© Dr. Hj. Biener
Radio Free Europe
Radio Freies Europa beging mit mehreren Veranstaltungen ab dem 1. Mai 2001 seinen 50. Geburtstag. Eigentlich könnte man in den Jahren zwischen 2000 und 2003 immer wieder feiern. Schon 1950 hatte es erste Rundfunksendungen des Komitees Freies Europa in verschiedenen osteuropäischen Sprachen gegeben, 1953 wiederum wurde Radio Liberty, die heutige andere Hälfte der Station, aktiv. Der 1. Mai als Ausgangspunkt der Jubiläumsfeiern wurde gewählt, weil am 1. Mai 1951 die regelmäßigen Sendungen für die Tschechoslowakei begannen, und Radio Free Europe/Radio Liberty seit 1995 in Prag zuhause ist. Aus Anlass der Feierlichkeiten gaben dem Sender unter anderem die Präsidenten Vaclav Havel (Tschechien) und Petar Stojanov (Bulgarien) die Ehre, aber auch zum Beispiel Petr Pithart, Sprecher des Tschechischen Senats, und Yelena Bonner, die Witwe des bekannten russischen Dissidenten Andrei Sakharov.  50 Jahre 
Radio Free Europe
von Dr. Hansjörg Biener

1949 wurde das Komitee gegründet, aus dessen Arbeit schließlich Radio Free Europe hervorging. Die eigentlichen Sendungen begannen offiziell am 1. Mai 1951 mit Programmen für die Tschechoslowakei, nachdem Radio Free Europe sich in München eingerichtet hatte. Zuvor waren ab 1950 in den USA vorproduzierte Testsendungen auch von mobilen Anlagen in der Nähe der tschechoslowakische Grenze aus gesendet worden. Die Redakteure des Senders waren vor allem Emigranten, die auf diese Weise nicht nur die Sendesprachen fließend sprachen, sondern jedenfalls in den ersten Jahren ihres Exils auch die Zustände und die Mentalität in den Zielgebieten gut kannten. Dabei gab es in späteren Jahren auch Probleme bei der Zusammenarbeit zwischen Exulanten der ersten Stunde, die gleich nach der kommunistischen Machtübernahme in Osteuropa die Heimat verlassen hatten, und späteren Flüchtlingen wie denen, die zum Beispiel nach Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 gegangen waren. 
Der heutige Direktor der tschechischen Sektion, Pavel Pechacek, würdigt die bisherige Arbeit so: "Die Radiostation war eine Art Antwort auf den 'eisernen Vorhang' und darauf, was sich in den 50 und 60er Jahren in Osteuropa ereignete und sie hat eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung des Totalitären Regimes gespielt." 
Selbst in Entspannungszeiten, in denen andere Sender weniger gestört wurden, blieb das Jamming gegen Radio Free Europe/Radio Liberty in vollem Umfang erhalten. Bis 1989 waren die Sender so stark von Störsendungen betroffen, dass weite Bereiche der Kurzwellen auch für andere Auslandsdienste unbrauchbar waren. Pechacek berichtet als Beispiel für die Symbolkraft des Senders folgende Anekdote: "Ich kann mich erinnern, dass der Bruder von Vaclav Havel - Ivan Havel - 1988, als die CSSR offiziell aufgehört hat die Sendungen zu stören, sagte: 'So, das ist nun wirklich der letzte Sargnagel für den Kommunismus.'"
Die finanziellen Mittel stellte zunächst der Geheimdienst CIA bereit und nach der Enthüllung der verdeckten Finanzierung und jahrelangen Auseinandersetzungen ab 1971 der amerikanische Kongress. Die Wende in Osteuropa und die Auflösung der Sowjetunion bedeuteten in den 90er Jahren eine späte Verwirklichung der alten Ziele und zugleich neue Herausforderungen. In einigen Ländern konnte man nun im Inlandsfunk senden. Für andere Sprachdienste bedeutete die Wende mittelfristig das Ende, so etwa für Ungarisch und Polnisch. Als sich abzeichnete, dass der US- Kongress nach dem Ende des Ostblocks die finanziellen Mittel immer mehr kürzen würde, entstand die Idee aus München nach Prag umzuziehen. Pechacek: "Also habe ich bereits im März 1993 darüber mit Präsident Havel und Premierminister Klaus gesprochen. Die tschechische Seite zeigte tatsächlich großes Interesse an dem Umzug nach Prag. Einerseits war der Betrieb hier billiger, und andererseits hatte das auch aus professioneller Sicht große Vorteile: Plötzlich waren wir inmitten der Welt, in die wir gesendet haben. Wir haben direkt darin gelebt und konnten somit deutlicher alle Probleme spüren, mit denen z. B. die Tschechische Republik in den neunziger Jahren zu kämpfen hatte."
Im Jubiläumsjahr hat Radio Free Europe/Radio Liberty 24 Niederlassungen in Europa und der GUS und weitere 1000 freie Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Insgesamt produziert das Prager Sendezentrum wöchentlich 800 Stunden Programm in 22 Sprachen, die sowohl über die eigenen Anlagen ausgestrahlt werden also auch bei gut 150 Partnern im Zielgebiet. Heute sieht Pavel Pechacek für seine Station neue Aufgaben: "Erstens sollen wir den osteuropäischen Ländern beim Aufbau von demokratischen Strukturen helfen, denn Demokratie ist nicht nur die pure Existenz von Institutionen, sondern es ist 'eine harte Arbeit' . Zweitens soll RFE den osteuropäischen Ländern eine Orientierung in der marktwirtschaftlich geregelten Gesellschaft geben." In Sachen Kapitalismuserziehung hat RFE-RL weiterhin Sendungsbewusstsein: "Von einem 'Gulaschsozialismus' zum modernen Kapitalismus überzugehen, der auch noch funktionieren soll - das ist ein schwerer und langwieriger Prozess. Denn Tschechien hatte dieses System eigentlich das letzte und einzige Mal während der ersten Republik erlebt. Heute geht es zunächst einmal um die Etablierung der 'politischen Kultur' und darum, dass wir die guten und richtigen Pläne und Wege auch tatsächlich realisieren und nicht von ihnen wieder abgehen. Und dass wir uns austauschen, wie sie es z. B. in Deutschland, Amerika, Großbritannien - also in den Ländern des entwickelten Kapitalismus - auf bestimmten Gebieten machen, damit Tschechien auch einige gute Beispiele sieht. Diese Erfahrungen können uns beim Aufbau der Demokratie behilflich sein." Die Tschechische Republik, wo man seit 1990 senden kann und 1995 mit CRo6 ein Sammelprogramm von Auslandsdiensten in Tschechisch geschaffen hat, ist sicher das Paradebeispiel für die neue Form der Arbeit. Die Idee hatte der damalige Direktor des Tschechischen Rundfunks, Vlastimil Jezek. Am Programm beteiligten sich außer Radio Free Europe und dem tschechischen Rundfunk auch die Voice of America, die BBC London und bis vor zwei Jahren die Deutsche Welle. Pechacek ist auch Chefredakteur dieses Programms: "Ich finde, dass es hier zur Umsetzung einer sehr guten Idee kam: Wenn man das Know-how dieser verschiedenen Länder - also Amerika, Slowakei, Großbritannien und Deutschland - mit dem des Tschechischen Rundfunks zusammenbringt, dann hat es für letzteren den Vorteil, dass er bei der Produktion seiner Sendungen von einer ganzen Reihe ausländischer Stationen professionell unterstützt wird, die auf dem Gebiet der Politik und der Wirtschaft bereits langjährige Erfahrungen haben. Und auf der anderen Seite hilft der Tschechische Rundfunk diesen ausländischen Sendern, ihre eigenen Sendungen in Tschechien ausstrahlen zu können." 

