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Holzkirchen
Auf der Suche nach potentiellen Senderstandorten stieß das Committee for a Free Europe im Frühjahr 1950 etwa 35 km südöstllich von München auf den ehemaligen Militärflugplatz Holzkirchen. Das rund 1000 mal 800 Meter große Sendergelände wurde darum in US-amerikanischen Sendeplänen als Holzkirchen bezeichnet, obwohl Marschall näher liegt. Mehr als 50 Jahre lang wurde das Areal für Sendungen US-amerikanischer Auslandsdienste nach Osteuropa, Nord- und Mittelasien eingesetzt. |
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Im Querschnitt (1. April bis 30. September 1950), in: Rundfunk und Fernsehen 1950,8/9, S. 113-126, S. 126, berichtete das Hans-Bredow-Institut: „Im Rahmen des ‚Kreuzzugs der Freiheit‘, der von einer privaten amerikanischen Gesellschaft unter Vorsitz von General Lucius D. Clay am 4.9. in Denver eröffnet wurde und das Ziel hat, den Ländern hinter dem Eisernen Vorhang die Wahrheit über die Demokratie zu vermitteln, ist die Errichtung eines Sendernetzes (größtenteils in Europa) geplant. Bereits am 4.7. wurde als erste der Sender ‚Freies Europa‘ (Redaktion in New York, Strahler in Holzkirchen bei München) eröffnet, über den osteuropäische Exilregierungen und Emigranten zu Wort kommen sollen. Am 14.7. wurden Kurzwellen-Sendungen für Jugoslawien, Bulgarien, Tschechoslowakei, Ungarn, Polen und Rumänien aufgenommen. Vorerst ist der Bau von 6 Sendern vorgesehen; in Kürze soll auch über Mittelwelle gesendet werden.“
Im Juni 1950 bestellte
Radio Free Europe in der Schweiz bei Brown Boveri & Cie einen 135-kW-Sender.
Im Nov. 1950 feierte
die Holzkirchener Mittelwellenstation ihr Richtfest. Die Nürnberger
Nachrichten und ihre Töchter berichteten damals: „Der Sender ‚Carol‘
wird mit 135 Kilowatt Leistung der stärkste Mittelwellensender in
Westeuropa sein. Die gesamte Groß-Sendeanlage verteilt sich auf eine
Grundfläche von 75 Hektar und umfaßt neben Sendehaus, Verwaltungsgebäuden,
Eingangs- und Verteilerstation, acht Schalthäuser, die zu den acht
Sendetürmen gebaut werden. Jeder von ihnen ist 104 Meter hoch. In
einem nach Ostnordost gerichteten Richtstrahlverfahren sollen die Menschen
in den Ländern der sowjetischen Einfluß-Sphäre bis nach
Asien hinein von der Stimme der freien Welt angesprochen werden.“ (Richtstrahler
reichen bis Asien, in: N.N 1950,183 (24.11.1950), S. 6, ER.N /FÜ.N
1950,183 (24.11.1950), S. 8)
Ab 1. Mai 1951 sendete Radio Free Europe dann regelmäßig auf der Mittelwelle. Die Mittelwelle 719 bzw. später 720 kHz wurde bis 1990 fast ganztägig für die Tschechoslowakei eingesetzt. Mit den Jahren kamen auch Kurzwellensender dazu, obwohl Radio Free Europe seine Großsendeanlage auf der Iberischen Halbinsel errichtete. Ab 1981 standen in Holzkirchen außer der 150-kW-Mittelwelle auch vier 250-kW-Kurzwellensender, die für Sendungen in die Sowjetunion gedacht waren.
