) 
13.00-13.27: 6055 (100 kW, nd) 
16.00-16.27: 5930 (100 kW, 260°) 
Uhr Weltzeit (+1=MEZ) Frequenz (Sender) Programm
Seit November kamen aus dem Haus selber widersprüchliche Informationen. Nach einer Meldung der Nachrichtenagentur CTK soll die Kurzwelle zum 1. Januar 2011 tatsächlich abgeschaltet werden, nachdem die vom Außenministerium bereitgestellten Gelder diesmal um 30 bis 40 Prozent gekürzt werden. Darüber hinaus sollen die Arbeitsplätze von sieben Redakteuren, einer Bürohilfskraft sowie zwei Tontechnikern entfallen. Ceský Rozhlas rechnet laut CTK selbst mit zurückgehenden Hörerzahlen für die Auslandssendungen, die dann - abgesehen vom Internet - nur noch über Satellit laufen. Darüber hinaus verwies ein Sprecher auf die Laufzeit der Finanzierungsvereinbarung mit dem Außenministerium, die jeweils auf ein Jahr beschränkt ist. 
Das Sendeende auf Kurzwelle drohte bereits zum Jahresbeginn 2010, nachdem das tschechische Außenministerium die Mittel für den Betrieb von Radio Prag für 2010 um 15 Prozent gekürzt hatte. Seit dem 1. Februar 2010 werden die Programme über die Kurzwellensender in Pohodlí bei Litomyšl bereits nur noch auf einer statt wie zuvor zwei Frequenzen verbreitet. Zum 1. Oktober 2010 entfielen dann auch alle Ausstrahlungen über Sendeanlagen im Ausland. Die Kurzwellenstation in Pohodlí wird geschlossen. (Kai Ludwig Radio-News RBB 5.12., Karel Honzik 8.12.2010 BCDX)

Krupicka, Miroslav: Radio Prag. Eine kurze Geschichte und ein Blick auf die deutschsprachigen Sendungen, in: Internationales Radio in Europa. Situation und Zukunftsperspektiven (Hg. Thomas Völkner), Remscheid: Gardez 2006 (3-89796-132-6), S. 36-39.
 
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