© Dr. Hansjörg Biener
Religiösen Sendungen hört man oft die Herkunft nicht an. Noch mehr als bei der Morgenfeier oder Andacht im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gilt das dort, wo religiöse Anbieter Sendezeit kaufen oder eigene Sender und Programme aufbauen. Nicht jeder katholische Anbieter ist auch die Stimme der römisch-katholischen Amtskirche. Noch weniger gilt bei protestantischen Radio- und Fernsehsendungen, dass sie mit einer traditionellen evangelischen Volks- oder Freikirche verbunden sind. Diese Internetseiten sollen zu ein wenig mehr Klarheit führen.  Für regelmäßige Informationen über die Senderszene gibt es »Medien aktuell: Kirche im Rundfunk«. Buch zur Grundinformation über die internationale Senderszene-Buch zur Grundinformation über die deutschen Radiomissionen

Radio Vatikan
 
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Winter 2011/12
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75 Jahre Radio Vatikan

Am 12. Februar 2006 besteht Radio Vatikan 75 Jahre und ist damit einer der ältesten christlichen Sender der Welt.  Im Jubiläumsjahr sendet Radio Vatikan regelmäßig in 40 Sprachen und sieben weiteren gelegentlich. Nach eigenen Angaben erreicht Radio Vatikan weltweit rund 200 Mio. Zuhörer und Zuhörerinnen, nicht nur über die eigenen Sendeanlagen, sondern auch über Hunderte von kirchlichen oder kirchennahen UKW-Stationen, die die Programme in der Regel über Satellit erhalten. 

 

Die Durchbrechung der römischen Gefangenschaft
Ein berühmtes Photo zeigt Guglielmo Marconi zwischen Staatssekretär Eugenio Pacelli, dem späteren Papst Pius XII., und Papst Pius XI.

Bilder: Grußkarten, mit denen Radio Vatikan Empfangsberichte bestätigt
1925 legte der Jesuitenpater Giuseppe Gianfranceschi dem Papst Pius XI (1922-1939) den Plan für eine Radiostation in den Vatikanischen Gärten vor. Doch erst die Beendigung eines 60 Jahre währenden Kalten Krieges zwischen Italien und dem Vatikan machte die Verwirklichung des Senders möglich. Am 11. Februar 1929 unterzeichneten Italiens Regierungschef Mussolini und Kardinalstaatssekretär Gasparri im Namen des italienischen Königs Viktor Emanuel III. und des Papstes Pius XI. die Lateranverträge. Sie regelten unter anderem die Gründung des souveränen Staates Vatikanstadt bei gleichzeitigem Verzicht des Papstes auf den alten Kirchenstaat, die Anerkennung Roms als italienischer Hauptstadt und das künftige Verhältnis von Italien und dem Heiligen Stuhl. Sie ermöglichten auch einen Radiosender. 
Vier Tage nach der Unterzeichnung der Lateranverträge wurde Guglielmo Marconi offiziell mit der Planung des Vatikansenders beauftragt. Die Durchbrechung der "römischen Gefangenschaft der Päpste" sollte auch im Äther Ausdruck finden. Marconi betrachtete die Station in den vatikanischen Gärten als die Krönung seines Lebenswerks und nahm für seine Arbeit keine Bezahlung an. Radio Vatikan wurde mit einem 10 kW-Kurzwellensender und zwei Richtantennen ausgestattet. Britische, belgische und italienische Techniker vollendeten das Projekt in Rekordzeit. Papst Pius XI. war sehr am Fortschritt des Unternehmens interessiert und ließ sich immer wieder persönlich informieren. 
Am 21. September 1930 wurde der Jesuitenpater Giuseppe Gianfranceschi, bis dahin Rektor der päpstlichen Universität Gregoriana und Präsident der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften, zum ersten Direktor von Radio Vatikan ernannt. 1930/31 meldete sich der Vatikansender unter der Tradition gewordenen Ansage "Laudetur Jesus Christus" mit Musik und Versuchsprogrammen in Englisch und Italienisch. Am Nachmittag des 12. Februar 1931 war dann die offizielle Eröffnung. Um 15.30 Uhr erscheint Marconi und testet die Ausrüstung ein letztes Mal. Es gelingen Funkverbindungen nach New York, Melbourne und Quebec. Um 16.20 Uhr fährt Pius XI. vor. Guiseppe Gianfranceschi und Guglielmo Marconi begleiten den Papst zum Mikrophon. Morse-Zeichen kündigen den Sendebeginn an: "In nomine Domini. Amen. Im Namen des Herrn. Amen." Es ist 16.49 Uhr, als Papst Pius XI seine Ansprache Omni creaturae beginnt. Sie ist ganz in Latein verfasst und betont den weltweiten Anspruch des Evangeliums auf die Stadt und den Erdkreis. 

