© Dr. Hj. Biener
Luxemburg 6095 kHz
 
Kontakt
Eugene Muller, Broadcasting Center Europe S.A.,
45 boulevard Pierre Frieden, LU-1543 Luxembourg, Europe, eugene_muller@bce.lu
www.bce.lu

Informationen zur Geschichte von Radio Luxemburg findet man unter www.radiochronik.de/rtl/.

In den frühen Jahren war Rundfunk so faszinierend, dass man auch versuchte, weiter entfernte ausländische Sender zu hören. Manche Stationen hatten nach dem Ende des normalen Inlandsprogramms sogar eigene Sendungen für ausländische Hörer und Hörerinnen. Andere Stationen waren überhaupt nur durch die Hörerschaft im Ausland lebensfähig. Radio Normandy und andere Kontinentalsender beispielsweise sendeten für England, wo die BBC eben keine Werbung hatte. Das Konzept des Peripheriesenders, der ein werbefinanziertes Unterhaltungsprogramm ins Ausland ausstrahlt, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von Radio Luxemburg für England, Frankreich und Deutschland perfektioniert und weltweit auch von anderen Sendern wie Radio Ceylon für Südasien angewandt.

Die fröhlichen Wellen
Viel Musik, Kurzbeiträge, Werbung, Publikumsspiele, die ersten deutschen Hitparaden und Schlagerpreise waren in den sechziger und siebziger Jahren ein Erfolgsrezept von Radio Luxemburg. Das Wirtschaftswunder und ein werbefreier WDR begünstigten die Entwicklung des Programms, denn niemand sonst bot einen so weitreichenden Werbeträger für das konsumhungrige Ruhrgebiet. Die „vier fröhlichen Wellen“, darunter die reichweitenstarke Mittelwelle 1440 kHz und die, gerade auch in der DDR vielgehörte, Kurzwelle 6090 kHz, wurden zur Herausforderung öffentlich-rechtlicher und sozialistischer Rundfunknmonopole. Die Kurzwelle 6090 kHz sorgte früher tagsüber für guten Empfang „der fröhlichen Wellen“ in ganz Deutschland, wenngleich bei vielen Empfängern der Nachbarkanal 6085 kHz des Bayerischen Rundfunks hereindrückte.

Zu den frühen Stars des deutschsprachigen Programms gehörte Camillo Felgen (+2005). Felgen war als Jean Nicolas im luxemburgischen Tetingen geboren worden und begann 1946 als Nachrichtensprecher im französischen Programm von Radio Luxemburg. 1958 gehörte er als Camillo Felgen zu den Mitbegründern des deutschen Programms, wo er zunächst die Hitparade einführte. Ab den sechziger Jahren machte er sich auch als Schlagersänger und -autor bekannt. 1960 und 1962 nahm Felgen für Luxemburg am Eurovision Song Contest teil. Zu den rund 3000 Titeln gehören unter anderem "Ich zähle täglich meine Sorgen" (Peter Alexander) und "Schöner fremder Mann" (Connie Francis). Auch die deutschen Titel der Beatles "Komm, gib mir deine Hand" und "Sie liebt dich" sind von ihm. Als sich Felgen 1968 von Radio Luxemburg verabschiedete, wurde Frank Elstner sein Nachfolger als Chefsprecher.

Die Einführung von Privatfunk in Deutschland
Die Einführung von Privatfunk in Deutschland veränderte die Verhältnisse dramatisch. Weit wichtiger als die „fröhlichen Wellen“ wurde das Fernsehen, wo 1984 RTL-plus im Bündnis mit dem Medienkonzern Bertelsmann den Einstieg ins deutsche Fernsehsystem bedeutete. Zwar hatte Radio Luxemburg ab 1988 auch in Deutschland neue Sendemöglichkeiten im Hörfunk, aber all das ging auch zu Lasten des traditionellen Luxemburger Programms. „Radio Luxemburg“ veränderte in den folgenden Jahren mehrfach das Programmformat, konnte aber die Abwanderung der Hörerschaft zu den neuen Unterhaltungssendern auf UKW nicht wirklich bremsen. Besonders hart getroffen wurden die traditonellen Reichweitenbringer Mittel- und Kurzwelle

Sendeende auf Kurzwelle
1992 wurde die Kurzwelle an das in Paris produzierte französische RTL-Radio abgegeben, das zuvor auf 1350 kHz (50, 10 kW) für Kanada mitgelaufen war. Am 31. Dezember 1994 wurde die Frequenz 6090 kHz abgeschaltet.