Im Genfer Wellenplan von 1978 wurde für Holzkirchen eine 150-kW-Frequenz 720 kHz mit einem Maximum in 20 bis 60 Grad eingetragen. Das Signal wurde in Richtung 110-330 Grad mit 22 dB unterdrückt. Als Radio Free Europe sofort nach der Wende in der Tschechoslowakei selber senden konnte, wurde die Mittelwelle sieben bis neun Stunden täglich für den polnischen Dienst eingesetzt.![]()
2002 Auf weithin freien Feld: Die Mittelwellenantenne
Der einzige Kurzwellenmast in der Nähe von landwirtschaftlichen Gebäuden. (rechts:) Blick durch die Container auf die Antennenvorhänge. ![]() |
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Bürgerprotest
in den neunziger Jahren
Die Sendeanlage
in Holzkirchen wurde in den neunziger Jahren zum Gegenstand heftiger politischer
Kontroversen. Die Bürgerinitiative Sender-Freies-Oberland und die
politischen Gemeinden forderten eine komplette Abschaltung der Anlage in
Oberlaindern und begründeten dies mit den ungeklärten gesundheitlichen
Auswirkungen der elektromagnetischen Strahlung. Anwohner in der Umgebung
haben wiederholt gesundheitliche Beeinträchtigungen sowie Störungen
ihrer elektrischen Geräte beklagt und auf mögliche Auswirkungen
auf Herzschrittmacher hingewiesen. Die Hebel für die Abschaltung sollten
neben den öffentlichen Protesten der ungeklärte rechtliche Status
der unter einer Art Besatzungsrecht errichteten Station und die mit den
Jugoslawien-Sendungen vorgesehenen Antennenänderungen sein.
Bereits im Dezember 1994 kündigte RFE/RL zum 30. Juni 1995 die Schließung des Holzkirchener Senders an. Nach einem geplanten Zusammenschluss mit der Technik der Voice of America würde dieser Standort nicht mehr benötigt. Das International Broadcasting Bureau, das von nun an weltweit gut 25 Sendeanlagen für die US-Auslandssender Voice of America, Radio Free Asia und Radio Free Europe/Radio Liberty betrieb, wollte dann aber doch nicht auf den Standort verzichten. Radio Free Europe hatte nach dem Zerfall Jugoslawiens 1994 die neue Krisenregion als Zielgebiet zu bekommen. Die Holzkirchener Mittelwelle wurde nun abends mit Sendungen in Serbokroatisch belegt, je nach Krisenlage sogar die ganze Nacht hindurch bis in den Morgen.
Nach Umbauten Mitte der neunziger Jahre umfasste die Sendeanlage zwei 3-Mast-Anlagen mit Vorhangantennen für die Kurzwelle und in der Mitte einen einzelnen dreifach abgespannten Mittelwellenmast. Die Mittelwelle 1593 kHz sendete zuletzt nur noch mit 100 Kilowatt sechs Stunden in Serbokroatisch. Am 8. April 2001 gab das IBB die Mittelwellensendungen aus Holzkirchen auf und sendete nur noch auf Kurzwelle für die GUS, und auch das mit verminderter Leistung. Bayerns Umweltminister Werner Schnappauf begrüßte die Entscheidung als Reduktion der Feldstärken in Oberlaindern und der Immissionsbelastungen der Anwohner. Die Betreiber wiederum sprachen nicht von dem politischen Druck, sondern von finanziellen Erwägungen. Mit den Mittelwellen Marcali (Ungarn) 1188 kHz und Sombor (Serbien) 666 kHz hatten die US-amerikanischen Auslandsdienste seit einigen Monaten ohnehin eine Alternative für den Balkan, die den deutschen Standort entbehrlich machten. Der Mittelwellensender wurde abgebaut und nach Kuwait verlegt.
Sendeende 2003
Nach Zeitungsmeldungen
Anfang September 2003 soll das für die Sendeanlagen des Auslandsrundfunks
der USA zuständige International Broadcasting Bureau zugesagt haben,
seine Kurzwellenstation im bayerischen Oberland spätestens im Juni
2005 aufzugeben. (Münchner Merkur 2.9.2003, Fränkische Landeszeitung
25.9.2003 (!))
Nach langen Auseinandersetzungen sollte die Sendestation des International Broadcasting Bureau, der Dachbehörde des US-amerikanischen Auslandsrundfunks, in der Nähe von Holzkirchen im bayerischen Oberland ihren Betrieb offiziell zum 31. Dezember 2003 einstellen. Im Dezember 2003 wurde im Münchner US-Generalkonsulat wurde ein Aufhebungsvertrag mit der Bundesvermögensverwaltung unterschrieben, denn eigentlich lief der Pachtvertrag noch bis 2005. Generalkonsul Matthew Rooney würdigte bei der Unterschrift die "verdienstvolle Geschichte" des Senders, der 50 Jahre unzensierte Nachrichten in die Krisenregionen der Welt ausgestrahlt habe. Auch Brian Conniff, Director des Broadcasting Board of Governors, dem IBB untersteht, hob die Verdienste hervor. Obwohl Presseberichte in Münchner und Nürnberger Zeitungen von einem Ende der Nutzung der Holzkirchener Kurzwellenanlage zum 31. Dezember 2003 berichteten, war auf den Seiten der Bürgerinitiative www.sender-freies-oberland.de bis kurz vor dem Termin nichts davon zu lesen.