Der Vatikansender als Sender für den Klerus
Dienten die Sender der Kolonialmächte damals der Verbindung von Mutterland und Kolonialeuropäern, so verband Radio Vatikan die Zentrale der römisch-katholischen Weltkirche mit ihren Außenposten. Die Kardinal-Erzbischöfe und päpstlichen Vertretungen im Ausland wurden aufgefordert, gezielt die Sendungen des Vatikans zu hören, und man versandte zu diesem Zweck auch Kurzwellenradios. Das Hauptinteresse der zunächst eher unregelmäßigen Sendungen galt den Ansprachen des Papstes und den Feierlichkeiten in St. Peter. Radio Vatikan verfügte anfangs nur über eine Sprecherkabine, so dass die Eigenproduktionen im wesentlichen Wortbeiträge waren. In italienischer Sprache wurden Nachrichten und Artikel aus dem päpstlichen Osservatore Romano verlesen, in anderen Sprachen Nachrichten der Fides-Nachrichtenagentur. Die Sendemöglichkeiten verbesserten sich 1937, als am 25. Dezember 1937 ein 25 kW-Kurzwellensender von Telefunken und neue Richtantennen in Betrieb genommen wurden, und 1939 mit der Errichtung der ersten Studios im Turm Leos XIII., der früheren Sternwarte. Am 9. Februar 1939 starb Pius XI. Radio Vatikan hatte erstmals über die Wahl und Einsetzung eines neuen Papstes zu berichten.  Aus dem Amtsblatt der Erzdiözese München-Freising 1936

Rundfunkinsel im Zweiten Weltkrieg
Nach dem 1. September 1939 bestimmte der Zweite Weltkrieg die Arbeit mit, denn der Vatikan war eine Insel im kriegführenden Europa, die nur von der moralischen Autorität der römisch-katholischen Weltkirche gedeckt war. Naheliegenderweise setzte sich überall in Europa und auch in Deutschland besonders der katholische Klerus über das Abhörverbot hinweg. Große Hörerschaft gewannen ab Juni 1940 Gedanken des belgischen Jesuiten Emmanuel Mistaien, die auch im Untergrund nachgedruckt wurden und mit der Wendung endeten: „Courage! Confiance! Dieu vous garde.“ („Habt Mut und Vertrauen. Gott achtet auf Euch.“) Auch wenn die Sendungen Ortsbischöfe in Verlegenheit brachten, blieb Mistaien bis 1945 bei Radio Vatikan auf Sendung. Die Verärgerung der deutschen Reichsregierung über Radio Vatikan wurde immer wieder zum Ausdruck gebracht. Trotzdem meinen manche im Nachhinein, Radio Vatikan hätte sich noch deutlicher gegen die faschistischen Regierungen positionieren müssen.
Der Zweck, die Weltkirche mit ihrem Zentrum zu verbinden, musste in den Hintergrund treten. Zwei neue Programmangebote machten den Vatikansender aber auch für Nichtkleriker interessant. Ab Januar 1940 brachte Radio Vatikan täglich fast identische Nachrichten in Italienisch, Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch, dazu zwei- bis dreimal wöchentlich in Portugiesisch, Polnisch, Ukrainisch, Litauisch und Russisch. Den Stein hatte der deutsche Jesuit Friedrich Muckermann ins Rollen gebracht, der sich 1939/40 über Rundfunk aus dem französischen Exil gegen das nationalsozialistische Regime gewandt hatte. Wichtig war auch der Suchdienst. Zwischen 1940 und 1946 strahlte Radio Vatikan insgesamt 1.240.728 Suchmeldungen und Botschaften an Kriegsgefangene und Vermisste aus. Damit erreichte die entsprechende Berichterstattung eine Sendezeit von insgesamt 12.105 Stunden - was anderthalb Jahren Sendungen rund um die Uhr entsprechen würde. (R.Vatikan 9. Juni 2004).