Neue Hoffnungen durch DRM
Für neue Aussichten sorgte Digital Radio Mondiale, an dessen Entwicklung sich die RTL-Gruppe intensiv beteiligte.
2002 verschaffte sich das Broadcasting Center Europe mit Testsendungen einen Eindruck von der analogen Versorgungsqualität in Mitteleuropa. So wurde am 10. Juli 2002 die RTL-Kurzwelle Junglinster 6090 kHz (2x250 kW Telefunken, Horizontaler Kreuzdipol 0.4 lambda über Boden, Vertikaler Abstrahlwinkel ca. 35°) probeweise 7.55-23.04 Uhr Ortszeit wieder in Betrieb genommen. BCE übertrug das Programm RTL-Radio - Die größten Oldies. Die Empfangsqualität schwankte in den einzelnen Regionen Deutschlands, wobei sich wie in der Vergangenheit die Frequenznachbarschaft zum Bayerischen Rundfunk auf 6085 kHz als problematisch erwies. RTL erhielt mehrere Hundert Reaktionen zu dieser Probesendung. Neben den europäischen Ländern gab es auch e-Mails aus weiter entfernten Regionen wie Neuseeland, Brasilien, USA. Die Empfangsberichte wurden recht schnell mit QSL-Karten bestätigt. Laut Eugene Muller „werden noch weitere Tests folgen, vielleicht auch analoger Regelbetrieb zu bestimmten Tageszeiten.“

In den ersten Wochen 2003 wurde immer dienstags 08.30-08.50 UTC nahe der RTL Junglinster Frequenz 6090 kHz eine Testsendung beobachtet (800-1000 Hertzton oder leerer Träger). Wie schließlich bestätigt wurde, handelte es sich um Vorbereitungen für die DRM-Ausstrahlung.
Broadcasting Center Europe führte im Zeitraum 3.-13.3.2003 Tests des digitalen Systems DRM über die Sender in Junglinster durch. Genutzt wurde zwischen 13.00-17.00 die Kurzwelle 6095 kHz (40 kW, nd). Offensichtlich wurde um 5 kHz von der angestammten Frequenz 6090 kHz abgegangen, um Störungen des Bayerischen Rundfunks auf 6085 kHz und dadurch drohende Akzeptanzprobleme zu vermeiden. Die DRM-Sendungen sind nur mit einem DRM-tauglichen Empfänger zu entschlüsseln. Gesendet wird mit 20,9 kBit/s in Mono, was in der Qualität UKW-Mono entsprechen würde.
Anlässlich der ab 16.6.2003 in Genf stattfindenden Funkverwaltungskonferenz (World Radiocommunication Conference WRC 2003) brachte RTL auf der DRM-Kurzwelle eine Zusammenstellung von sieben europäischen RTL-Programmen, darunter dem Berliner Radiosender 104.6 RTL. Ab 1. Juli 2003 will RTL regelmäßig DRM-Testsendungen von seinem Standort  im östlichen Luxemburg ausstrahlen. Vorgesehen sind Zeiten werktags 08.00-16.00 Uhr auf 6095 kHz (35 kW, nd). Als Programm sind Übernahmen von verschiedenen zur RTL-Gruppe gehörenden europäischen Radiostationen vorgesehen. Die RTL-Gruppe ist mit 22 Radiostationen in acht europäischen Ländern vertreten. Empfangsberichte werden an drm @ rtl.com bzw. im Online-Format bei http://www.bce.lu/drm erbeten.

Broadcasting Center Europe hat für den Winter 2003/04 die Kurzwelle Junglinster für Testsendungen nach Bedarf angemeldet. Vorgesehen sind 06.00-00.00 Uhr 6095 kHz und 20.00-01.00 Uhr 5990 kHz. Für due Sendungen wurden die beiden Telefunkensender  von 1970 bzw. 1971 (Telefunken S2500/1) umgebaut, die früher zusammengeschaltet auf 6090 kHz 500 kW an die Kreuzdipol-Antenne brachten. Heute ist die Antenne aufgetrennt und jeder Sender speist mit 50 kW DRM einen Dipol. Sender und Antenne kannt man auf der Seite www.bce.lu/drm ansehen, wenn man auf Junglinster klickt. Ausgestrahlt werden Übernahmen von verschiedenen zur CLT-Familie gehörenden Sendern.
Broadcasting Center of Europe hat drei neue QSL- Karten für den Empfang von Marnach (1440 kHz), Beidweiler (234 kHz) und Junglinster (6095 kHz DRM) aufgelegt.

In einer Werbe-DVD hat die Luxemburger RTL-Gruppe 2004 große Pläne für die Nutzung von Digital Radio Mondiale (DRM) veröffentlicht. Die bestehenden französischen und deutschen Programme von Radio Luxemburg könnten künftig digital auf Lang- bzw. Mittelwelle sowie zusätzlich wieder auf Kurzwelle ausgestrahlt werden. Zu den Optionen gehört die Wiederbelebung eines englischen Programms, wie es bis in die frühen neunziger Jahre abends und nachts auf 1440 kHz ausgestrahlt wurde. Mit eigenen Programmen als Märkte erschlossen werden könnten Belgien und die Niederlande bzw. Osteuropa. (Radio Netherlands Media Network 5. Mai 2004)

Texas Instruments Incorporated und RadioScape wollen ab Herbst ein Radio produzieren, das sowohl analoge als auch digitale Rundfunksendungen vom UKW- bis Mittelwellenbereich empfangen kann. Dies gaben die Elektronikhersteller auf der Digital Radio Show bekannt, die am 1. und 2. Juni 2005 in London stattfand.
TI liefert die Chips und RadioScape die Software. Isgesamt soll der Preis des RadioScape RS500 unter USD 250 fallen, was die bisherigen Geräte für den Endverbraucher deutlich unterbietet. Insbesondere RTL wartet auf die Markteinführung DRM-tauglicher Empfänger. Thomas Rabe: "Wir arbeiten eng mit TI und RadioScape zusammen, um noch in diesem Jahr eine erfolgreiche Markteinführung von DRM/DAB- tauglichen Radiogeräten für den Massenmarkt zu erreichen."