Nach Angaben der IBB wurden die Senderzuleitungen schon am 9. Januar 2004 gekappt, so dass spätere Meldungen der Bürgerinitiative über weitergehende Sendungen jeder Grundlage entbehrten. Am 16. April 2004 wurde der letzte der vier Holzkirchener Kurzwellensender verladen. Die IBB sollte das Sendegelände bis zum 30. September räumen, man geht aber davon aus, dass man schon im Juli oder August damit fertig ist. Der Abbau und Neuaufbau der Antennen lohnte sich dagegen nicht. Sie wurden nach der Übergabe des Geländes vom Bund abgerissen. Am 9. August 2004 begann der Abbruch der Antennenanlagen. Binnen einer Woche sollte die Abbruchfirma Seidl die bis zu 122 Meter hohen Masten fällen und für die Verschrottung vorbereiten. Der 600.000 Euro kostende Abriss wird vom Bund finanziert.
Für den 4. September planten die politische Gemeinde Valley und die Bürgerinitiative Sender Freies Oberland ein großes Fest. Die Gemeinde Valley kaufte das 142 Hektar große Gelände für 8,2 Millionen Euro von der Bundesvermögensverwaltung und plante hier einen Golfplatz samt Golfhotel. Schon drei Investoren hätten sich für das Golfplatz-Projekt beworben.
2005
Ein Jahr nach Sendeende
war das Sendegelände frei, aber noch unbebaut. In der Zeit ihres Bestehens
konnte man die Station leicht finden. Von der Ausfahrt Holzkirchen der
Autobahn München-Salzburg folgte man dem Autobahnzubringer, fuhr dann
aber nicht in Richtung Holzkirchen oder Oberlaindern ab, sondern noch einige
hundert Meter nach Marschall. Hier war auch die Zufahrt zu dem sehr weiträumig
eingezäunten und kamera-überwachten Gelände. Wer trotzdem
Richtung Oberlaindern abgefahren war, hat über einige hundert Meter
hinweg freien Blick auf die Sendeanlage. An dieser Straße war dann
auch den Protest der Anwohner gegen die Sendeanlage aufgestellt.
Studie zur elektromagnetischen
Hypersensibilität
Das Phänomen
der elektromagnetischen Hypersensibilität lässt sich nicht auf
eine nachweisbare, biologisch begründete Empfindlichkeit gegenüber
alltagsüblichen elektromagnetischen Feldern zurückführen.
Zu diesem
Fazit kommt eine
Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, die
Anfang November 2006 in Berlin vorgestellt wurde. Wenn die so genannte
Elektrosensibilität begründet sei, so die Ursprungsthese, dann
müsse der Körper auf die Reizung mit einem elektromagnetischen
Feld messbar reagieren. 144 Personen wurden in einem feldneutralen Labor
innerhalb einer Stunde drei mal zehn Minuten einem magnetischen 50-Hz-Feld
oder einem gepulsten GSM-Signal von einem Mobiltelefon mit 2 W HF ausgesetzt.
Die Probanden erfuhren nicht, wann und wie lange sie der Hochfrequenz ausgesetzt
waren. Im Ergebnis konnten die Forscher bei keinem der Teilnehmer - davon
48 so genannte Elektrosensible und 96 Nicht-Betroffene - eine Änderung
der elektrischen Leitfähigkeit der Haut nachweisen. Auch bei der subjektiven
Wahrnehmung erzielten die Elektrosensiblen keine höhere Trefferquote
als die Kontrollgruppe, obwohl die Betroffenen überdurchschnittlich
häufiger angegeben hätten, ein Feld zu spüren. (Heise Newsticker
via DARC-Deutschlandrundspruch 29.11.2006)
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Dr. Hansjörg Biener 0105,
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