Die Entwicklung bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil
Richtfunkstrecke zwischen Vatikan und Santa Maria di Galeria 
Im Turm Leos XIII., der ehemaligen Sternwarte, wurden 1939 die ersten richtigen Studios von Radio Vatikan eingerichtet.
Nachts ist das Kreuz
der "Kreuzantenne" mit den Antennen für die Richtverbindung beleuchtet.
 
 
 
 
 
 
 

Luftbild der Sendeanlage von Santa Maria di Galeria

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde zunächst an die Erfahrungen und Ansprüche der Vorkriegszeit angeknüpft. 1947 entstand der tägliche Nachrichtendienst, der schließlich in sieben Sprachen sendete. 1948 hatte Radio Vatikan Programme in 19 Sprachen. Am 1. Januar 1949 wurde das traditionelle Pausenzeichen „Christus Sieger, Christus Herrscher, Christus Führer“ eingeführt. 
Aus Anlass des goldenen Priesterjubiläums von Papst Pius XII. (1939-1958) 1949 wurde eine weltweite Sammlung für den Ausbau von Radio Vatikan durchgeführt. Von den holländischen Katholiken kam die größte Spende: ein 100-kW-Kurzwellensender. Der Vatikan war jedoch für den Betrieb einer großen Radiostation zu klein. Obwohl die Sendeanlage in den vatikanischen Gärten weiter in Betrieb blieb, errichtete man ab 1954 18 km vor Rom in Sta. Maria di Galeria eine neue Station. Mit 440 ha ist das Gelände, das 1952 für exterritorial erklärt wurde, zehnmal so groß wie der Vatikanstaat. Außer dem 100-kW-Sender wurden noch zwei 10-kW-Kurz- und ein 100-kW-Mittelwellensender und insgesamt 21 Antennen installiert. Radio Vatikan war nun in der Lage, entferntere Zielgebiete einigermaßen zuverlässig zu erreichen und begann zum Beispiel am 12. März 1958 Sendungen in Spanisch und Portugiesisch für Lateinamerika.
Am 27. Oktober 1957 nahm Pius XII. die feierliche Einweihung von Santa Maria di Galeria vor. In der Ansprache erklärte er unter anderem: „Wir haben uns zur Errichtung einer stärkeren Rundfunkstation entschlossen, um unsere Stimme in der ganzen Welt hören lassen zu können, um der ganzen christlichen Gemeinschaft unsere Ermahnungen, unsere Ermutigungen und unsere Wünsche mitzuteilen.“ Bei diesem Nutzungskonzept „von oben nach unten“ konnte es aber nicht bleiben. Die Geschichte des Auslandsfunks wie der römisch-katholischen Weltkirche forderten den Übergang vom Informationsorgan des Papstes zum Dialogmittel der Kirche. So blieb Radio Vatikan ist nicht allein die Stimme des Papstes, sondern wurde ebensosehr Echo der Weltkirche.
Papst Johannes XXIII. (1958-1963) konnte 1961 und 1962 durch Spenden aus Deutschland, Australien und Neuseeland zwei 100-kW-Sender einweihen. Dies kam gerade recht für mehr als 3000 Stunden Berichterstattung über das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965), die Radio Vatikan voll in Anspruch nahm.