Die RTL-Gruppe hat nicht nur ihre Kurzwellenanlagen für DRM-Sendungen wiederbelebt, sondern auch weitere Mittel- und Langwellen für verschiedene Radiomärkte beantragt. (Radio Netherlands Media Network 1.6.2005)

T-Systems verzeichnet DRM-Sendungen für RTL-Radio ab 1. August 2005:
06.00-18.00 (MESZ 08.00) Uhr  7145 kHz (Jülich 40 kW, 290°)

Broadcasting Center Europe hat am 21. Mai 2007 seinen DRM-Sendeplan aus dem Wertachtal umgestaltet:
bis 20. Mai 2007
05.30-07.30: 10.00-12.00 13.00-17.00: 5990 (W-90 kW, 270°) täglich
ab 21. Mai 2007
05.30-16.30: 5990 (W-90 kW, 270°) Mo-Fr
16.30-17.29: 5990 (W-90 kW, 270°) Mi
Uhr Weltzeit (+2=MESZ) Frequenz (Sender) Programm
Die Gesamtsendezeit ist damit bei 56 Wochenstunden gleichgeblieben, aber vom Wochenende wegverlegt. (T-Systems 18.5.2007 via Dr. Hansjörg Biener)

 

2011 Sendeende der Kurzwelle 

Das Broadcasting Center Europe (RTL-Gruppe) hat seine Kurzwellensendungen am 1. Mai 2011 eingestellt. Im Einsatz kamen in jüngeren Jahren zwei 250 kW-Sender (Telefunken), die um 1972 am Standort Junglinster installiert wurden. Ursprünglich übertrugen sie, zu 500 kW zusammengeschaltet, auf 6090 kHz Radio Luxemburg, dessen Kurzwellenübertragung sich bis auf die letzten Jahre der DDR dort größerer Popularität erfreute. Im Oktober 1990 wurde Radio Luxemburg zu RTL-Radio umformatiert. Zunächst lief es weiter auf 6090 kHz, wurde dann aber 1993-1994 für zwei Jahre von französischen Programm abgelöst.

Zu einer Neubelebung des Kurzwelle führten Hoffnungen, Hörfunksendungen aus Luxemburg mit digitalen Ausstrahlungen in den AM-Bereichen wieder im Markt positionieren zu können. Hierzu ließ sich RTL neue Mittel- und Langwellen autorisieren und begann mit DRM-Kurzwellensendungen. Nach ersten auf der alten Frequenz 6090 kHz gefahrenen Sendertests im Jahre 2002 lief aus Junglinster ab 2003 RTL-Radio digital auf 6095 kHz. 2004 kam eine DRM-Übertragung des französischen Programms auf 5990 kHz hinzu. 2005 versuchte RTL eine Neuauflage seines englischen Programms, hier aber über Jülich. Da sich die Hoffnungen nicht bewahrheiteten, reduzierte RTL 2007 Radio Luxembourg wieder auf einen Internetstream und beendete 2008 die digitale Ausstrahlung des französischen Programms. Der Betrieb der deutschen Frequenz 6095 kHz wurde immer weiter reduziert und letztlich auf Zeiten beschränkt, zu denen Programme externer Kunden liefen. Nachdem auch verschiedene Missionsgesellschaften, die ihre Produktionen schon seit Jahrzehnten aus Luxemburg verbreiten, die Nutzung der Digitalfrequenz wieder aufgaben, gab es auf 6095 kHz (50 kW) zuletzt nur noch einen Sendeblock 5.45-6.30 Uhr Weltzeit. Er enthielt eine auf 30 Minuten gekürzte Fassung der deutschen Sendung des Korean Broadcasting System, deren Vollversion sonst analog am späten Abend aus Großbritannien ausgestrahlt wird (20.00-21.00 Uhr 3955 kHz). Vermittelt hatte den Sendeplatz World Radio Network in London, das gleichzeitig auch eine digitale Übertragung auf der Mittelwelle 1440 kHz arrangierte. Hier hatte BCE zuletzt bereits darauf verzichtet, nur für KBS die Sendeanlage noch in den Digitalbetrieb umzuschalten. Damit war die Kurzfassung der deutschen KBS-Sendung zeitweise regulär auf Mittelwelle zu empfangen. (Kai Ludwig 22.5.2011 RBB, von Dr. Hj. Biener gekürzt)

© Dr. Hansjörg Biener 0207
jüngste Bearbeitung 1106
Eingangsseite
Portraits: AM-Rundfunksender in Mitteleuropa
Portraits: deutschsprachige Auslandsdienste
Nachrichten: allgemeiner Auslandsfunk
Nachrichten: religiöse Sender