© Dr. Hansjörg Biener 
Die Zitate von Pavel Pechacek stammen aus einer Sendung von Radio Prag am 29. April 2001.


 
Neues Logo für RFE/RL - 
mehr als nur ein symbolischer Akt

Radio Free Europe/Radio Liberty hat seit dem 4. April 2005 ein neues Logo. Statt des blausilbernen Motivs der Berliner Freiheitsglocke wird jetzt eine Fackel für die Demokratie weitergetragen.
Bei der Vorstellung begründete RFE/RL-Präsident Thomas A. Dine das neue Logo so: "Die Märkte von heute brauchen ein neues, frisches Logo, das auch das jüngere Publikum anspricht. Die brennende Fackel steht dafür, dass wir auch mit einem erweiterten multimedialen Angebot von Radio, Fernsehen, Internet und Messaging-Diensten das Licht wahrheitsgetreuer Nachrichten weitertragen." (www.rferl.org/about/organization/newlogo.asp) Dagegen wisse kaum noch jemand etwas mit dem Symbol der Berliner Freiheitsglocke anzufangen. Sie war 1949 in den USA umhergereist und Teil einer Spendenkampagne zur Errichtung der Freiheitssender, aus denen RFE/RL hervorgegangen ist. Erstmals werden die Logos für die Sprachdienste eigens gestaltet, indem die einheimischen Programmnamen verwendet werden, also beispielsweise Radio Swoboda für den russischen Dienst.
 
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letzte Bearbeitung 0504
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