Die deutsche Redaktion
In den Jahren des Kalten Krieges hatte Radio Vatikans deutsche Redaktion eine besonders schwierige Aufgabe. Trotz des klar umrissenen Zielgebiets lebte die Hörerschaft in sehr verschiedenen Kontexten: in zwei neutralen, aber westlich orientierten Staaten, und in zwei Führungsstaaten der NATO und des Warschauer Pakts; in atheistisch geprägten Umgebungen und in gut katholischen Milieus, doch waren Deutschland und die Schweiz auch Mutterländer des Protestantismus. An wen also sollte man sich besonders wenden? Am sichtbarsten wurde der Spagat immer wieder in der Hörerpostsendung: einerseits innerkatholische und konfessionelle Kontroversen, andererseits Informationsbedürfnisse und religiöse Suche, einerseits päpstliche Autorität und andererseits mitteleuropäischer Anspruch auf eigene Meinungen. In einer Laudatio wusste Programmdirektor Frederico Lombardi die Bemühungen der Redaktion am 29. September 2000 so zu würdigen: "Das deutschsprachige Programm hat ... Treue zu seiner Natur und zur Sendung von Radio Vatikan verbunden mit Verständnis für einen kulturellen und kirchlichen Kontext, der nicht frei ist von Spannungen und nicht immer leicht bereit ist, eine Stimme, die aus Rom kommt, positiv aufzunehmen."

Die Redaktion steht seit 1983 unter Leitung des Jesuitenpaters Eberhard von Gemmingen SJ, der „20 Jahre Abenteuer Radio Vatikan“ längst in einem Taschenbuch zusammengefasst hat. Die Redaktion hat heute fünf feste Stellen. Die vollzeitlichen Redaktionsmitglieder und weitere Mitarbeitende kümmern sich um insgesamt gut 35 Programm-Minuten pro Tag. 
  • Montag: Weltkirchenmagazin
  • Dienstag: Radio-Akademie
  • Mittwoch: Die Woche in Rom 
  • Donnerstag: Jugendmagazin Young Radio (1), Kreuz des Südens (2+4), Kreuzfeuer (3)
  • Freitag: Prisma-Magazin
  • Samstag: Wochenkommentar und Sonntagsbetrachtung
  • Sonntag: Hörerbriefkasten, Portraits
Im Wochenplan der Hauptsendung spiegeln sich die drei Hauptaufgaben Aktuelle Berichterstattung, religiöse Erwachsenenbildung und Sendungen zum geistlichen Leben. Der alte Zweck, die römisch-katholische Weltkirche mit ihrem Zentrum zu verbinden, wurde in den letzten Jahrzehnten durch die Gegenrichtung ergänzt: Radio Vatikan ist nicht mehr allein die Stimme des Papstes, sondern ebensosehr Echo der Weltkirche. Aus vatikanischer Perspektive sieht man den deutschsprachigen Raum als besonders säkular an. In einem Interview am 13. November 2005 sah Programmdirektor Andiez Koprowski „gerade in den Ländern deutscher Sprache das Christentum mit der Postmoderne konfrontiert“, in der scheinbar alles erlaubt ist, nur nicht die öffentliche Äußerung von religiöser Bindung.
Um am Puls der Hörerschaft zu bleiben, gründete Redaktionsleiter Heinrich Ségur (1974-1983) 1977 einen Hörerklub. Im Unterschied zu den Hörerklubs vor allem der osteuropäischen Auslandsdienste diente er weniger der Empfangs- als der Programmbeobachtung: "Zweck des Hörerklubs ist, unseren ständigen Hörern die Möglichkeit zu geben, durch konstruktive Kritik der Sendungen, durch Mitteilung ihrer Wünsche, Vorschläge und Fragen sowie durch Werbung verschiedenster Art, eine Mitwirkung an der weltweiten Aufgabe der Rundfunkanstalt des Papstes zu übernehmen." In speziellen Vordrucken sollen sie die gehörten Sendungen anhand vorgegebener Stichworte pauschal bewerten, möglichst aber auch Begründungen dafür geben. Die Hörerklubarbeit band einerseits Hörer an die Station und förderte andererseits deren religiöse Bildung und Urteilsfähigkeit. Im Hörerbriefkasten wurden entsprechende Fragen aufgegriffen, dienstags in der "Radioakademie" Glaubensthemen vertieft dargestellt. Seit 1990 gibt es neben dem Hörerklub noch die "Freunde von Radio Vatikan e.V." (c/o Alfons Isermann, Langenhorster Str. 25 b, DE-42551 Velbert). Sie vertreten Radio Vatikan nicht nur in ihren Regionen, sondern haben durch ihre Spenden mancher Redaktion von Radio Vatikan unter die Arme gegriffen. Das jüngste Projekt ist eine Stiftung, die die deutschen Sendungen mitfinanzieren soll.

Das Pontifikat Papst Johannes Pauls II. (Papst Johannes Paul (1978-2005))
Noch unter Papst Paul VI. begann Mitte der siebziger Jahre ein neuer Ausbau von Radio Vatikan. Herausragend war hier 1975 die Installation des ersten 500-kW-Kurzwellensenders einer christlichen Rundfunkstation. Im Dezember 1977 und März 1987 nahm Radio Vatikan in Santa Maria di Galeria zwei drehbare Kurzwellenantennen in Betrieb und 1985 eine neue Mittelwellenanlage für die Hauptfrequenz 1530 kHz.
Sehr bewusst setzte Johannes Paul II., der als Pole selber die Bedeutung von Auslandsfunk und Radio Vatikan erfahren hatte, ab Oktober 1978 Radio Vatikan und die Medien für seine Führung der Weltkirche ein. So wurde unter anderem die Sendezeit für die kommunistischen Staaten Osteuropas und Ostasiens erhöht. Vor allem die Reisen des Papstes bedeuteten für Radio Vatikans Berichterstattung neue Anstrengungen. Schon 1979 gab es 90 Sonderaktivitäten außerhalb des normalen Sendeplans zu bewältigen. In einer Zeit auseinanderstrebender Kräfte in der Weltkirche zog Johannes Paul II. durch Reisen das Interesse der besuchten Kirchen wie auch der Medien neu auf sich und stärkte so seine Rolle als Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche. Sein Sterben wurde 2005 mithin auch zum weltweiten Medienereignis.
Nachdem jahrzehntelang vor allem Stationen in Südamerika Programme von Radio Vatikan übernommen hatten, bedeutete die Öffnung Westeuropas für den Privatfunk und die Wende in Osteuropa neue Verbreitungschancen für Radio Vatikan. Zum einen entstanden vielerorts katholische UKW- und Satellitensender, zum anderen übernahmen vor allem in den osteuropäischen Reformstaaten Inlandsdienste Vatikan-Programme. Ab den neunziger Jahren nutzte Radio Vatikan dann auch die Möglichkeiten des Satellitenrundfunks. Für Europa sendete man in Kooperation mit World Radio Network ab 1. Januar 1993 insgesamt 18 Sprachdienste über den Eutelsat 13° Ost und nutzte dies zugleich zur Zuführung der Programme beispielsweise an den polnischen Rundfunk.
Die Sendungen werden mittlerweile von einem multinationalen Team von gut 200 Mitarbeitenden aus 61 Nationen zusammengestellt. In der Korrespondenzsendung „Sie schreiben- wir antworten“ (30.1.2005) wurde erwähnt, dass der Sendebetrieb von Radio Vatikan im Jahr um die 20 Mio. Euro Kosten verursacht. Obwohl Radio Vatikan ein Zehntel des Budgets des Heiligen Stuhls verbraucht, leben die Mitarbeitenden nicht auf großem Fuß. Programmdirektor Koprowski 2005: „Wir wissen alle, dass die Gehälter, die der Sender zahlt, nicht hoch sind. Zum Beispiel wollen viele Journalisten gerade aus dem deutschen Sprachraum nicht zu Radio Vatikan, weil sie in ihrem Land bedeutend besser verdienen. In anderen Worten, unsere Journalisten, Techniker und so weiter sind außerordentlich motiviert - nicht weil sie gut verdienen würden, sondern weil sie wissen, dass das, was sie bei Radio Vatikan tun, einen Sinn hat.“

Elektrosmog-Debatte um Santa Maria di Galeria
Als die Sendeanlage errichtet wurde, stand sie weit und breit auf weitem Feld, doch nun sind die römischen Vorstädte an das exterritoriale Gelände herangewachsen. Hier stehen neben dem Großsender für die Mittelwelle 1530 kHz und seiner Richtantenne vier 500 kW- und fünf 100-kW-Kurzwellensender, die ihre Leistung an 28 feste Vorhangantennen, eine drehbare log-periodische Antenne und zwei drehbare Vorhangantennen von 76x85 bzw. 106x87 m Höhe mal Breite abgeben.
Mittlerweile leben 60.000 Menschen in einem Radius von 10 Kilometern um die Sender. Nachdem im Jahr 2000 einige Leukämiefälle in der Region berichtet und auf die Sendeanlage zurückgeführt wurden, begann ein Kampf von Bürgerinitiativen gegen Radio Vatikan. 2002 entschieden italienische Gerichte, dass Radio Vatikan wegen der Exterritorialität der Sendeanlagen nicht belangt werden kann. Dieses Urteil wurde aber 2003 vom obersten italienischen Gericht kassiert. 2005 kam es schließlich zu einer Verurteilung von zwei führenden Mitarbeitern von Radio Vatikan wegen des Werfens gefährlicher Gegenstände, weil Elektrosmog kein Straftatbestand ist. Das Strafmaß von 10 Tagen Gefängnis auf Bewährung war zwar symbolisch, aber die erste Verurteilung von Mitarbeitern von Radio Vatikan wegen eines höchst umstrittenen Sachverhalts. Während sich die Kläger über ihren Sieg gegen die „Arroganz des Vatikan“ freuten, hielt Radio Vatikan an der prinzipiellen Unbedenklichkeit fest. Man halte längst die italienischen Normen ein, die aus politischen Gründen weit strenger sind als die international üblichen. So wurden schon 2001 die Sendeleistungen aus Santa Maria di Galeria reduziert. Von Sept. 2001 bis August 2006 wurde neben der schwächeren Mittelwelle 1530 kHz abends auch die Mittelwelle Roumoules 1467 kHz eingesetzt, darunter auch in Deutsch.
Ein italienisches Berufungsgericht hat am 4. Juni 2007 den Jesuiten-Priester Pasquale Borgomeo und Kardinal Roberto Tucci vom Vorwurf des „Werfens gefährlicher Gegenstände“ freigesprochen. Sie waren am 9. Mai 2005 zu zehn Tagen Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden, weil die Mittelwelle von Radio Vatikan zu starke elektromagnetische Wellen ausstrahle und damit gegen italienisches Recht verstoße. Angeführt wurde seinerzeit der genannte Tatbestand, da Elektrosmog kein Straftatbestand ist. Die Richter der zweiten Instanz entschieden, dass elektromagnetische Wellen von dem entsprechenden Gesetz nicht erfasst sind und die beiden freizusprechen seien.
Die gerichtlichen Auseinandersetzungen dauern seit 2001, nachdem von einem „sechsfach erhöhten Leukämierisiko“ in der Nähe der Sendeanlage berichtet worden war. Tatsächlich handelt es sich um einen einzigen Fall, der 2001 im italienischen Wahlkampf von grünen Politikern aufgegriffen worden war, während Radio Vatikan auf die „gefühlte Gefahr“ nur mit dem Hinweis auf die Einhaltung der internationalen Normen antworten konnte. Andernorts haben Auseinandersetzungen über Elektrosmog bereits zur Abschaltung der bekämpften Sendeanlagen geführt.

Hoffnungsträger DRM
Die „16.00-Uhr-Nachrichten“ des deutschen Dienstes von Radio Vatikan werden seit 2004 auch auf digitaler Kurzwelle ausgestrahlt. Die Mitglieder des Konsortiums von Digital Radio Mondiale erhoffen sich von der verbesserten Audioqualität und eventuell mitübertragenen Zusatzdiensten eine Renaissance der traditionellen Wellenbereiche Lang-, Mittel- und Kurzwelle. Für Radio Vatikan wiederum würde die Aussicht auf digitale Sendungen eine deutliche Verminderung des Elektrosmog-Problems bei gleichzeitig besserer Audioqualität bedeuten.
Die Sendung beendet einen DRM-Block mit Programmen verschiedener Anbieter, den Radio Nederland seit dem 26. Oktober 10.30-16.15 Uhr Ortszeit aus Flevo auf 9815 kHz ausstrahlt. Die Stärke der Digitalausstrahlung beträgt 40 kW, was 100 kW in Analogausstrahlung entspricht. Radio Vatikan nutzte aber nicht nur fremde Sendeanlagen für DRM-Tests.
Photos von den DRM-Sendungen finden sich unter www.mediasuk.org/archive/vaticana.html
Im April 2004 begann man auch mit eigenen DRM-Testsendungen, zunächst auf der Mittelwelle 1611 kHz, die leicht außerhalb des traditionellen Mittelwellenbereichs liegt. Mittlerweile wird nachts aber auch die "große" Mittelwelle 1530 kHz in DRM getestet. Radio Vaticana hat Thales mit der Aufrüstung des 1988 ausgelieferten 600-kW-Mittelwellensenders in Santa Maria di Galeria beauftragt.

2007: Friedenspreis für Radio Vatikan
(RV 27.11.2007) Radio Vatikan ist mit dem „Telamone-Preis für den Frieden” ausgezeichnet worden. Radio Vatikan setze sich für einen Geist des Friedens und für religiöse, moralische und soziale Werte ein, erklärte das „Programmzentrum für soziale Aktion” im sizilianischen Agrigento, das den Preis seit 1981 vergibt. Die Auszeichnung richtet sich an Politiker, Organisationen und Persönlichkeiten, die für den Menschen arbeiten und die Einheit in der Gesellschaft fördern. Radio Vatikan richte sich nach dem Evangelium und der moralischen und sozialen Lehre der Kirche, sagte Pater Federico Lombardi in seiner Dankansprache. Es wolle dazu beitragen, die großen Probleme unserer Welt zu verstehen und eine Lösung zu finden, die die menschliche Person stärke.

2011: Neue Leitung der Freunde von Radio Vatikan

(RV/HjB) Die 1990 gegründeten Freunde von Radio Vatikan haben seit April 2011 eine neue Leitung. Als Vorstand fungieren Ulrich Knop, Hans-Werner Lichter und Marco Chwalek. Nach fast 25 Jahren ehrenamtlichem Dienst für die deutsche Redaktion von Radio Vatikan stellte der Initiator und langjährige Vereinsvorsitzende Alfons Isermann sein Amt zur Verfügung. Die Freunde von Radio Vatikan kümmern sich sowohl um die Öffentlichkeitsarbeit (Programmheft, CD-Versand, Präsenz bei Großveranstaltungen), sondern sammeln auch mehrere Tausend Euro Spenden jährlich für die Redaktionen von Radio Vatikan. Die neue Anschrift der Freunde lautet: Ulrich Knop, Im Hafer 2, DE-71636 Ludwigsburg.

 

© Dr. Hansjörg Biener 0308
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